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Hongkong: Die grünen und die bunten Seiten der Stadt

Foto: Hong Kong Tourism Board/dpa-tmn

262 Inseln zwischen Großstadttraum und Waldidylle Hongkongs grüne Seiten

Feinbemalte Drachenköpfe pflügen durch das aufgewühlte Wasser. Die farbenprächtigen Figuren zieren die Buge der schmalen, langen Paddelboote, die zwischen den Lastkähnen im Hafen an der schimmernden Skyline der Großstadt vorbeiziehen. In jedem Drachenboot sitzen 18 durchtrainierte Athleten, die synchron zum Schlag der Trommeln und den Rufen der Steuermänner ihre Paddel ins Wasser stoßen. Immer wieder und wieder, bis die Boote Hunderte Meter weiter über die Ziellinien jagen.

In Hongkong wird diese jahrhundertealte chinesische Tradition seit einigen Jahrzehnten wieder gepflegt. Jährlich findet ein großes Drachenbootrennen statt, in diesem Jahr vom 14. bis 16. Juni. 2018 zählte das Spektakel 5000 Teilnehmer. Hunderttausende Zuschauer feuern die Athleten in den Booten vom Ufer aus an.

Doch Hongkong bietet weit mehr als buntes Volksfest vor der Skyline am Hafen. Die Millionenmetropole in China ist unerwartet grün. Insgesamt umfasst die Stadt eine Fläche von mehr als 1100 Quadratkilometern, die sich über drei Gebiete verteilt: Hongkong Island, die Halbinsel Kowloon und die New Territories. Zwei Drittel des Stadtgebietes, das aus 262 Inseln besteht, sind nicht bebaute Landschaften, 40 Prozent der Fläche stehen unter Naturschutz.

Deutlich wird der Kontrast auf der Insel Lantau, und ganz besonders in dem Fischerdorf Tai O. Gebaut wurden die Häuser dort direkt in das Wasser, auf wackelig wirkenden Stelzen. Das Transportmittel der Wahl sind Kutter. Wer aussteigt, geht über kleine Brücken und durch enge Gassen vorbei an unzähligen Marktständen. Weiter weg könnte der hektische und schnelllebige Finanzdistrikt der Stadt von hier aus gefühlt nicht sein - dabei sind es gerade einmal 30 Kilometer Luftlinie. Und eine Fähren-Fahrt.

Zwei Etagen hoch, 16 Etagen runter - spektakuläres Hotel bei Shanghai

Ähnlich wirkt die Idylle oben in den grünen Hügeln der Inseln Lantau. Hinauf geht es leise mit einer Seilbahn. Den Boden kann man von der Kabine aus kaum sehen, so dicht stehen unten die Wälder. Nur ab und an tauchen Wege und winzige Wanderer auf. Und dann zeigt sich irgendwann zwischen Nebelschwaden eine überdimensionale, 34 Meter hohe bronzefarbene Buddhafigur.

Sie und das nahe liegende Po Lin Kloster sind Pilgerstätten für Gläubige aus ganz Asien. Den Weg zum Klostereingang säumen kitschige Souvenirstände und Ableger internationaler Fastfood-Ketten. Im Kloster selbst gibt es ein vegetarisches Restaurant.

"Einer der friedlichsten Orte der Erde"

Nach einem solchen Ausflug kan man sich im wuseligen Zentrum der Stadt fast ein wenig verloren vorkommen. Etwa an der Causeway Bay, wo alle internationalen Marken einen Shop betreiben und sich schicke Restaurants an hippe Cafés, Hotels und Bürokomplexe reihen. Wo die Dichte an Anzugträgern hoch ist, wo sich die Menschen in den Straßen noch hektischer bewegen, anrempeln und drängeln. Wo die Werbetafeln grell und in schnellen Bildern um Aufmerksamkeit der Passanten buhlen. Hier fällt das Durchatmen schwer.

Etwas ursprünglicher ist das dichte Treiben auf dem Pei Ho Street Market im Stadtteil Sham Shui Po. Statt glänzender Flagshipstores findet man hier eher kleine Läden, statt großer Restaurants eher kleine Imbisse. Hier ist die Fülle an Reizen oft so dicht, dass selbst Einheimische an alteingesessenen Institutionen wie der Kung Wo Beancurd Factory in der Pei Ho Street vorbeilaufen. Dabei ist der gezuckerte Soja-Brei, der in dem Traditionsshop serviert wird, eine echte lokale Delikatesse.

In dieser Gegend der Stadt kann man, wenn man sich die Zeit nimmt, echte Kuriositäten finden - etwa Bo Wah Effiges in der Fuk Wing Street. In diesem Laden werden Opfergaben aus Papier gefertigt und verkauft - die Bandbreite reicht von Autos oder Handys bis zu Handtaschen oder Schuhen.

Solche kleinen Entdeckungen liebt auch die deutsche Auswandererin Alexandra Unrein, die Touristen durch die Stadt führt. Sie durchkämmt oft stundenlang die Gassen, blickt in die Hinterhöfe - immer auf der Suche nach neuer Street Art. Hongkong habe sich zeitverzögert zu den anderen Metropolen in den letzten Jahren zu einem kleinen Mekka der Streetart-Künstler entwickelt, erklärt sie. Doch hier muss man schnell sein, sonst droht die Veränderung: Die Kunstwerke, sogar die der namhaften Künstler, werden gerne mal direkt wieder übermalt.

Wenn Unrein Zeit hat, steuert sie gerne einen der vielen kleinen versteckten Tempel an - wie zum Beispiel den Sam Tai Tsz. Hinter den großen Toren eröffnen sich Besuchern ungewöhnliche Ruhepole in der hektischen und lebhaften Stadt. Der Expat Marco Frunz möchte nicht mehr weggehen. Keine andere Stadt biete für ihn so viel. Die Intensität, die Schnelllebigkeit, die scheinbar alles möglich mache und gerade im Beruflichen viele Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten bietet, halten ihn. "Hier geht es immer Schlag auf Schlag."

Aber dann biete ihm die Stadt eben auch all jene Orte zum Erholen - an den Wochenenden im der chinesischen Sonderverwaltungszone. Hier kann man wandern, mountainbiken, segeln und sonnenbaden. "Hier leben alle Nationen, alle Religionen auf einem Fleck", so Mario. "Für mich ist es einer der friedlichsten Orte der Erde."

Simone Andrea Mayer, dpa
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