Freitag, 20. September 2019

Germania und Co. - die Gründe für das Billigflieger-Sterben Womit Airlines wirklich Geld verdienen - und womit nicht

Germania-Pleite: Diese Flughäfen sind betroffen
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    Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de), dem größten deutschsprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Wie wird man Millionär? Der britische Unternehmer Richard Branson weiß die Antwort: "Starte mit einer Milliarde Dollar und gründe eine neue Airline." Und wenn man "nur" ein paar Millionen hat, die man in eine Airline investieren kann? Dann geht es einem vielleicht wie der deutschen Germania, welche diese Woche Insolvenz anmelden musste.

Nach Air Berlin und der Small Planet Airline muss innerhalb von nur 15 Monaten die dritte deutsche Airline mit Sitz in Berlin ihren Betrieb einstellen. Erneut eine Airline, aus dem Ferien-/Billigfliegersegment. Doch Germania ist natürlich viel kleiner als Airberlin und es ergeben sich durch die Insolvenz auch viel weniger Probleme. Zum einen haben die meisten Kunden ihre Flüge im Rahmen einer Pauschalreise gebucht und sind dadurch abgesichert. Zum anderen gibt es auch kein Meilenprogramm, durch das die Kunden enger mit der Airline verbunden wären. Bei Air Berlin war das Topbonus-Vielfliegerprogramm in Gegensatz zur Airline sogar profitabel. Es wurde dann jedoch am Ende auch eingestellt.

Rekordauslastungen und Insolvenzen

Es erscheint paradox: Die großen Fluggesellschaften weltweit verzeichnen Rekordauslastungen und oft solide Gewinne. Trotzdem sind neben den genannten deutschen Airlines auch weitere Player wie Privatair und Azur Airways vom Markt verschwunden. Ryanair vermeldet gerade einen Verlust und Gesellschaften wie WOW Air oder Norwegian Airlines reduzieren deutlich den Umfang ihres Streckennetzes in der Hoffnung, dadurch ihre massiven Verluste zu verringern.

Wie ist diese starke Polarisierung zu erklären? Die Luftfahrtbranche ist traditionell eine sehr margenschwache Industrie. Auswertungen der Luftfahrtvereinigung IATA für die Zeit von 2004 bis 2014 zeigen, dass die durchschnittliche Profitmarge von Fluggesellschaften gerade einmal 2,8 Prozent betrug. Neben hohen Markteintrittskosten ist die Branche zudem extrem von äußeren Einflüssen wie etwa dem Treibstoffpreis oder geopolitischen Ereignissen abhängig. Diese Faktoren wurden schon vielen Fluggesellschaften zum Verhängnis. So waren alle großen US-Airlines in den Jahren nach den Terroranschläge vom 11. September 2001 gezwungen, Konkurs nach den Regeln des US-amerikanischen Chapter-11 anzumelden.

Fallende Preise als Belastung

Obwohl die absolute Anzahl an Fluggästen in den vergangenen fünfzehn Jahren massiv gewachsen ist, sind die durchschnittlichen Tarife auf der Kurz- und Langstrecke gefallen. Dies liegt vor allem an einer deutlichen Zunahme des Wettbewerbes, welche durch die Liberalisierung der Märkte und dem Markteintritt von Billigfliegern befeuert wurde. Auch Fortschritte hin zu immer effizienteren Flugzeugen wie der Boeing 787 Dreamliner oder dem Airbus A350 schaffen es nicht, diesen Preisverfall komplett zu kompensieren.

Fusionen als Ausweg

Viele Fluggesellschaften reagierten auf dieses Problem mit Fusionen, um zusätzliche Marktmacht zu gewinnen und die operativen Kosten durch Synergieeffekte und "economies of scale" zu reduzieren. So gibt es in den USA nun nur noch drei statt sechs große Fluggesellschaften und auch Europa wird mittlerweile mit der IAG Gruppe (British Airways / Iberia), der Lufthansa Gruppe (Lufthansa, Swiss, Austrian, Eurowings) und der Air France / KLM Gruppe von drei großen Playern beherrscht.

Durch ihre Größenvorteile können diese Unternehmen auf wettbewerbsintensiven Strecken zumindest ein gewisses Kontingent zu Preisen anbieten, welche kleinere Fluggesellschaften nur unter Verlusten mittragen können. Während es für größere Fluggesellschaften reicht, nur wenige reduzierte Plätze pro Flug zu einem niedrigen Angebotspreis verfügbar zu machen, müssen kleinere Fluggesellschaften aufgrund geringerer Frequenzen einen relativ gesehen deutlich größeren Teil ihrer Flugzeuge zu einem solchen Preis anbieten, um mithalten zu können. Da Fluggesellschaften mit einer Mischkalkulation arbeiten, kann ein solches Ungleichgewicht schon den Unterschied zwischen Profit und Verlust machen.

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