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Business Travel: Wohin die Reise geht

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Trends bei Geschäftsreisen "Kluge Unternehmen verabschieden sich von starren Reiserichtlinien"

Yannis Karmis
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Yannis Karmis ist als Senior Vice President Product Strategy and Development bei BCD Travel zuständig für alle Aspekte der Produktstrategie, -planung und -entwicklung. Das niederländische Unternehmen ist in 110 Ländern tätig und generiert Umsätze von jährlich um die 24 Milliarden US-Dollar.

manager-magazin.de: Herr Karmis, eine Umfrage des Deutschen Reiseverbands ergab jüngst: Neun von zehn deutschen Geschäftsreisenden geht es unterwegs nicht gut - Jetlag, Schlafstörungen, Stress.

Yannis Karmis: Natürlich können Businesstrips belastend sein, aber das sollte nicht die Norm sein. Unterwegs sein kann auch hoch produktiv sein. Es ist ein zentraler Erfolgsfaktor global agierender Unternehmen, dass die Bereiche und die Mitarbeiter persönlichen Kontakt miteinander haben. Es gibt einen hohen Return of Investment bei Geschäftsreisen.

mm.de: Was kann das Reisemanagement dafür tun, dass Geschäftsreisende sich wohlfühlen?

Karmis: Es ist nicht unser Job zu sagen, wer Business Class fliegen darf und wer Holzklasse. Aber das ist auch nicht unbedingt der größte Stressfaktor. Travel Manager müssen zuallererst eines tun: Zuhören. Die müssen die richtigen Fragen stellen und lernen, was die Leute wirklich brauchen. Und sie müssen die Reisenden sehr gut briefen. Wer die richtigen Erwartungen hat, hat deutlich weniger Stress - die lange Schlange am Flughafen ist weniger belastend, wenn ich schon darauf eingerichtet bin und nicht auch noch in Zeitnot gerate. Informierte Reisende sind entspannter unterwegs.

mm.de: Sie sind bei BCD verantwortlich für alle Aspekte der Produktstrategie. Wie werden sich Geschäftsreisen in den kommenden fünf Jahren verändern?

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Karmis: Ein zentrales Thema ist die Masseneinbindung einzelner Tools. Heute laufen Bezahlung, Buchung und Sicherheitschecks oft in voneinander unabhängigen Arealen. Das wollen wir alles integrieren. Unser Ziel ist eine nahtlose Reiseerfahrung, für die ich mich nicht bei drei verschiedenen Portal umständlich einloggen muss. Ein weiterer Trend betrifft die Unternehmen selbst. Wir sehen da einen langsamen, aber tiefgreifenden Wandel. Geschäftsreisende sehen sich selbst eher als Verbraucher denn als passive Empfänger. Kluge Unternehmen reagieren darauf, verabschieden sich von starren Reiserichtlinien und ermöglichen es ihren Mitarbeitern, selbst kluge Entscheidungen zu treffen. Da setzt sich eine ganz neue Mentalität durch. Der dritte Trend ist ein ganzheitliches Risikomanagement, von Risiken durch Cyberkriminalität bis zu aktuellen Faktoren: Wenn ein Reisender sich in einem unsicheren Gebiet aufhält, wie kann seine Firma ihn erreichen und ihm helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen?

"Unsere Plattform muss offener werden"

mm.de: Wie wollen Sie neue Ideen und Systeme integrieren?

Wir betrachten neue Angebote und Bedürfnisse auf zwei Ebenen. Die Digitalisierung finden wir wunderbar und sind selbst vorne mit dabei. Als Kernstück unseres digitalen Angebots haben wir Tripsource aufgebaut; das war vor zwei Jahren noch eine Info-App, mit der man sich über Flugverspätungen und Reisedaten informieren konnte. Jetzt haben wir das Ganze komplett aufgebohrt, Firmendaten integriert, die Buchungstools der jeweiligen Unternehmen und proaktive Benachrichtigungen. Früher musste man sich selbst informieren und hatte vielleicht noch eine Telefonnummer, unter der man einen Mitarbeiter erreichen konnte. Jetzt kommen wir von uns aus auf die Reisenden zu: Ihr Flug wird sich verspäten, sollen wir schon mal umbuchen?

mm.de: Und die zweite Ebene?

