Mittwoch, 17. Juli 2019

Verdon in der Provence Durch die Schlucht von Verdon

Schlucht von Verdon: Grand-Canyon-Schwindel mit Karibik-Flair
VP itinérances Alpes de haute Provence/ Eric Oliv/ TMN

Steile Felswände, Mittelalterdörfer und Seen mit Karibik-Flair: Die Schlucht von Verdon in der Provence ist mehr als nur einer der größten Canyons Europas.

Der intensive Duft der blühenden Lavendelfelder hatte einen leichten Schwindel ausgelöst. Das Gefühl beim Blick in den 300 Meter tiefen Abgrund ist anders: Die steil nach unten fallenden Felswände erzeugen Höhenangst und Faszination, hier oben auf dem Aussichtspunkt Maugué auf der Route des Crêtes, der Kammstraße. Unten fließt der Verdon. "Die Schlucht ist unser Grand Canyon Frankreichs", erklärt der 34-jährige Reiseführer Cédric. Denn im Laufe der Jahrtausende hat sich der Verdon bis zu 700 Meter tief in das Bergmassiv hineingegraben.

Die Schlucht von Verdon liegt im Hinterland von Nizza, nur 50 Kilometer Luftlinie von der Stadt am Mittelmeer entfernt. Sie gehört zu den größten Schluchten Europas - und zu den schönsten. Der Verdon, der in den französischen Seealpen auf rund 2500 Metern entspringt, mündet mehr als 160 Kilometer weiter in die Durance. Auf seinem Weg zwischen Castellane und dem Lac de Sainte-Croix hat der wilde Alpenfluss auf rund 21 Kilometern nicht nur eine der gewaltigsten Schluchten Europas geschaffen, sondern auch eine Landschaft, die 1997 zum Nationalpark gekrönt wurde.

Die Schluchtenabhänge können in zwei Richtungen umrundet werden: Von der nördlichen Lavendelstraße aus kommend über Moustiers-Sainte-Marie oder über Castellane und der südlichen Corniche Sublime. "Welche Route die spektakulärste ist, ist schwer zu sagen", meint Cédric. Sattsehen könne man sich an der Schönheit nie.

Serpentinen-Fahrt mit großartigen Panoramen

Die Wahl fällt auf die Option über die Felder in tiefem Violettblau auf dem Plateau de Valensole, dem Zentrum des Lavendelanbaus. Immer auf der Départementstraße D925 entlang und an dem überaus hübschen Ort Moustiers-Sainte-Marine vorbei. Bei Palud-sur-Verdon, einem kleinen Dorf in unmittelbarer Nähe der Schlucht, geht es an einer Abzweigung auf die Route des Crêtes (D25). Die Serpentinen-Fahrt von den duftintensiven Lippenblütlern bis zum Aussichtspunkt Maugué belohnt mit großartigen Panoramen.

Die Verdon-Schlucht
Anreise
Mit dem Auto entweder von Nizza aus Richtung Entrevaux über Saint-André-les-Alpes auf der D952 nach Moustiers-Sainte-Marie und Valensole. Oder von Marseille aus auf der Autobahn A 51 bei Manosque abfahren und weiter in Richtung Valensole, Puimoisson und Moustiers-Sainte-Marie.
Reisezeit
Von Frühjahr bis Herbst. Reizvoll ist die Zeit zur Lavendelblüte im Frühsommer ab Mitte Mai.
Informationen
Bouches-du-Rhône Tourisme, 13 rue Roux de Brignoles, 13006 Marseille (Tel.: 0033 491/138413, E-Mail: info@visitprovence.com, www.visitprovence.com)
Der Blick in die Schlucht vom Belvédère Maugué - das Wort bedeutet so viel wie schlechte Furt - ist schwindelerregend. Schwer vorstellbar, dass so tief unten ein Wanderweg verläuft. Doch die Schönheit der Schlucht zog zu Beginn des 20. Jahrhunderts einige Abenteurer an, darunter den französischen Hydrogeologen Édouard-Alfred Martel, der erstmals im Sommer 1905 in die Tiefen hinunterstieg. Die mehrtägige Expedition war schwierig und gefährlich, erzählt Cédric. Treibholz hinderte die Männer am Vorankommen und ein Teil der Ruderboote sei an den Geröllfelsen zerbrochen oder aufgelaufen.

Martel gilt als Vater der modernen Höhlenforschung. Seine Expedition durch die wilde Schlucht hat er in dem 1928 veröffentlichten Band "La France ignorée, Sud-est de la France" beschrieben. "Wir sind am Ende unserer Kräfte und staunen nur noch. Ein Höhlendach am rechten Ufer, eine wahre Grotte des Styx, scheint den Verdon zu verschlucken. Hier ist das Weiterkommen unmöglich." Der Styx ist in der griechischen Mythologie der Fluss, der zur Hölle führt. Verdon, der Höllenfluss.

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