Mit Jeff Bezos und Elon Musk zu den Sternen Wie Sie künftig ins All reisen - und was das kosten wird

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Zeppeline, Passagierdrohnen, Raumfähren: Die irren Fluggeräte der Silicon-Valley-Milliardäre

Foto: Sergey Brin

Der Anbieter: Jeff Bezos macht gerade Furore. Der zweitreichste Mann der Welt hat versprochen, jedes Jahr Amazon-Aktien  im Wert von einer Milliarde Dollar zu verkaufen und das Geld in sein Raumfahrt-Unternehmen Blue Origin zu stecken. Das soll - ähnlich wie Elon Musk mit SpaceX - die kommerzielle Raumfahrt mit Raketen-Recycling erschwinglich machen, will aber auch Touristen ins All schicken. Das langfristige Ziel: der Menschheit neue Räume jenseits der Erde zu öffnen. "Wir verfolgen technisch etwas andere Ansätze, sind aber ziemlich gleichgesinnt", sagt Bezos über Musk.

Sehen Sie im Video: Jeff Bezos verstehen in 60 Sekunden

manager-magazin.de / Wochit

Das Fahrzeug: Bezos' Schubrakete New Shepard war im November 2015 die erste, die nach einem Flug ins All senkrecht wieder an der Startbasis in Texas aufsetzte - bereit für den nächsten Flug. Das wurde seither einige Male geprobt, auch die Kapsel mit Platz für sechs Passagiere setzte sicher in der Wüste auf. Für weiter reichende Pläne ist die größere Rakete New Glenn in Vorbereitung.

Wohin die Reise geht: Erste Passagierflüge mit zahlenden Gästen sollen zunächst noch suborbital verlaufen, also nicht in eine Umlaufbahn geraten. Elf Minuten in 100 Kilometern Höhe mit mehr als dreifacher Schallgeschwindigkeit sind geplant, gerade genug, um als Weltraumflug zu gelten.

Wann es losgeht: 2018 will Jeff Bezos die ersten Touristen ins All schicken. Zugleich räumt er ein, die geplanten Testflüge doch nicht in diesem Jahr abschließen zu können.

Was es kostet: Ein Ticketpreis ist noch nicht bekannt, dürfte aber kaum auf dem üblichen Amazon-Niveau bleiben. Auch wenn Bezos langfristig auf Profit aus Blue Origin hofft, betrachtet er die Raumfahrt als Zuschussgeschäft. 2,5 Milliarden Dollar nennt er als Bedarf für das laufende Raketenprogramm. Die Rechnung für das gesamte Abenteuer ist nach oben offen - und von Bezos garantiert.

Mit Elon Musk ins All

Modell der Dragon-Raumkapsel

Modell der Dragon-Raumkapsel

Foto: ROBYN BECK/ AFP

Der Anbieter: Elon Musk ist vor allem als Chef von Tesla  bekannt. Der Erfolg der Elektroautofirma verleiht ihm den Nimbus des Weltveränderers - und das nötige Geld, um auch mit seinem Raumfahrtbetrieb SpaceX Furore zu machen. Als private Ergänzung zu Nasa, Esa und Co. ist die Firma schon gut im Geschäft, Satelliten auf Kreisbahnen um die Erde zu setzen. Der Wettlauf ins All - in den 1960er Jahren noch von den Supermächten Sowjetunion und USA ausgefochten - ist im 21. Jahrhundert eine Privatangelegenheit zweier Milliardäre von der Westküste.

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Das Fahrzeug: Auch wenn Bezos ihm mit der sicheren Landung der zurückgekehrten New-Shepard-Rakete die Show stahl, hat Elon Musk seitdem nach mehreren Fehlversuchen wieder die Nase vorn. Die Falcon 9 von SpaceX (mit Kerosin und flüssigem Sauerstoff angetrieben, nicht etwa elektrisch) ist seit Ende März die erste Rakete, die zum Recycling auch tatsächlich benutzt und erneut ins All geschossen wurde. Auch für die Passagierkapsel gibt es mit der Dragon V2 längst ein Modell.

