Dienstag, 25. Februar 2020

Geheimtipp Friaul-Julisch Venetien Traumplätze in Nord-Italien - zwischen Bergen und Meer

3. Teil: Triest: Das Wien am Meer

Prächtig gelegen: Schloss Miramare. Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich hat es einst bauen lassen.
Fabrice Gallina/PromoTurismo FVG/dpa-tmn
Prächtig gelegen: Schloss Miramare. Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich hat es einst bauen lassen.

Laut einer Umfrage vor einigen Jahren weiß die Mehrheit der Italiener gar nicht, dass Triest in ihrem Land liegt. Dabei ist es seit 1962 die Hauptstadt von Friaul-Julisch Venetien. Allerdings gilt es eben auch als das "Wien am Meer". Die Architektur der Hafenstadt erinnert tatsächlich an die österreichische Hauptstadt, nur dass keine Fiaker über die Straßen tuckern, sondern Vespas durch die steilen Gassen brettern.

Weil in den Kriegen kaum etwas zerstört wurde, machen die Fassaden der herrschaftlichen Häuser die Stadt zur Kulisse für einen Jahrhundertwenderoman. Auf einer Brücke am Canal Grande steht dann auch James Joyce. Als Statue. Der irische Schriftsteller lebte einige Jahre in Triest, sprach neben Deutsch und Italienisch gar Triestino, den örtlichen Dialekt. Joyce arbeitete unter anderem an seinem Meisterwerk "Ulysses" - und hing gerne in Cafés herum, in denen er zu viel Wein trank.

Caffè Tommaseo in Triest: Die Cafés in Triest erinnern an die Kaffeehäuser in Wien, doch es geht meist lebhafter zu
Massimo Crivellari/PromoTurismo FVG/dpa-tmn
Caffè Tommaseo in Triest: Die Cafés in Triest erinnern an die Kaffeehäuser in Wien, doch es geht meist lebhafter zu

Bis heute sind die altehrwürdigen Kaffeehäuser beliebte Treffpunkte. Im Caffè San Marco oder im Caffè Tommaseo sieht es so opulent aus wie in den Wiener Pendants. Im Gegensatz zu steifer Etikette herrscht aber italienische Gelassenheit. Auch die Triestiner genießen ihren Aperitivo, dazu werden üppige Portionen Snacks gereicht.

"Triest ist eine entspannte Stadt", sagt auch Tiziana Zamai, die Touristen die Geschichte der Stadt erläutert. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs gehörte Triest zu Österreich. Die Habsburger bauten es zur Hafenstadt aus, erzählt die 35-Jährige auf der weitläufigen Piazza dell'Unità d'Italia. Danach fiel Triest an Italien, bis es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs an Jugoslawiens Diktator Tito ging. Erst 1954 kam es zu Italien zurück. Das direkte Hinterland fiel an Jugoslawien, heute Slowenien.

Die Nähe zum Balkan und die österreichische Vergangenheit verleihen der Stadt internationales Flair - und eine internationale Küche. Auch hier stehen so viele Fischgerichte wie im maritimen Grado auf der Speisekarte. Daneben dann aber Gulasch.

In Triest steht eine Statue der Kaiserin Sisi vor dem Bahnhof
Alexandra Stahl/dpa-tmn
In Triest steht eine Statue der Kaiserin Sisi vor dem Bahnhof

Ein ungarischstämmiger Italiener war es auch, der in Triest eine der bekanntesten Kaffeefirmen gründete: Illy. Nirgends im Land wird mehr Kaffee verbraucht als hier, pro Kopf zehn Kilo im Jahr. Man bestellt aber keinen Espresso, sondern "un nero", wie sich in Triests kleinster Kaffeerösterei Torrefazione La Triestina beobachten lässt. Und natürlich kennen sich auch alle, die dort ihren Morgenkaffee trinken. Die Stadt wirkt auch hier unaufgeregt und gemütlich.

Neben alten Bauwerken wie dem antiken römischen Teatro Romano und vielen Museen, die wie in Udine angenehm leer sind, ist die Touristenattraktion Schloss Miramare. Es wurde einst im Auftrag von Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich, dem Bruder von Kaiser Franz Joseph I., gebaut. Fünf Kilometer vor der Stadt ragt es ins Meer und ist noch wie im 19. Jahrhundert eingerichtet. Sisi begegnet man in Triest übrigens auch. Elisabetta begrüßt die Reisenden am Bahnhof, als riesige Statue vor dem Gebäude.

Statue des Schriftstellers James Joyce in Triest - der Ire lebte einige Zeit in der Stadt.
Maurizio Valdemarin/PromoTurismo FVG/dpa-tmn
Statue des Schriftstellers James Joyce in Triest - der Ire lebte einige Zeit in der Stadt.

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