Dienstag, 19. November 2019

Hochzeitsbranche im Abschwung Las-Vegas-Ikone zu verkaufen - und niemand will sie haben

"A Little White Wedding Chapel" in Las Vegas: Die Hochzeitsikone steht zum Verkauf
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"A Little White Wedding Chapel" in Las Vegas: Die Hochzeitsikone steht zum Verkauf

Seit fast siebzig Jahren ist Charolette Richards die Hochzeitskönigin von Las Vegas. 50.000 Hochzeiten seien allein seit 1991 unter ihrer Ägide abgelaufen, schreibt die "New York Times" (NYT) über die heute 86-Jährige, deren Institution die Blaupause für die gesamte Hochzeitsindustrie der Glücksspielstadt geliefert habe: In der "Little White Wedding Chapel" hätten unter anderem Frank Sinatra, Bruce Willis, Michael Jordan und Britney Spears neue Lebensabschnitte eingeläutet.

Seit April steht der "berühmteste Hochzeitsort der Welt" (NYT) allerdings zum Verkauf - bislang vergeblich. 12 Millionen Dollar hätte Richards gern, ihr Makler bewirbt die "Ikone" mit ihren Auftritten in "zahllosen Filmen, Fernsehshows, Musikvideos und allen Arten medialer Aufmerksamkeit"; Fotos zeigen unter anderem ein Drive-In-Fenster für Hochzeiten im Auto.

Der ausbleibende Verkauf der Wedding Chapel wirft ein Schlaglicht auf den Zustand der gesamten Hochzeitsindustrie von Las Vegas: Zwar war die Branche im vergangenen Jahr laut Schätzungen für 2,5 Milliarden Dollar an Wirtschaftsleistung verantwortlich und beschäftigte über 10.000 Menschen; zu ihren Hoch-Zeiten sei es allerdings schon einmal doppelt so viel Umsatz gewesen.

Nicht nur in Nevada, sondern in den gesamten USA heiraten immer weniger Menschen; auch Las Vegas, wo die Leiter der Zeremonien als Elvis Presley auf Bühnen tanzen oder als Zombies aus Särgen steigen, kann diesen Trend nicht aufhalten. Zudem machen kleinere Preisbrecher mit 49-Dollar-Hochzeiten den Platzhirschen zu schaffen. In Teilen lassen sich die so ausbleibenden Umsätze allerdings mit einer neuen Zielgruppe ersetzen: mit der Erneuerung von Eheversprechen.

Diese sogenannten "vow renewal ceremonies" werden laut NYT-Bericht aggressiv beworben und hätten sich bereits als nachhaltiger Boost für das Geschäft der Kapellen herausgestellt: "Die Leute wollen beim zweiten Mal etwas Lustiges machen", zitiert die Zeitung Ron Decar, der die Viva-Las-Vegas-Hochzeitskapelle betreibt: Beim ersten Mal "sorgen sich die Leute noch, was ihre Mutter wohl denkt, aber beim Erneuern der Versprechen ist der Druck weg."

luk

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