Montag, 16. September 2019

G20: Hotelchef Ingo Peters über den Besuch der saudischen Delegation "Für den König ist unsere Royal Suite im Grunde viel zu klein"

Vier Jahreszeiten: Hier wohnt der saudische König beim G20-Gipfel
AP

3. Teil: "Das sind alles absolute VVVips"

mm.de: Der König bringt doch, wie man hört, seine eigenen Köche mit.

Peters: Richtig. Und da sind auch Spezialisten dabei: Leute, die nur Tee kochen, andere, die nur für das Obst zuständig sind. Aber dieses Personal versorgt nur den König und seine engeren 20 bis 30 Vertrauten. Die übrigen 130 bis 140 bekochen wir.

mm.de: Was ist die größte Herausforderung für Ihr Haus?

Peters: Die Logistik. Die Gäste kommen ja alle zugleich an, und alle werden sofort etwas wollen. Das sind alles absolute VVVips, die gewohnt sind, dass ihnen mit einem Fingerschnipp auch nachts um drei jeder Wunsch sofort erfüllt wird - und wenn es ein halbes Lamm ist. Wenn der König nicht mit dabei wäre, würde jeder von denen auch alleine die Royal Suite beziehen. Wir müssen das Gepäck aus fünf 7,5-Tonnen-Lkws sehr zügig und vor allem fehlerfrei auf die 160 Zimmer verteilen. Und dann die Wäscheberge, die ja gleich nach der Reise anfallen: Bis so ein traditionelles arabisches Männergewand, ein Thawb, gewaschen und gebügelt ist, das dauert. Und die arabischen Gäste erwarten Service rund um die Uhr, gegessen wird gerne auch nach Mitternacht oder morgens vor sieben. Wir müssen gewährleisten, dass wir diesen Service jederzeit bieten können.

mm.de: Wie bewältigen Sie das personell?

Peters: Wir haben eine komplette Urlaubssperre. Alle unsere 60 Azubis sind an diesen Tagen von der Berufsschule freigestellt, und wir haben temporäre Kräfte, die wir kennen und die schon Uniformen unseres Hauses haben. Wir bieten alles auf, was wir haben. Es wird ein Kraftakt.

mm.de: Sie wirken angespannt, aber man sieht Ihnen schon die Vorfreude an.

Peters: Ich liebe so etwas. Dieses Haus ist 120 Jahre alt. Wir hatten viele berühmte Gäste hier. Jetzt schreiben wir weiter Geschichte. Der Besuch des saudischen Königs wird einen Ehrenplatz in unserem Archiv einnehmen. Ich freue mich wirklich immens darauf.

mm.de: Gibt es eigentlich Gäste, die Sie von vornherein ablehnen würden? Diktatoren oder Warlords?

Peters: Als Hotelier bin ich erst einmal neutral. Leute, die der Verfassungsschutz als Gefahr einstuft, würde ich natürlich nicht beherbergen. Wir haben immer noch das Hausrecht. Und wir haben auch schon Hausverbote gegenüber prominenten Gästen ausgesprochen, die sich nicht an die Regeln gehalten haben und unsere Mitarbeiter nicht gut behandelt haben. So etwas lasse ich nicht zu.

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