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Vier Jahreszeiten: Hier wohnt der saudische König beim G20-Gipfel

Foto: Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten Hamburg

G20: Hotelchef Ingo Peters über den Besuch der saudischen Delegation "Für den König ist unsere Royal Suite im Grunde viel zu klein"

Ingo Peters
Foto: Guido Leifhelm

Ingo C. Peters leitet seit 20 Jahren das Grandhotel Vier Jahreszeiten an der Hamburger Alster. Er kennt das Haus, in dem er auch mit seiner Frau lebt, von der Pike auf: Nach dem Abitur hatte er dort als Page angeheuert. Nach Stationen unter anderem in London, Philadelphia, Boston und Phuket kehrte Peters 1997 als Hoteldirektor zurück - und wurde 2014 als "Hotelier des Jahres" ausgezeichnet.

Ingo Peters ist ein ebenso hellwacher wie müder Mann. Im Gespräch kämpft der Direktor des Hamburger Luxushotels Vier Jahreszeiten mehrfach mit dem Gähnen. Dass ihn sein Thema dennoch brennend interessiert, spürt man bei jeder Antwort - er kommt nur dieser Tage nicht viel zum Schlafen. Es gilt, den Besuch des saudischen Königs Salman ibn Abd al-Aziz vorzubereiten, der beim G20-Gipfel die über 400 Quadratmeter große Royal Suite in der vierten Etage bewohnen wird. Für den Gipfel hat das Königshaus das komplette Hotel für mehrere Tage gemietet.

Zum Interview bittet Peters in eine Suite im ersten Stock. Hier ist es ruhig. Leise lässt eine Servicekraft zwei Flaschen Mineralwasser und Gläser auf den Tisch schweben, ehe sie wieder unsichtbar wird.

manager-magazin.de: Herr Peters, auf einer Skala von eins bis zehn: Wie hoch ist Ihr Stresslevel direkt vor dem G20-Gipfel?

Peters: Aktuell würde ich sagen, schon um die zehn. Obwohl - wir brauchen ja noch etwas Luft nach oben, denn wenn es losgeht und der saudische König hier durch die Tür kommt, steigert sich das natürlich noch etwas. Sagen wir, derzeit neuneinhalb.

mm.de: Sie erwarten König Salman bin Abd al-Aziz mit großem Gefolge. Sie haben der Delegation aus Saudi-Arabien Ihr ganzes Haus vermietet.

Peters: Ja. Die haben in Hamburg 400 Zimmer gemietet, davon 160 bei uns. Der König und sein innerer Zirkel werden bei uns wohnen. Im Vorfeld des Gipfels hatte ich den Organisatoren meine Bedingungen genannt: Wir würden unser Haus nur komplett für eine Woche vermieten und nur geschlossen an eine einzige Delegation. Gegen Vorkasse. Es gab mehrere Interessenten, aber die Saudis hatten mit unseren Bedingungen kein Problem. Das war bei den anderen nicht unbedingt so.

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mm.de: Vor einiger Zeit sprachen Sie in der manager lounge über Ihre Arbeit. Damals war noch nicht bekannt, wer beim Gipfel wo absteigt. Sie wurden gefragt, ob Sie auch den US-Präsidenten Donald Trump als Gast begrüßen würden. Sie antworteten klar, dass Sie ihm auf jeden Fall absagen würden, weil das Haus schon belegt sei. Für diese klaren Worte gab es viel Applaus, aber der schien Ihnen eher ein bisschen unbehaglich zu sein.

Peters: Ja, das war er auch. Ich bin Hotelier. Über drei Dinge reden wir nie: Politik, Religion und Geld. Das ist Ehrensache. Ich wollte gar kein politisches Statement äußern. Das Haus war tatsächlich belegt, und ich musste letztlich neun oder zehn Anfragen abschlägig bescheiden, darunter eben auch eine aus den USA.

"Ein paar Wände mussten umgesetzt werden"

mm.de: Auch wenn Hoteliers nicht über Geld reden: Wie hoch ist denn die Gesamtmiete des Hauses bei einem solchen Großereignis im Verhältnis zu den normalen Preisen?

Peters: Wir haben eine ganz normale Kalkulation durchgeführt und unsere normalen Raten berechnet - angesichts des Gipfels sind das natürlich die Höchstraten des gesetzten Preisgefüges. Die Kosten für nötige Umbauten übernimmt die Delegation auch. Aber wir denken uns da keine Phantasiepreise aus. Erstens ziehen wir unsere Gäste grundsätzlich nicht über den Tisch, und zweitens wäre das auch sehr kurzfristig gedacht. Denn wir haben das Haus ja voll mit 160 Leuten, die potentielle Gäste sind und gerne wiederkommen sollen.

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mm.de: Das arabische Königshaus ist straff hierarchisch organisiert und achtet sehr auf Statussymbole und deren Abstufungen. Haben Sie keine Angst, etwa bei den Zimmerzuteilungen ungewollt den einen oder anderen diplomatischen Fauxpas zu begehen?

