Montag, 23. September 2019

Mit der Faafaite unterwegs vor Tahiti Zurück in die Zukunft

Unterwegs mit der Faafaite: Segeln wie die alten Tahitianer
Danee Hazema

Die Faafaite aus Papeete/Tahiti ist eines von insgesamt sieben großen Segelcanoes des sogenannten Tipaerua-Typs. Gebaut wurde der Katamaran vor fünf Jahren in Neuseeland. Als historisches Vorbild für den Bau diente die Te au o Tonga aus Rarotonga/Cook Islands.

Zusammen mit ihren sechs Schwester-Canoes wollen die Mitglieder der eigens gegründeten, gemeinnützigen Faafaite-Organisation ihrem Volk eine andere Vision von sich selbst und ihrer Umwelt vermitteln. Der Kat ist für sie ein Ort, um zu lernen und um seinen Standort in der Gesellschaft neu zu definieren - seemännisch, sprachlich und kulturell. Vor allem soll das Wissen um die Navigation der Vorväter vermittelt werden. Ganz nebenbei sollen die jungen Trainees in der Gemeinschaft lernen, den Ozean zu respektieren und zu schützen. "Yachting Swissboat" ging an Bord der 22 Meter (73 Fuß) langen Ausbildungsyacht.

An einem Sonnabend Ende November beginnt auf Tahiti die Regenzeit. Nach einigen Sonnenstunden auf dem Meer und moderatem Wind schüttet es plötzlich wie aus Eimern. Dazu gesellen sich in immer geringerem Abstand kräftige Böen. Die Höhe der Wellen nimmt zu, und der Abstand zwischen ihnen wird zusehends kleiner. Obschon die Faafaite stabil gebaut ist, wird sie schnell zum Spielball der Wellen.

Gefunden in

YACHTING Swissboat
2/2015

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Der Steuermann, der die baumgleiche, massive Pinne des Nachbaus eines historischen Segelkatamarans kaum mehr allein bändigen kann, erhält Unterstützung durch ein weiteres Crewmitglied. Danee Hazama, im Hauptberuf Fotograf, legt sich voll ins Zeug. Am Abend trifft Kapitän Matahi Tutavahe zusammen mit seiner Kollegin Fatiarau Salmon auf See eine Entscheidung: Der Ausbildungs-Törn wird abgebrochen, das Boot soll zurückkehren zu seinem Heimathafen in Papeete, von wo aus es bei gutem Wetter am frühen Morgen in Richtung Tetiaroa, eines kleinen, nordöstlich gelegenen Motus, gestartet war.

"Wir haben acht Crewmitglieder an Bord, einige von ihnen sind zum ersten Mal an Bord", sagt Tutavahe. Eigentlich habe über Nacht eine Einführung in die Astro-Navigation erfolgen sollen; das sei unter diesen Umständen jedoch nicht möglich und müsse später nachgeholt werden. Doch wie wendet man einen so großen, traditionellen Segel-Kat?

Die Faafaite
Die Faafaite aus Papeete/Tahiti ist eines von insgesamt sieben großen Segelcanoes des sogenannten Tipaerua-Typs. Gebaut wurde der 22 Meter lange Katamaran vor fünf Jahren in Neuseeland. Als historisches Vorbild für den Bau diente die Te au o Tonga aus Rarotonga/Cook Islands.
Heimathafen
Der Heimathafen der Faafaite ist Papeete Harbour - Tahiti - French Polynesia. Immer montags gibt es Besichtigungen oder Ausfahrten, andere Termine und längere Segeltörns nach Anmeldung unter contact@Faafaite.org. Die Faafaite ist Mitglied der Pacific Voyagers Gesellschaft, zu der alle sieben Tipearua-Segelcanoes gehören. Zurzeit werden Einzel- oder gemeinsame Törns der Te au o Tonga-Nachbauten geplant (Auswahl): Samoa - Fiji - Vanatu - Salomonen - Neukaledonien - Mikronesien - Guam in 2016 (Festival of Pacific Arts, Guam), Törn nach Neuseeland in 2019 (zum Gedenken an die Landung der Endeavour in Gisborne - erstes Treffen von Engländern und Maori in Aotearoa).
Hinkommen
Air Tahiti
Von Paris aus etwa mit den neuen Fliegern der Air Tahiti Nui-Flotte über Los Angeles nach Papeete. Flugzeiten: Paris - Los Angeles 11 Stunden 50 Minuten, Los Angeles - Papeete 8 Stunden 30 Minuten. Tahiti-Besucher fliegen mit derselben Maschine von Paris bis nach Papeete, in L.A. muss der Flieger jedoch kurz verlassen und der Transitbereich aufgesucht werden.

Etwas abfallen, Geschwindigkeit aufnehmen und dann beherzt das Ruder herumdrücken - soweit die Theorie. Zeitgleich muss jedoch bei der nach heutigen, modernen Maßstäben schwerfälligen Segel-Piroge der Druck aus Fock und Großsegel genommen, und, wenn der Bug durch den Wind gegangen ist, zusätzlich das Besan getrimmt werden. Mit einigen Neulingen an Bord, Wind von bis zu 25 Knoten Geschwindigkeit, Welle und starkem Regen ist das kein leichtes Unterfangen.

Zwei Versuche scheitern. Als die Schauer wieder einmal besonders stark einsetzen und der Wind die dicken Regentropfen direkt in die Gesichter der Segler treibt, stimmt die erst 30-jährige Kapitänin Fatiarau einen traditionellen tahitianischen Gesang an, in den alle Crewmitglieder der Wache, die sich gerade an Deck befinden, nach und nach einstimmen. Dabei lachen sie - man merkt ihnen an, dass sie das, was sie tun, lieben - selbst bei diesen widrigen Wetterbedingungen. Keinen Hund möchte man jetzt vor die Tür treiben.

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