Samstag, 7. Dezember 2019

Gepäck-Kleidung für Billigflieger Wie man Ryanair und Easyjet austrickst

Gepäck-Jacken für Billigflieger: Mit vollen Taschen durch die Kontrolle
Jaktogo

Wer bei Billigfliegern noch Gepäckzuschläge zahlt, ist selbst schuld, meint John Power. Man kann sein Gepäck schließlich einfach anziehen. Seine Jacken, Kleider und Ponchos sind denkbar unförmig - aber ziemlich geräumig. Und nach der Gepäckkontrolle baut man sie zu Taschen um.

Hamburg - Besonders vorteilhaft sehen sie nicht aus, die Kleider und Jacken von Jaktogo. Aber wer sieht schon vorteilhaft aus, wenn er sich mehrere Oberhemden, lange Hosen, T-Shirts, Unterwäsche und Socken in die Jackentaschen gepackt hat?

Mode spiegelt ja immer auch den Zeitgeist. Diese tut es in besonderer Weise: Sie hebt die Auseinandersetzung Kunde contra Dienstleister auf einen völlig neuen Level. Während auf der einen Seite Billigfluglinien immer neue Wege ersinnen, wie man das Basisticket mit fantasievollen Zu- und Aufschlägen lohnender für die Airline gestalten kann, tummeln sich auf der Gegenseite Leute wie der irischstämmige Ingenieur John Power, der den Begriff "Wearables" auf eine völlig neue, nicht-digitale Weise interpretiert.

Er ersann vor ein paar Jahren eine Lösung, wie man der horrenden Gepäckgebühren bei Billigfliegern Herr werden könne - mit geräumigen Taschen, die man problemlos zu Jacken und Mänteln umbauen kann, wenn es im Flughafen ans Wiegen und Einchecken des Gepäcks geht.

Seit neuestem bietet seine Firma Jaktogo, die ihren Sitz in Bulgarien hat, auch die Modelle "Ponchotogo" und "Dresstogo" an. Letzteres, ein Kleid im, nun ja: Ballonlook, dürfte seine Trägerin nicht nur vor überzogenen Gebühren, sondern auch vor ungebührlichen Annäherungsversuchen schützen - um so etwas zu tragen, darf man wahrlich nicht eitel sein.

Dafür spart man sich nicht nur den Gepäckaufschlag, sondern auch die Wartezeiten bei Auf- und Ausgabe. Power selbst war Vielflieger; sein Prototyp, ein Mantel, den er 2010 auf den Markt brachte, hatte 14 Taschen und konnte problemlos 15 Kilo Zusatzgepäck aufnehmen. Das jüngste Zehn-Taschen-Modell ist ärmellos und eher für wärmere Regionen gedacht, das Kleid hat ebenfalls zehn Taschen und ist wie der Poncho aus leichtem Polyesterstoff hergestellt. Es gibt auch Modelle aus Leder und aus Jeansstoff, zu Preisen ab gut 50 Euro - soviel kann es beispielsweise bei Ryanair schon kosten, in der Hochsaison einen zusätzlichen Koffer am Flughafen aufzugeben.

Power ist nicht ganz allein auf dem Markt der Gepäck-Jacken: Die britische Firma Rufus Roo wirbt mit einer "Low Cost"-Reisejacke (knapp 30 britische Pfund), in die zehn Kilogramm Gepäck passen sollen; mehrere Preissegmente höher ist der US-Hersteller Scottevest unterwegs, der sich auf taschenreiche Westen zur sicheren Unterbringung auch größerer technischer Geräte wie Tablets oder Laptops kapriziert hat.

Die Firma Jaktogo empfiehlt, ihre Modelle nur dann anzuziehen, wenn es sein muss - und sie der Umwelt, besonders dem Sicherheitspersonal, vorzugsweise in ihrer Taschenform zu präsentieren. Harte Gegenstände wie Schuhe oder Computer möge man allerdings lieber im regulären Gepäck unterbringen - und sich im Jaktogo aus Gründen der Bequemlichkeit lieber nicht hinsetzen.

Folgen Sie Maren Hoffmann auf twitter

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung