Montag, 22. April 2019

Expeditionskreuzfahrt in der Südsee Inselhopping mit dem Kreuzfahrtschiff

Sehnsuchtsziel Südsee: Inselhopping mit dem Kreuzfahrtschiff
Hapag-Lloyd Cruises/dpa-tmn

Sehnsuchtsziel Südsee: Auf einer Expeditionskreuzfahrt lässt sich die Inselwelt gut erkunden. Eine Reise in eine Welt voller exotischer Klischees - und der Versuch, dahinter zu schauen.

Auf den letzten Meilen zum Hafen von Mata-Utu, Hauptstadt des Königreichs Uvea und ein Teil des französischen Überseegebiets Wallis und Futuna, wird es nautisch zum ersten Mal heikel. "Die Seekarten im ganzen Riff sind nicht exakt", sagt Kapitän Axel Engeldrum. Die Riffe seien zwar eingezeichnet, aber sie ragten viel weiter in die Fahrrinne hinein als dargestellt. "Untiefen in der Passage sind gar nicht markiert." Daher ist die Brücke voll besetzt, ein lokaler Lotse an Bord. Manövrieren auf Sicht, mit Tageslicht.

Ein großes Kreuzfahrtschiff kann Wallis nicht erreichen. Doch die Urlauber sind unterwegs auf der "Bremen", einem Schiff der Reederei Hapag-Lloyd Cruises mit Platz für nur 155 zahlende Gäste. Sie nehmen teil an einer sogenannten Expeditionskreuzfahrt durch den Südpazifik: 17 Tage ostwärts, von Fidschi über Wallis und Futuna, Samoa und die Cookinseln nach Französisch-Polynesien, 2576 nautische Meilen vom Hafen von Lautoka bis Papeete auf Tahiti.

Zwei Sehnsuchtsworte begleiten diese Reise. Expedition, das klingt nach Entdeckungen, Abenteuer, Wagnis. Und Südsee, jener romantisch verklärte Raum am anderen Ende der Welt, der seit der Kolonialzeit eine Projektionsfläche für die Träume der Europäer darstellt und bis heute kaum von seinen Klischees zu trennen ist: weiße Strände, schöne und ursprüngliche Insulaner, tropische Exotik.

Expeditionsleiter Ole Stapelfeld macht die Passagiere der "Bremen" mit dem Fahrgebiet vertraut. "Die Menschen im Pazifik sind offenherzig", sagt er. Es gebe eine "positive Distanzlosigkeit", man begegne sich ganz direkt, ohne Statusfragen nach dem Job. "Genießen Sie es, einfach mal Mensch sein zu dürfen", rät Stapelfeld den Gästen, die meist ein erfolgreiches Berufsleben etwa als Internist, Informatiker oder Physiker hinter sich haben.

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Stapelfeld - blonde, kurze Haare, klug, feinfühlig und mehrsprachig - weiß um das Klischeebild der Südsee. "Man muss es auch ein-, zweimal erfüllen." Man brauche den typischen Strand und polynesische Tänze. "Aber ich möchte auch die Realität zeigen." Zum Beispiel Überfischung, Umweltverschmutzung und Kulturverlust durch die christliche Missionierung. Man könne nicht so tun, als sei das hier ein konfliktfreier Raum.

Der Auftakt der Kreuzfahrt liefert tatsächlich erst einmal keine Postkartenmotive. Morgens ein Badestopp an einem Hotelstrand an der Südküste von Fidschis Hauptinsel Viti Levu - das Meer liegt grau unter Wolken. Suva am Nachmittag - eine Verwaltungsstadt. Die Wanderung zu den Bouma-Wasserfällen auf Taveuni am Folgetag führt durch üppige Vegetation - aber wo sind die satten Bonbonfarben?

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