Dienstag, 22. Oktober 2019

Geschäftsreisen Jeder Vierte hat schon mal den Pass vergessen

Streiks, Wetter, Security: Die größten Feinde des Geschäftsreisenden
Martin Barraud / Getty Images

Eine Umfrage unter Führungskräften ergab, dass jeder Vierte bei Geschäftsreisen schon mal ohne Pass da stand - weil er schlicht nicht wusste, dass man den braucht. Stefan Vorndran vom Deutschen Reiseverband erklärt Trends und Probleme beim beruflichen Unterwegssein.

mm: Sie haben jüngst in einer großen Studie die Probleme von Geschäftsreisenden untersucht. Die Ergebnisse überraschen: 23 Prozent wussten nicht, dass sie ihren Pass brauchen, 28 Prozent hatten Probleme am Zoll, weil sie die Bestimmungen nicht kannten. Wie können versierte Führungskräfte so verpeilt sein?

Vorndran: Na ja, die Leute sind kompetent auf ihren jeweiligen Fachgebieten, aber sie beschäftigen sich wenig mit Einreiseformalitäten. Es gibt da immer wieder faszinierende Erlebnisse, unter anderem auch mit Geisteswissenschaftlern. Die sind zwar hochintelligent, aber manche davon muss man wirklich an die Hand nehmen, um sie von A nach B zu bringen. Was den Reisepass angeht, trägt zu dieser Unbesorgtheit natürlich bei, dass man innerhalb Europas normalerweise keinen mehr braucht - und wenn es dann mal woanders hin geht, wird der Pass gerne vergessen oder ist nicht mehr gültig.

mm: Noch mehr Probleme gab es beim Einchecken und der Security am Flughafen. 45 Prozent der Befragten haben schon mal einen Flug verpasst, weil das zu lange dauerte.

Vorndran: Das ist mir auch schon passiert. Denn: Wenn der Flug um sechs Uhr geht und man ist um fünf Uhr da, dann sollte das doch eigentlich reichen, oder? Wenn Sie 30 Minuten oder länger in der Security verbringen, ist das eine Zumutung. An den Flughäfen existieren zum Teil katastrophale Zustände. Zumal wir Fluggäste ja mit jedem Ticket die Sicherheitsgebühr bezahlen! Als Flughafen weiß man doch ganz genau, wann wie viele Leute in welchen Flieger steigen wollen. Da kann man eigentlich nicht überrascht sein, wenn diese Leute auch kommen.

mm: Gibt es einen Trend zu mehr Komfort auf Geschäftsreisen? Sitzt den Reisestellen das Business Class-Ticket mittlerweile wieder lockerer in der Tasche?

Vorndran: Das korreliert natürlich mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Wenn die Zeiten schwerer werden, schlägt das in den Reiserichtlinien sofort durch. Aber das hat natürlich auch sehr stark mit der Unternehmenskultur zu tun. In der Regel gehen die meisten Branchen dazu über, ab einer Reisedauer von sechs Stunden Business Class zuzulassen. Aber beileibe nicht alle. Allerdings beobachten wir einen sehr starken Trend hin zur Premium Economy, die ja die Lufthansa jetzt auch ab September anbietet. Damit kann man den Mitarbeitern auch schon einen gewissen Komfort zugestehen. Und bei Bahnreisen beobachten wir, dass sich der Trend, Leute lieber zweite als erste Klasse reisen zu lassen, gerade wieder umkehrt - die erste Klasse füllt sich.

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