Mittwoch, 26. Juni 2019

G20: Hotelchef Ingo Peters über den Besuch der saudischen Delegation "Für den König ist unsere Royal Suite im Grunde viel zu klein"

Vier Jahreszeiten: Hier wohnt der saudische König beim G20-Gipfel
AP

2. Teil: "Ein paar Wände mussten umgesetzt werden"

mm.de: Auch wenn Hoteliers nicht über Geld reden: Wie hoch ist denn die Gesamtmiete des Hauses bei einem solchen Großereignis im Verhältnis zu den normalen Preisen?

Peters: Wir haben eine ganz normale Kalkulation durchgeführt und unsere normalen Raten berechnet - angesichts des Gipfels sind das natürlich die Höchstraten des gesetzten Preisgefüges. Die Kosten für nötige Umbauten übernimmt die Delegation auch. Aber wir denken uns da keine Phantasiepreise aus. Erstens ziehen wir unsere Gäste grundsätzlich nicht über den Tisch, und zweitens wäre das auch sehr kurzfristig gedacht. Denn wir haben das Haus ja voll mit 160 Leuten, die potentielle Gäste sind und gerne wiederkommen sollen.

mm.de: Das arabische Königshaus ist straff hierarchisch organisiert und achtet sehr auf Statussymbole und deren Abstufungen. Haben Sie keine Angst, etwa bei den Zimmerzuteilungen ungewollt den einen oder anderen diplomatischen Fauxpas zu begehen?

Peters: Der König hat einen exzellent arbeitenden Reisestab. Die waren jetzt schon mehrmals im Vorfeld des Gipfels hier, haben alle Suiten und Zimmer fotografiert, Fluchtwege inspiziert und alle nötigen baulichen Veränderungen mit uns geplant. Und die verteilen auch die Zimmer. Wenn sich da tatsächlich jemand ungerecht behandelt fühlen sollte, ist das nicht unsere Schuld. Aus dieser Verantwortung sind wir heraus.

mm.de: Was mussten Sie denn alles baulich verändern?

Peters: Etliche der Gäste haben Sonderwünsche, etwa, was die Badezimmertechnik angeht. In der Suite des Königs montieren wir temporär Panzerglas vor die Fenster. Ein paar Wände mussten umgesetzt werden. Und für den König ist auch unsere Royal Suite im Grunde viel zu klein - der braucht große Empfangsräume. Unsere Festsäle haben in etwa das Format königlicher Wohnzimmer und werden mit Sofas und anderen Möbeln für die Zeit seines Aufenthalts zu Lounges und Wohnbereichen umgebaut. Dort wird auch der Thron stehen, den der König mitbringen wird.

mm.de: Warum war es Ihre Bedingung, dass Sie nur eine Delegation aufnehmen wollen?

Peters: Wir wollten möglichen Diskussionen darüber, ob und wen wir privilegiert behandeln, erst gar keinen Raum geben: Wenn Vertreter von drei Nationen kämen, wer sollte dann die beste Suite bekommen? Und mit der Komplettvermietung können wir uns auch besonders gut auf die Gäste einstellen - auch das könnte sonst Konflikte geben. Es ist eben doch eine ganz andere Kultur. Beim Essen wird es gerne lauter, es wird vielleicht auch dabei telefoniert, und die Küche wird komplett auf die Bedürfnisse der arabischen Gäste umgestellt.

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