Montag, 22. April 2019

Das größte grenzübergreifende Naturschutzgebiet der Welt Sanfte Safaris und gnadenlose Jagd

Afrikas Süden: Zwischen Löwenjagd und Massentourismus
Jacques Marais/KAZA TFCA/dpa-tmn

Das größte grenzüberschreitende Naturschutzgebiet der Erde erstreckt sich über fünf Länder mit einzigartigen Safari-Hotspots im südlichen Afrika. Doch während manche hier für Löwenleben kämpfen, wollen andere nichts lieber als die Jagd zurück.

KAZA-Schutzgebiet
Reisezeit
Zu Beginn der Trockenzeit im Frühjahr sind die Temperaturen erträglicher als im Sommer oder Herbst, und die Landschaft ist noch grün. Während der Regenzeit in den Wintermonaten kann es zu heftigen Regenfällen und Überschwemmungen kommen.
Anreise
Mehrere Fluggesellschaften wie South African Airways, Emirates oder British Airways fliegen von verschiedenen deutschen Flughäfen mit Zwischenstopps in Johannesburg oder London ins KAZA-Gebiet. Als Zielflughäfen bieten sich Städte wie Livingstone in Sambia, Victoria Falls in Simbabwe oder Kasane in Botsuana an.
Einreise und Formalitäten
Nach Botsuana und Namibia können deutsche Touristen mit einem mindestens sechs Monate gültigen Reisepass gebührenfrei und ohne Visum einreisen. Für Sambia und Angola müssen Reisende vorab ein Visum für 45 Euro beziehungsweise 250 Euro beantragen, Simbabwe vergibt Visa für 25 Euro bei der Einreise. Für Sambia und Simbabwe gibt es das KAZA UniVisa für 50 Dollar, man kann damit beliebig oft zwischen beiden Ländern wechseln, auch ein Tagesausflug nach Chobe in Botsuana ist möglich. Reist man in ein anderes Land, verfällt das Visum allerdings.
Übernachtung
In den Nationalparks gibt es von Zeltcamps (etwa 10 bis 40 Euro pro Nacht) über Lodges (ab etwa 100 Euro) bis hin zu luxuriösen Unterkünften (ab etwa 500 Euro pro Nacht) verschiedenste Übernachtungsmöglichkeiten für jeden Geldbeutel.
Gesundheit
Impfungen gegen Diphterie, Hepatitis A, Keuchhusten und Tetanus sind für alle KAZA-Länder empfohlen, auch eine Malaria-Prophylaxe ist sinnvoll. Für Angola sind Impfnachweise gegen Gelbfieber, Hepatitis A und B Teil des Visumsantrags.

Als Peter Sibanda am Morgen nach seinen Ziegen sieht, findet er nur noch leblose Überreste auf seinem Grundstück vor. Alle vier Tiere liegen tot auf dem Erdboden des Bomas, einem Gehege aus hölzernen Pfählen, das Viehhalter im südlichen Afrika traditionell zum Schutz vor Raubtieren anlegen. Die hungrige Löwin auf Beutezug hat es nicht abgehalten.

Etwa zehn Kilometer weiter wühlen sich schwere Reifen durch den sandigen Untergrund einer schmalen Piste. Eine Gruppe Reisender sitzt unruhig auf den gepolsterten Sitzen eines Safari-Fahrzeugs und will vor allem eines: endlich Löwen sehen. Als der Guide am Steuer auf Pfotenabdrücke im Sand deutet, kommt Unruhe auf. Dann ist nur noch das Klicken der Kameras zu hören. Im Fokus: ein kleines Rudel von vier Tieren, sandfarben, kräftig und in der Hitze der höher steigenden Sonne vor allem aufs Faulenzen im Schatten aus.

Der Mann am Steuer, der den Besuchern nun das Sozialverhalten der Tiere erklärt, ist derselbe Mann, der gerade erst Ziegen im Wert von hundert US-Dollar an eines der Raubtiere verloren hat. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Mitarbeiter einer Lodge nahe des Hwange-Nationalparks in Simbabwe. Wildtiere sind für den 56-Jährigen und seine Mitmenschen Teil des Lebens. "Unser Erbe", wie Sibanda sagt, potenzielle Bedrohung und Einnahmequelle zugleich. Für viele Touristen im südlichen Afrika sind sie der Grund ihrer Reise.

Ein von seinem Arbeitgeber ins Leben gerufener Fonds, der Mother Africa Trust, hat Sibanda eine Entschädigung für seine Ziegen gezahlt. Und einen neuen Boma für seine verbleibenden sechs Kühe aufgestellt, zwei Meter hoch, Stacheldraht und Maschendrahtzaun, Kosten: 1500 US-Dollar. Nun ist Ruhe in der Viehherde.

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Der Hwange-Nationalpark vor Sibandas Haustür ist das größte geschützte Gebiet Simbabwes - aber nur ein kleiner Baustein eines viel ambitionierteren Projekts: Die Kavango Zambezi Transfrontier Conservation Area, kurz KAZA, ist das größte grenzübergreifende Naturschutzgebiet der Welt. Fünf Länder, 520.000 Quadratkilometer, eine Fläche größer als Spanien. Innerhalb seiner Grenzen liegen 36 Nationalparks und zwei Unesco-Weltnaturerbestätten, die Victoriafälle und das Okavango-Delta. "KAZA ist nicht ein einziges großes Schutzgebiet. Es ist ein Mosaik verschiedener Nutzungsformen", erklärt Nyambe Nyambe, Direktor des KAZA-Sekretariats.

Die Verantwortlichen kämpfen hier - in Namibia, Sambia, Simbabwe, Angola und Botsuana - für den Naturschutz, über Ländergrenzen hinweg. Und für einen Weg, die Menschen vor Ort von der artenreichen Wildnis um sie herum profitieren zu lassen. Denn immer noch sehen viele Anwohner Antilopen, Zebras und Leoparden entweder als Fleisch- oder Elfenbeinquelle, als lebende Trophäen. Oder als Bedrohung, wenn etwa Elefanten ihre Feldfrüchte zertrampeln. Eine Realität, die Safari-Touristen oft nicht wahrnehmen.

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