Sonntag, 19. Mai 2019

Neues Luxushotel für Hamburg Nobel nächtigen - in der Oberfinanzdirektion

Fraser Suites in der Oberfinanzdirektion: Hamburgs neuestes Luxushotel
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Mit breit gewölbter Backsteinbrust thront die Hamburger Oberfinanzdirektion am Rödingsmarkt mitten in der Altstadt, ein Hochbahnviadukt führt daran vorüber, der Puls der Stadt vibriert. Der Besucher fühlt sich vor dem neobarocken Gebäude zunächst fast als Bittsteller: Ich Staatsmacht, du nichts, ist der architektonische Gestus, wie Muskeln treten in der Empfangshalle dicke Säulen hervor, wer hereinkommt, nähert sich über ein paar Treppenstufen erst einmal von unten.

Diesen Eindruck der zwischen 1907 und 1910 errichteten Finanzbehörde in ein freundliches Willkommen zu wandeln, ist Olivier Briand angetreten: Der 46-jährige Franzose ist Direktor des neuen Luxushotels Fraser Suites, das vor kurzem in dem denkmalgeschützten Bau eröffnete. Seine Aufgabe: Die alte Finanzbehörde zu einem Ort zu machen, an dem Leute weiterhin viel Geld lassen, aber das jetzt gerne tun.

In der Lobby hängt jetzt ein munteres Glasperlenspiel, durch das sanftes Licht auf eine anmutig geschwungene goldene Rezeption fällt. Geradeaus geht es in die alte Bibliothek, die zum Restaurant mit 72 Plätzen umgewandelt wurde: Im "The Dining Room" tischt Spitzenkoch Daniel Thompson auf. "Wir streben keinen Michelin-Stern an", sagt Briand, es solle "eher easy going" sein. Weite Flure, geschwungene Treppen, alte Holztüren und Art-Deco-Elemente geben dem Gebäude historisches Flair.

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Das Fraser Suites ist das erste Luxushotel in Hamburg, das von einer Kette asiatischen Ursprungs betrieben wird. Die börsennotierte Frasers Hospitality Group aus Singapur expandiert derzeit stark in Europa; in Deutschland betreibt sie unter der Marke Capri by Fraser bisher zwei Vier-Sterne-Häuser in Frankfurt am Main und in Berlin. Wie viel Geld Frasers in die alte Oberfinanzdirektion gesteckt hat, will Briand nicht sagen. Die in Medien kursierende Zahl von 100 Millionen Euro sei etwas übertrieben, aber es sei schon eine Menge Geld gewesen.

Das liegt zum Teil an den Denkmalschutzauflagen: Neue Steckdosen durften weder in das historische Parkett noch in die Wände gesetzt werden, deshalb sind sie in den Zimmern oft an den Betthäuptern integriert. Im Sitzungssaal, der nun als Tagungsraum dient, integrierte man die Technik in den alten Rundtisch, einen riesigen ovalen Trumm aus Holz und Leder, umringt von staatstragenden Sitzmöbeln, gezimmert für die Ewigkeit. "Hier mussten wir gar nichts machen", freut sich der Hoteldirektor, "es war alles schon da." Lediglich neue Lederbezüge habe man den Sesseln verpasst.

154 Zimmer hat das Haus, davon haben alle bis auf 22 eine kleine Küche mit blauem Fliesenspiegel, der das Dekor eines der Umkleideräume des Hauses aufnimmt. Fraser ist auf Longstay-Gäste spezialisiert. "Viele unserer Gäste sind Berater", erklärt Briand, der zuvor Hotels in Bahrain und Saudi-Arabien geleitet hat, "die haben dann länger laufende Projekte. Wenn man drei oder vier Nächte bleibt, reicht ein normales Hotelzimmer, wenn es mehrere Wochen werden, braucht man schon eine Küche."

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Für die Gestaltung zeichnen die Hamburger Hotelgestalter von JOI Design verantwortlich, die schon das Capri by Fraser in Berlin designten. Ein blasses, wie verblichenes Samtblau ist die Leitfarbe des Hamburger Hauses, das derzeit rund 80 Mitarbeiter starke Team bekommt Uniformen in einem dunkleren Blau, mit rotem Innenfutter. Das Design würdigt die 1920er Jahre, holt sie aber in die Gegenwart - es gibt viel Messing, geometrische Muster, durchbrochene Linien, überall, wo Eichenholz prangt, kann man sicher sein: Das ist noch original. Selbst das Duftdesign nimmt dezent die olfaktorische Prägung mit Holz und Leder auf: Oberfinanzdirektion meets The Great Gatsby. Auf Pool-Luxus muss man allerdings verzichten. Es gibt ein Gym und eine Sauna, aber ein Schwimmbad wäre in dem alten Gemäuer nicht möglich gewesen.

Die Zimmerpreise beginnen ab etwa 140 Euro, zu Messezeiten wird es natürlich deutlich teurer. Derzeit läuft das Haus erst einmal mit einem Soft Opening warm, die große Eröffnungsparty soll mutmaßlich um den September herum steigen. Briand ist guten Mutes, dass Hamburg zum guten Dutzend schon vorhandener Häuser noch ein weiteres Luxushotel gebrauchen kann - er strebt mittelfristig eine Auslastung von mindestens 75 Prozent an.

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