Mittwoch, 22. Mai 2019

Kreuzfahrtschiff "Hanseatic nature" in Hamburg getauft Ein Luxusschiff für extreme Orte

Rundgang auf der "Hanseatic nature": Aquariumgefühl und Pinguinwacht
Hapag-Lloyd Cruises/ Wyrwa

Hapag-Lloyd Cruises hat die "Hanseatic nature" in Hamburg getauft. Das kleine Expeditionsschiff setzt ganz auf Luxus - und auf eine boomende Nische des Kreuzfahrtmarkts.

Der bunte Riesenpinguin schaut verdutzt auf den Meerwasserpool, ihm zu Füßen ein schwarzweißes Küken, scheinbar auch verwirrt. Um zwei Skulpturen aus alten Flipflops herum eilen Männer mit Arbeitshandschuhen, schieben Plastikwürfel zu einer Bar zusammen, ein Soundcheck dröhnt.

Die letzten Stunden vor der Taufe der "Hanseatic nature" sind angebrochen. Der Neubau ist schon verspätet aus der Vard Werft in Norwegen nach Deutschland hergeeilt, den ersten Tauftermin und die Jungfernfahrt musste Hapag-Lloyd Cruises verschieben. Jetzt soll es klappen. Am Sonntagnachmittag werden die Tampen für die erste Fahrt mit 230 Passagieren gelöst.

Hinter dem Terminal in Hamburg-Altona, dort, wo sonst 2500-Personen-Schiffe wie "Aida Sol" oder "Mein Schiff 5" aufragen, versteckt sich der Neuling der Hamburger Reederei. Die geringe Größe sowie die antarktischen Vögel auf Deck 9 geben einen Hinweis, was es mit diesem Schiff auf sich hat: Die kleine "Hanseatic nature" ist nicht für die gemütliche fünftägige Nordseerundfahrt konzipiert, sondern um die extremsten Regionen der Welt - wie die Polgebiete, aber auch Amazonas oder Marshallinseln - zu bereisen.

Das Expeditionsschiff kommt mit Eisstärken bis zu einem Meter klar, kann für 36 Tage Proviant und Treibstoff bunkern - ähnlich wie die 29 Jahre alte "Bremen" der Reederei. Zugleich soll es aber den Gästen den extremen Luxus des Fünf-Sterne-plus-Schiff der Reederei, der "Europa 2", bieten.

"Die Ansprüche der Luxuskunden haben sich geändert", sagt Karl J. Pojer, seit sechs Jahren Chef von Hapag-Lloyd Cruises, im Restaurant Hanseatic: "vom Haben zum Sein", ausgefallene Ziele und maßgeschneiderte Erlebnisse würden wichtiger.

Der Hotelprofi aus Österreich, der schon seit 1996 bei TUI, dem Mutterkonzern von Hapag-Lloyd Cruises, arbeitet, sitzt im Hanseatic-Restaurant auf Deck vier, trinkt Milchkaffee und muss gleich aufbrechen, um seinen Parka für die Taufprobe im Nieselwetter zu suchen. Nach vier Jahren Planung und Bau und wohl einigen schlaflosen Nächten ist der 64-Jährige zufrieden, deutet auf die hellen Räume: "Wo finden Sie schon so viel Raum- und Platzangebot pro Passagier?"

Bis 2020 sind 20 neue Expeditionsschiffe geplant

Für einen Durchschnittspreis von 640 Euro pro Tag wird den Expeditionskunden viel Schiff geboten - auch wenn hier, anders als auf vielen anderen Kreuzfahrtschiffen, eher die Natur und nicht das Gefährt an sich das Ziel ist. Drei Restaurants, Pool mit Gegenstromanlage, eine große Sauna, Fitnessbereich mit Kursraum, zwischen 21 und 71 Quadratmeter große Kabinen und Suite - für kleine, auf Extremfahrten ausgelegt Schiffe ist das ungewöhnlich.

Designt ist alles nach dem Motto "Inspired by nature": Die Teppiche sind beigeblau im Eisschollenmuster, wie Korallensind Wasserhähne geformt. Im Treppenhaus zieht sich ein hinterleuchteter Riss wie eine Lavaspalte hoch, an der Decke der Lounge Hanseatrium schwimmen Orcas über eine LED-Bildschirm-Decke.

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