Mittwoch, 13. November 2019

Vom Vielflieger zum Vielzahler Kommt jetzt das Ende der Vielfliegerprogramme?

United Airlines: Beim Loyalitätsprogramm zählt jetzt der Umsatz

United Airlines hat vor Kurzem Änderungen in seinem Loyalitätsprogramm Mileage Plus verkündet: Ab 2020 werden die Statuslevels des Programms auf Basis von Umsatz bei der Airline vergeben. Damit stellt sich die Frage: Was ist eigentlich Loyalität? Ist derjenige am loyalsten, der am meisten zahlt, oder derjenige, der am meisten fliegt.

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    Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de), dem größten deutschsprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Bisher hießen sie Vielfliegerprogramme

Die Loyalitätsprogramme der Fluggesellschaften werden allgemein auch "Vielfliegerprogramme" genannt. Bisher wurden beide Begriffe bei Airlines quasi synonym verwendet, denn ein loyaler Kunde zeichnete sich dadurch aus, dass er möglichst oft und weit mit einer Fluggesellschaft flog. Besonders loyale Kunden erhielten dann einen Vielfliegerstatus wie zum Beispiel den Lufthansa Senator Status.

Die Qualifikationsbedingungen für einen solchen Vielfliegerstatus basieren bei fast allen Airlines auf einem Mix aus Anzahl der Flüge, Distanz und gebuchter Reiseklasse. Wer etwa 30-mal mit der Lufthansa-Gruppe in einem Kalenderjahr fliegt, erhält den "Frequent Traveller Status". Der Preis der Flugtickets ist hier erst einmal irrelevant.

Preisgestaltung bei Airlines hat sich geändert

An diesem Prinzip hat sich seit Aufkommen der Vielfliegerprogramme in den 1980er Jahren nicht viel geändert. Was sich allerdings stark geändert hat, ist die Preisgestaltung im Luftverkehr an sich. War vor 40 Jahren die geflogene Distanz noch ein halbwegs genauer Indikator für den Ticketpreis, so sind beide Merkmale heutzutage relativ unabhängig. Wer ein gutes Angebot findet, fliegt für 200 Euro nach New York, während der unflexible Geschäftsreisende 500 Euro nach London zahlt.

Lufthansa mit umsatzbasierter Prämienmeilenvergabe

Um diesem Trend Rechnung zu tragen, änderte Lufthansa Miles & More schon im vergangenen Jahr die Vergabe von Prämienmeilen. Diese werden nun basierend auf dem Preis eines Tickets vergeben. So fungieren sie nun als ein vom Ticketpreis abhängiges "Geld zurück"-Programm, anstatt eine Belohnung für die geflogene Distanz zu sein. Jedoch für die Entscheidung, wer in den elitären Kreis der Vielflieger aufgenommen wird, ist der Ticketpreis nur in Form der sogenannten Buchungsklassen relevant. Von großer Bedeutung ist dabei wiederum die geflogene Distanz.

United mit umsatzbasierter Statusvergabe

"Mileage Plus", das Loyalitätsprogramm von United Airlines, einer der größten Fluggesellschaften der USA, treibt das Ganze nun aber einen radikalen Schritt weiter. Mit Beginn von 2020 wird hier auch der Vielfliegerstatus rein nach Umsatz vergeben. Die geflogene Distanz oder die Anzahl an Flügen ist somit größtenteils irrelevant geworden. Wer etwa 5000 Dollar in einem Jahr für Tickets mit United Airlines ausgibt, erhält den Silber Status, den höchsten 1K Status gibt es nach einem Umsatz von 24.000 Dollar. Ab einer je nach Status variierenden Schwelle an geflogenen Segmenten gibt es einen Rabatt auf den erforderlichen Umsatz.

Das "Mileage Plus"-Programm ändert sich durch diese Änderungen von einem Vielflieger- zu einem Vielzahler-Programm, denn den höchsten 1K-Status kann man ab nächsten Jahr auch mit nur zwei flexiblen Business-Class-Flügen von der USA nach Asien für je 12.000 Dollar erreichen, während ein echter Vielflieger mit 40 günstigen Segmenten pro Jahr am Silber-Status scheitern kann. United Airlines selbst argumentiert, dass die neue Reglung fairer wäre und zudem die loyalsten Mitglieder besser belohnt. Aber sind Kunden, die teure Tickets buchen zwingend loyaler und lohnt es sich, diese zu belohnen?

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