Samstag, 24. August 2019

Fernradweg Flow Vélo Eine komplett entschleunigte Tour de France

Flow Vélo: Unterwegs auf Frankreichs neuem Fernradweg
Sébastien Laval/ Charentes Tourisme/ TMN

Der neue Fernradweg Flow Vélo von der Dordogne an den Atlantik ist eine Tour de France der besonderen Art: Einsamkeit und Begegnungen, Städte und dörflicher Stille - und ein paar Schlückchen Cognac.

Flow Vélo
Reiseziel
Die mehr als 290 Kilometer lange Flow Vélo ist in beide Richtungen ausgeschildert, also auch vom Atlantik in die Dordogne.
Anreise
Eine Alternative zum eigenen Fahrzeug ist die Bahn. Stationen für Beginn und Ende sind Thiviers und Rochefort.
Reisezeit
Ideal sind Frühjahr und Herbst, aber natürlich ist auch den gesamten Sommer über Saison. Dann füllt sich der Küstenbereich.
Übernachtung
Hotels gibt es vor allem in Angoulême, Cognac, Saintes und Rochefort. Auf dem Land finden sich nur vereinzelt Gasthäuser oder Gästezimmer (Chambres d'hôtes).
Organisation
Radverleih zum Beispiel über den Anbieter Voyages France Vélos(www.francevelo.bike). Weitere Informationen: www.laflowvelo.com .

"Früher habe ich Filme gemacht, jetzt spüle ich Geschirr", lacht Dieter Weihl, 62. Er und seine Frau Bérénice, 44, sind aus den USA nach Südwestfrankreich umgesiedelt, in Bérénices Heimat. Dort haben sie das Gasthaus "Saint Alfonso's" eröffnet, in Feuillade, einem Nest zwischen Nontron und Angoulême.

Wenige Hundert Meter entfernt liegt eine Strecke, die künftig Kunden zuleiten könnte: Flow Vélo, ein neuer Fernradweg, der über 290 Kilometer von Thiviers in der Dordogne bis an die Atlantikküste verläuft - samt Fährpassage auf die Insel Aix.

"Alte Dörfer neu beleben, das ist die Zukunft Europas", sagt Weihl. "Ich lebe hier wie Gott in Frankreich", schwärmt er. So darf man sich unterwegs auch als Radler auf der Flow Vélo fühlen, die vor allem über entlegene Nebenstraßen, Feldwege und umgestaltete Bahntrassen führt. Eine Chronologie:

Erster Tag: Blumenkästen und Holzfensterläden

Der Zug ist in die grüne Dordogne geruckelt nach Thiviers, Startpunkt der Flow Vélo. Das Städtchen atmet Provinzstimmung. Es weckt beim Spaziergang am Nachmittag ein Faible für die Symmetrie von Holzfensterläden, Blumenrundkästen und Ziegelschornsteinen. Nahe der Kirche Notre Dame de l'Assomption floriert im Touristenbüro der Verkauf von Foie gras, eingedoster Gänse- und Entenstopfleber, Spezialität der Gegend - in vielen Ländern ist die Herstellung allerdings wegen der tierquälerischen Herstellungsmethode verboten.

Das Leben fließt hier gemächlich dahin. Lichteffekte in Grün und Blau setzt abends das Rathaus. Das einzige Stadthotel, "Hôtel de France et de Russie", liegt in englischer Aussteigerhand. "Und das, obwohl wir nie zuvor ein Hotel geführt hatten und kein Französisch sprachen", erzählt Hotelier Adrian Finch, 59, einst Supermarktmanager.

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