Peters: Der König hat einen exzellent arbeitenden Reisestab. Die waren jetzt schon mehrmals im Vorfeld des Gipfels hier, haben alle Suiten und Zimmer fotografiert, Fluchtwege inspiziert und alle nötigen baulichen Veränderungen mit uns geplant. Und die verteilen auch die Zimmer. Wenn sich da tatsächlich jemand ungerecht behandelt fühlen sollte, ist das nicht unsere Schuld. Aus dieser Verantwortung sind wir heraus.

mm.de: Was mussten Sie denn alles baulich verändern?

Peters: Etliche der Gäste haben Sonderwünsche, etwa, was die Badezimmertechnik angeht. In der Suite des Königs montieren wir temporär Panzerglas vor die Fenster. Ein paar Wände mussten umgesetzt werden. Und für den König ist auch unsere Royal Suite im Grunde viel zu klein - der braucht große Empfangsräume. Unsere Festsäle haben in etwa das Format königlicher Wohnzimmer und werden mit Sofas und anderen Möbeln für die Zeit seines Aufenthalts zu Lounges und Wohnbereichen umgebaut. Dort wird auch der Thron stehen, den der König mitbringen wird.

mm.de: Warum war es Ihre Bedingung, dass Sie nur eine Delegation aufnehmen wollen?

Peters: Wir wollten möglichen Diskussionen darüber, ob und wen wir privilegiert behandeln, erst gar keinen Raum geben: Wenn Vertreter von drei Nationen kämen, wer sollte dann die beste Suite bekommen? Und mit der Komplettvermietung können wir uns auch besonders gut auf die Gäste einstellen - auch das könnte sonst Konflikte geben. Es ist eben doch eine ganz andere Kultur. Beim Essen wird es gerne lauter, es wird vielleicht auch dabei telefoniert, und die Küche wird komplett auf die Bedürfnisse der arabischen Gäste umgestellt.

"Das sind alles absolute VVVips"

mm.de: Der König bringt doch, wie man hört, seine eigenen Köche mit.

Peters: Richtig. Und da sind auch Spezialisten dabei: Leute, die nur Tee kochen, andere, die nur für das Obst zuständig sind. Aber dieses Personal versorgt nur den König und seine engeren 20 bis 30 Vertrauten. Die übrigen 130 bis 140 bekochen wir.

mm.de: Was ist die größte Herausforderung für Ihr Haus?

Peters: Die Logistik. Die Gäste kommen ja alle zugleich an, und alle werden sofort etwas wollen. Das sind alles absolute VVVips, die gewohnt sind, dass ihnen mit einem Fingerschnipp auch nachts um drei jeder Wunsch sofort erfüllt wird - und wenn es ein halbes Lamm ist. Wenn der König nicht mit dabei wäre, würde jeder von denen auch alleine die Royal Suite beziehen. Wir müssen das Gepäck aus fünf 7,5-Tonnen-Lkws sehr zügig und vor allem fehlerfrei auf die 160 Zimmer verteilen. Und dann die Wäscheberge, die ja gleich nach der Reise anfallen: Bis so ein traditionelles arabisches Männergewand, ein Thawb, gewaschen und gebügelt ist, das dauert. Und die arabischen Gäste erwarten Service rund um die Uhr, gegessen wird gerne auch nach Mitternacht oder morgens vor sieben. Wir müssen gewährleisten, dass wir diesen Service jederzeit bieten können.

mm.de: Wie bewältigen Sie das personell?

Peters: Wir haben eine komplette Urlaubssperre. Alle unsere 60 Azubis sind an diesen Tagen von der Berufsschule freigestellt, und wir haben temporäre Kräfte, die wir kennen und die schon Uniformen unseres Hauses haben. Wir bieten alles auf, was wir haben. Es wird ein Kraftakt.

mm.de: Sie wirken angespannt, aber man sieht Ihnen schon die Vorfreude an.

Peters: Ich liebe so etwas. Dieses Haus ist 120 Jahre alt. Wir hatten viele berühmte Gäste hier. Jetzt schreiben wir weiter Geschichte. Der Besuch des saudischen Königs wird einen Ehrenplatz in unserem Archiv einnehmen. Ich freue mich wirklich immens darauf.

mm.de: Gibt es eigentlich Gäste, die Sie von vornherein ablehnen würden? Diktatoren oder Warlords?

Peters: Als Hotelier bin ich erst einmal neutral. Leute, die der Verfassungsschutz als Gefahr einstuft, würde ich natürlich nicht beherbergen. Wir haben immer noch das Hausrecht. Und wir haben auch schon Hausverbote gegenüber prominenten Gästen ausgesprochen, die sich nicht an die Regeln gehalten haben und unsere Mitarbeiter nicht gut behandelt haben. So etwas lasse ich nicht zu.

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