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Grandhotel Petersberg: Das einzige Luxushotel in deutschem Staatsbesitz

Foto: Steigenberger/Volker Lannert

Luxushotel in Staatsbesitz Warum der Bund 35 Millionen Euro in dieses Haus investiert

Das Grandhotel Petersberg ist historisches Terrain: 1892 eröffnet, war es nach dem Zweiten Weltkrieg Sitz der Alliierten Hohen Kommission und diente bis 1999 als Gästehaus der Bundesrepublik Deutschland. Die Queen war hier zu Gast, der Dalai Lama, der sowjetische Staatschef Leonid Breschnew, der japanische Kaiser und amerikanische Präsidenten. Große internationale Konferenzen tagten hoch über dem Rhein, Rennfahrer Michael Schumacher heiratete 1995 auf dem Petersberg seine Corinna und Daniela Katzenberger ihren Lucas Cordalis. Derzeit wird das einzige Luxushotel in deutschem Staatsbesitz für 35 Millionen Euro aus Steuergeldern renoviert. Hoteldirektor Michael Kain erklärt, worauf es dabei ankommt.

manager-magazin.de: Herr Kain, Sie renovieren seit sieben Jahren, erst das Steigenberger Parkhotel in Düsseldorf, seit 2015 das Grandhotel Petersberg. Haben Sie nicht mal genug von Baulärm?

Michael Kain
Foto: Steigenberger

Michael Kain ist seit 1979 bei Steigenberger und war schon Direktor etlicher Hotels, darunter Häuser in der Karibik, aber auch in Bad Kissingen und Bad Homburg. Bevor er 2015 als General Manager zum Grandhotel Petersberg kam, um den dortigen Umbau zu leiten, war er fünf Jahre lang Hotelchef beim Steigenberger Parkhotel Düsseldorf, wo es ebenfalls einen großen Umbau zu bewältigen galt.

Michael Kain: Eigentlich kann man davon gar nicht genug kriegen. Ich verändere gerne, ich gestalte gerne und erschaffe gerne Neues. Die Tristesse des Alltags mag ich weniger. Es gibt sicherlich Manager, die es hassen, wenn sie aus ungestörten Abläufen herausgerissen werden. Aber ich finde es schön, beides zu haben. Hotels bleiben bei Umbauten in der Regel ja geöffnet, man kann eben auch weiter Gastgeber und Hotelier sein. Ohne das möchte ich nicht leben.

mm.de: Sie wollen das einstige Gästehaus der Bundesregierung zu einem "richtigen Grandhotel" ausbauen. Was macht ein Grandhotel heute aus?

Kain: Die klassischen Attribute sind immer noch edle Stoffe, tolle Hölzer, Marmor, Messing und Gemütlichkeit. Die exzellente Dienstleistung am Gast gehört ebenso dazu wie die beste abwechslungsreiche Küche - und der Gast muss alle seine Medien überall problemlos nutzen können.

mm.de: Die 35 Millionen Euro für den Umbau hat der Steuerzahler aufgebracht. Was hat er davon?

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Kain: Dass es schon bald ein profitables Hotel wird und ihm nicht mehr auf der Tasche liegt. Und es gibt ein großes geschichtliches Interesse: Die reiche Historie des Hauses muss bewahrt werden. Das geht am besten, indem man es erfolgreich betreibt und damit den Menschen diesen besonderen Ort lebendig zur Verfügung stellt.

mm.de: Wird es denn bei 35 Millionen bleiben?

Kain: Im Großen und Ganzen ja. Es wird vielleicht kleinere Ausschläge geben, aber es wird voraussichtlich im vorgegebenen Rahmen bleiben.

mm.de: Wann sind Sie fertig?

Kain: Im Spätsommer oder Anfang Herbst. Dann wird es eine große Relaunch-Party geben.

mm.de: Wer steht denn da alles auf der Gästeliste? Kommt Angela Merkel?

Kain: Wir werden sie auf jeden Fall einladen. Ob sie kommt, weiß ich nicht, ich denke schon - es gibt viele Politiker, die mit unserem Haus und seiner Geschichte eng verbunden sind, und viele werden dann auch da sein.

Wo Breschnew sein neues Cabrio crashte

mm.de: Obwohl Ihr Haus seit Monaten in Teilen eine Baustelle ist, haben sich die Internetbewertungen des Hotels seither verbessert. Wie ging das?

Kain: Im ersten Bauabschnitt haben wir den Nordflügel saniert. Im Südflügel, dem Präsidentenflügel, den wir jetzt betreiben, waren schon immer die schöneren Zimmer und repräsentativen Räume . Das hat sich sicher ausgewirkt. Jetzt sind wir beim Nordflügel, da waren die Security- und Fahrerzimmer, die waren nicht so luxuriös. Wir haben über die ganze Zeit versucht, die Dienstleistung hochzuhalten. Das ist uns gut gelungen.

mm.de: Das Gästehaus Petersberg ist die einzige Hotelimmobilie, die zu 100 Prozent dem deutschen Staat gehört. Was bedeutet das für Sie und für Ihre Gäste?

Kain: Die meisten Gäste wissen das gar nicht, für die ist Steigenberger als Betreiber im Vordergrund. Und für mich ist es kein Unterschied, ob ein anderer Investor die Immobilie besitzt oder wie in unserem Fall die Bundesanstalt für Immobilien. Wir haben einen Managementvertrag, der bis 2024 läuft.

mm.de: Und dann?

Kain: Dann wird es neue Ausschreibung geben, bei der wir uns gerne wieder beteiligen werden.

mm.de: Ihr Haus hat viele berühmte Gäste gesehen. Was ist Ihre Lieblingsgeschichte vom Petersberg?

Kain: Die vom sowjetische Staatschef Leonid Breschnew, der 1973 sein offizielles Gastgeschenk, ein Mercedes-Cabrio, bei einer spontanen Testfahrt an einen Baum crashte. Aber auch große Hochzeiten wie die von Michael Schumacher 1995 wirken immer noch nach. Viele Gäste wollen bei uns feiern.

mm.de: Welche Klientel haben Sie im Fokus?

Kain: Wir haben noch immer sehr viel regierungsnahes und politisches Geschäft. Es gibt ja immer noch etliche Ministerien und Einrichtungen des Bundes in Bonn, auch die UN sind dort. Große Tagungen und Kongresse werden bei uns veranstaltet. Am Wochenenden sind wir aber auch ein Freizeitdomizil, eingebettet in den Naturpark Siebengebirge und die Kulturstadt Bonn.

mm.de: Wie sieht Luxus heute aus? Womit kann man bei Gästen punkten, die schon alles haben und kennen?

Kain: Das Allerwichtigste sind die Mitarbeiter. Die entscheiden, ob der Gast glücklich oder unglücklich nach Hause geht. Er muss wie ein Freund aufgenommen werden und bei jedem Kontakt spüren, dass er im Mittelpunkt steht. Eines unserer baulichen Highlights wird der neue Frühstücksraum: Der ist jetzt oben im Südflügel, mit einem Blick auf den Rhein und den Drachenfels. Die Blickachsen sind herrlich. Man könnte jeden Tag Fotos machen. Der Petersberg ist ein besonderer Ort mit einer besonderen Magie.

mm.de: Was war die größte Herausforderung beim Umbau?

Kain: Jede Baustelle ist neu und anders. Die Baubranche steht im Moment unter großen Druck und ist gut ausgelastet, da ist es nicht so leicht, die passenden Firmen zu finden. Aber ansonsten sind die Maßnahmen hier eher einfach, weil es getrennte Flügel gibt, die wir nacheinander in Angriff nehmen konnten und so die Gäste wenig durch Baulärm gestört werden.

mm.de: Wohnen Sie selbst auch im Hotel?

Kain: Direkt am Hotel in einer Wohnung, die zum Komplex gehört.

mm.de: Ihre Kinder sind ja schon aus dem Haus. Sind die in Hotels aufgewachsen?

Kain: Nein, es war mir wichtig, dass sie außerhalb des Hotels groß werden. So ist es für sie auch etwas Besonderes, mal ins Hotel zu gehen, und sie freuen sich darüber. Wenn man jeden Tag im Hotel lebt und der Vater auch noch der Direktor ist, kann das pädagogisch zu Effekten führen, die man sich für seine Kinder nicht unbedingt wünscht. Aber eine Affinität ist trotzdem da: Mein Sohn macht derzeit ein Studium an der Steigenberger Hotelakademie.

mm.de: Und Ihre Tochter?

Kain: Die hat Psychologie studiert und arbeitet in der Flüchtlingsbetreuung.

mm.de: Wann haben Sie privat zuletzt gebaut oder renoviert?

Kain: Sie werden lachen: Wenn wir privat umbauen, macht das meine Frau. Die hat auch Spaß daran und ein gutes Händchen. Ich bin ja eigentlich kein Baumensch, ich bin Hotelier.

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