Karmis: Es fließt immer mehr Geld auch von Risikokapitalgebern in die Geschäftsreiseindustrie. Die Einstiegskosten bei Neuentwicklungen sind daher oft niedrig. Wir werden nicht jede tolle neue Idee selbst entwickeln können. Unsere Plattform muss offener werden; wenn wir ein spannendes neues Startup ausfindig machen, heißen wir es herzlich willkommen und gucken, wo eine Zusammenarbeit sinnvoll ist, wie wir ein Tool integrieren können.

mm.de: Wie genau kann smartes Reisemanagement beim Thema Sicherheit helfen?

Karmis: Es muss die Leute vor allem informieren, wohin sie unterwegs sind. Das klingt trivial, aber manche gehen eine Reise erstaunlich uninformiert an und wundern sich dann unter Umständen sehr vor Ort. Gutes Reisemanagement baut verbindliche Prozesse fest in die Planung ein, die es sicherstellen, dass jeder, der unterwegs ist, weiß, was ihn erwarten kann und wie er oder sie sich darauf vorbereiten sollte. Und bei potentiellen Störungen muss es schnell die nötigen Informationen geben - wie beim Laptop-Verbot, das es vor einigen Monaten plötzlich auf etlichen Flügen in die USA gab. Da haben wir unsere Kunden in wenigen Minuten alle informieren können. Als jüngstes Feature haben wir unsere Travel Alerts in unsere App integriert - bei Ereignissen wie Anschlägen oder Naturkatastrophen warnt die App sofort alle Nutzer, die sich in der betreffenden Region aufhalten.

mm.de: Eine Studie zeigte jüngst: Rund die Hälfte aller Geschäftsreisenden wählen lieber Hotels, die nicht vom eigenen Reisemanagement vorgeschlagen werden. Sind die Mitarbeiter generell unzufrieden mit dem, was ihnen geboten wird?

Karmis: Nicht unbedingt. Manchmal wollen Kunden sich in einem bestimmten Haus treffen, oder genau dort findet die Konferenz statt, an der man teilnimmt. Aber Reisende wollen einfach auch frei entscheiden, wo sie absteigen wollen. Die sind es gewohnt, online die ganze Auswahl zu haben. Wenn das Hotel-Portfolio, das das Unternehmen anbietet, dann eher klein ist, ist das nicht sehr attraktiv. Das Problem ist: Wenn jemand auf eigene Faust bucht, kriegt das Security Management nicht unbedingt mit, wo es ihn im Notfall erreichen kann. Und es wird im Regelfall teurer.

mm.de: Etliche steigen gerne bei Airbnb ab, aber das ist bei vielen Reisestellen gar nicht so nicht gern gesehen. Warum?

Karmis: Die Buchung läuft anders ab als bei Hotels. Ein Airbnb-Gastgeber ist im Normalfall eine Einzelperson, mit der man erst einmal einen Zeitpunkt zur Schlüsselübergabe vereinbaren muss. Wir arbeiten aber natürlich auch mit Airbnb zusammen; jüngst haben wir mit Airbnb for Business eine Datenintegration vereinbart, um Sicherheitsfragen besser lösen zu können. Direkte Reservierungen dort sind über uns nicht möglich, weil das einfach zu aufwendig ist.

mm.de: Was ist Ihnen auf Reisen wichtig?

Karmis: Ich informiere mich sehr gründlich über meinen Zielort, vor allem über die aktuelle Nachrichtenlage und das Wetter. Ich packe sehr leicht, nehme aber immer Laufschuhe mit - nichts hilft besser als ein bisschen sportliche Betätigung, um sich zu akklimatisieren und den Jetlag abzuschütteln. Ich versuche, gesund zu essen, und plane immer Zeit ein, um mit der Familie in Verbindung zu bleiben. Nichts hilft besser gegen den Geschäftsreiseblues als ein paar Minuten mit der Familie via Facetime oder Skype.

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