Frankreich-Touristen bleiben weg "Wir laufen in eine industrielle Katastrophe"

Die Anschläge mit zahlreichen Toten haben viele Touristen von einem Besuch in Paris abgeschreckt. Verbände beziffern den Schaden im ersten Halbjahr allein für diese Region auf 850 Millionen Dollar und fürchten um die 500.000 Jobs in der Großregion. Der Ruf nach dem helfenden Staat wird immer lauter.
Touristen am Eifelturm: Vor allem ausländische Gäste bleiben der Stadt zusehends fern - auch eine Folge der Attentate.

Touristen am Eifelturm: Vor allem ausländische Gäste bleiben der Stadt zusehends fern - auch eine Folge der Attentate.

Foto: Malte Christians/ dpa

85 Millionen ausländische Touristen zählte Frankreich im vergangenen Jahr - und damit weit mehr als das Land Einwohner hat. Kein Land dieser Welt zieht jedes Jahr mehr Reiselustige und Kulturinteressierte an. Doch jetzt schrillen die Alarmglocken in der Grande Nation.

Nach islamistischen Attacken und Streiks ist der Zustrom abrupt abgebrochen, fürchtet das Land um eine seiner zentralen Erlösquellen. Besonders hart traf es offenbar die Großregion Paris. Offizielle Quellen beziffern den Schaden allein hier auf rund 850 Millionen Dollar im ersten Halbjahr.

"Der Tourismussektor läuft in eine industrielle Katastrophe", warnte laut Reuters der Leiter des Tourismusverbands der Großregion Paris. Frederic Valletoux forderte massive Unterstützung und Investitionen, um die rund 500.000 vom Tourismus abhängigen Jobs in der Großregion zu schützen. Er forderte Außenminister Jean-Marc Ayrault auf, sich schnellstens mit den Tourismusservertretern zu treffen.

Frankreichs Wirtschaft läuft nicht gerade rund, 85 Prozent der Bürger sehen die eigene Ökonomie in einem schlechten Zustand. Viel hängt dabei vom Tourismus ab, genauer gesagt 7 Prozent des Sozialprodukts. Gut 13 Prozent sind es sogar in der Großregion Paris, die bislang meistbesuchte Stadt der Welt.

Panik pur auf den Straßen von Paris: Allein in der Nacht vom 13. auf den 14. November 2015 kamen bei Attentaten mindestens 129 Menschen ums Leben

Panik pur auf den Straßen von Paris: Allein in der Nacht vom 13. auf den 14. November 2015 kamen bei Attentaten mindestens 129 Menschen ums Leben

Foto: AP

Bei Anschlägen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) kamen im vergangenen Jahr in Paris weit mehr als 130 Menschen ums Leben. Weitere 85 wurden in diesem Jahr Opfer bei einem Anschlag am Nationalfeiertag in Nizza, als ein Tunesier einen Lastwagen in die Menge steuerte. Kurz darauf töteten vermutlich IS-Anhänger einen Priester in der Normandie.

Ausländische Besucher reagieren empfindlich darauf, meiden insbesondere die Großregion Paris seitdem. Zugleich drosselten Streiks gegen umstrittene Arbeitsmarktreformen den Strom der Touristen.

Die Hotel-Übernachtungen im ersten Halbjahr gingen in der Großregion um 8,5 Prozent im Schnitt zurück, vor allem die ausländischen Touristen blieben weg, berichten Wirtschaftsverbände. Viele Ausländer nehmen Paris als Ausgangspunkt für eine ausgedehnte Europa-Reise: So blieben etwa 46 Prozent der japanischen Touristen weg, aus China kamen rund 20 Prozent weniger Besucher in die Weltstadt und knapp 6 Prozent weniger US-Amerikaner.

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