Montag, 27. Mai 2019

Hamburger Hafencity Neues Leben in der Stadt

Hafencity Hamburg: Nah am Wasser gebaut
Verena Wolff/dpa-tmn

Vor 14 Jahren zog der erste Bewohner ein, vor rund 11 Jahren begann der Bau der Elbphilharmonie. Inzwischen ist die Hamburger Hafencity belebt, auch viele Touristen kommen. Fertig aber ist sie noch lange nicht. Nächstes Großprojekt: der 235 Meter hohe Elbtower.

Wenn Frank W. Jacob aus seinen bodentiefen Wohnzimmerfenstern schaut, dann fällt ihm eine ganze Reihe von Geschichten ein. Von der Sandwüste, die da um ihn herum war, 2004, als er in seine Wohnung einzog, als erster Bewohner in der Hamburger Hafencity. Von den Bauarbeitern, die in aller Früh anfingen und am Abend wieder abzogen. "Allzu viel Leben war hier nicht zu erkennen", sagt der Jurist. Keine Straßen, keine Geschäfte, keine Menschen.

Irgendwo mittendrin stand noch ein altes Häuschen, das damals schon seit fast 150 Jahren am selben Ort war: das alte Hafenamt. Und da waren die Kaispeicher A und B - auf den ersten wurde von 2007 an die Elbphilharmonie gebaut, im anderen ist heute das Internationale Maritime Museum Hamburg untergebracht.

Jacob sah nach und nach in allen Himmelsrichtungen Baustellen. Nur auf der anderen Seite des Sandtorkais, da war Ruhe. Denn dort hatte man vor mehr als 100 Jahren schon die Speicherstadt gebaut: rote Backsteine, eine Zeile von Häusern, die vom Wasser aus zu erreichen ist und in der die Händler jahrzehntelang ihre Waren von den Schiffen in die Kontore lieferten. Inzwischen ist das Ensemble ein Teil des Unesco-Welterbes. In den Kontoren werden weiterhin Teppiche aus dem Iran und Gewürze aus noch ferneren Ländern gelagert. Doch zum Beispiel der Kaffee- oder der Teehandel ist inzwischen schon lange nicht mehr physisch - alles passiert virtuell, vom Computer aus.


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Südlich der Speicherstadt hat sich also ein ganz neuer Stadtteil ausgebreitet - oder besser: Er ist dorthin geplant worden. Arbeiten und Wohnen, Schule, Shoppen und Schiff fahren - denn auch Kreuzfahrtschiffe können am Überseequartier anlegen. Dazu steht ein Provisorium am Ufer der Elbe, direkt neben einer riesigen Baugrube. Sie ist das Areal, auf dem ein großes Einkaufsviertel entstehen soll mit Wohnungen, Hotels und eben dem künftigen Terminal, in dem die Kreuzfahrtpassagiere ein- und aussteigen können.

Immerhin: Die Wege sind schon da. Die neue U-Bahn-Linie U4 fährt vom Jungfernstieg aus auf schnellstem Weg zum Überseequartier und der Hafencity Universität, ein paar Minuten dauert das nur.

Und dann steht man in kunstvoll schummerig beleuchteten und überhaupt künstlerisch gestalteten Haltestellen, die tief unter der Erde liegen - am Abend und an den Wochenenden mitunter ganz allein, denn so ganz ist dieser neue Stadtteil noch nicht im Bewusstsein aller Hamburger angekommen, die in den anderen 103 Stadtteilen leben. Es sei denn, sie besuchen die Elbphilharmonie. Doch das ist oft leichter gesagt als getan - die Karten sind auf lange Zeit ausverkauft. Man versucht aber, den Hansestädtern eine Chance zu geben, wie Enno Isermann, der Sprecher der Kulturbehörde, sagt. Es gibt in der Elbphilharmonie Konzerte nur für Besucher, die nachweisen können in Hamburg zu leben.

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