Wohin die Reise geht: Einmal rund um den Mond fliegen ist schon ein anderes Kaliber als nur mal kurz die Erdkrümmung sehen. "Die Gelegenheit für Menschen, erstmals seit 45 Jahren in den äußeren Weltraum zurückzukehren", feiert Musk. Dieses Privileg wird zunächst zwei zahlenden Passagieren vorbehalten. SpaceX nutzt dieselbe Plattform am Kennedy Space Center in Cape Canaveral, von der auch die historische Mondmission Apollo startete.

Wann es losgeht: Ende 2018 soll der Erstflug laut einer SpaceX-Ankündigung von Februar stattfinden. Zuvor wird die Dragon-Raumkapsel noch 2017 unbemannt an die Internationale Raumstation ISS andocken, später im Auftrag der Nasa auch Geräte und Astronauten dorthin fliegen.

Was es kostet: Die beiden Passagiere haben laut SpaceX eine "erhebliche Anzahlung" geleistet, das kennt man schon von Tesla. Die Kosten dürften in die Millionen gehen - ein sehr exklusives Vergnügen.

Der Weltraumflughafen steht schon bereit

Blick auf den Spaceport America

Blick auf den Spaceport America

Foto: REUTERS

Der Anbieter: Der britische Unternehmer Richard Branson hat sich als dritter Milliardär im Bunde frühzeitig zum Weltraumtourismus bekannt - und sieht das auch als alleinigen Zweck seiner Firma Virgin Galactic, der "ersten Raumlinie der Welt". Mit Satelliten und Raketentechnik, die nicht dem Vergnügen dienen, gibt sich der Entrepreneur gar nicht erst ab. Ein eigener Weltraumflughafen namens Spaceport America wurde 2010 nahe dem Ort Truth or Consequences in New Mexico eingeweiht.

Das Fahrzeug: Zwei verschiedene Raumschiffmodelle, die äußerlich Flugzeugen ähneln, hat Virgin - Branson ist auch im Fluggeschäft - im Angebot: SpaceShipTwo und WhiteKnightTwo. Ein SpaceShipTwo brach 2014 im Flug auseinander und stürzte ab. Rückschläge kennen alle Raumfahrtunternehmen, aber dieser war fatal.

Wohin die Reise geht: Die Raumschiffe sind für suborbitalen Flug ausgelegt. Sie sollen langsam wieder in die Erdatmosphäre zurückkehren, sodass sie keinen Hitzeschild gegen Verglühen brauchen und in jedem Winkel in die Atmosphäre eintreten können. Nur einige Minuten des auf zweieinhalb Stunden taxierten Flugs werden im All verbracht.

Wann es losgeht: Das ursprünglich auf 2014 festgelegte Startdatum wurde immer wieder verschoben. Nach dem Unglück geht Sicherheit vor - Branson will noch keinen neuen Termin nennen.

Was es kostet: 250.000 Dollar hat Virgin die willigen Weltraumtouristen anzahlen lassen. Der Preis soll so lange bleiben, bis die ersten 1000 Gäste ihre Reise ausgekostet haben.

Die russische Erfahrung

Weltraumtouristin Anousheh Ansari beim Training in Russland (2006)

Weltraumtouristin Anousheh Ansari beim Training in Russland (2006)

Foto: Sergei Ilnitsky / EPA / dpa

Der Anbieter: Die US-Firma Space Adventures vermarktet das erfahrene russische Weltraumprogramm, das seit dem Ende der Sowjetunion immer wieder unter Geldmangel leidet und sich daher im Gegensatz zur US-Behörde Nasa früh für zahlende Kunden öffnete.

Das Fahrzeug: Sojus-Raketen, Start im kasachischen Baikonur.

Wohin die Reise geht: Zur Internationalen Raumstation ISS. Geplant ist auch ein Flug zum Mond.

Wann es losgeht: Schon im April 2001 war US-Unternehmer Dennis Tito der erste Weltraumtourist - von bisher sieben. Sämtliche bisherige Weltraumtouristen sind mit Space Adventures gestartet. Seit 2009 sind allerdings keine weiteren Starts in Sicht, weil die Kapazitäten der Russen durch professionelle Weltraumforscher belegt sind.

Was es kostet: Die Passagiere von Space Adventures haben zwischen 20 und 40 Millionen Dollar für ihren Flug gezahlt. Für ein künftigen Mond-Trip werden 100 Millionen Dollar veranschlagt. Ein Weltraumspaziergang soll 15 Millionen Dollar extra kosten.

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