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Golf-Airlines: Luxus über den Wolken

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Die Strategien der Golf-Carrier So rüsten die Airlines auf

Die Golf-Carrier ringen um Passagiere. Die Vielfliegerberatung First Class & more hat nachgeschaut, wie die drei arabischen Fluggesellschaften Emirates, Etihad und Qatar Airways im Vergleich zueinander abschneiden.
Von Alexander Koenig

Die Fluglinien ringen um steigende Passagierzahlen. An vorderster Front dabei: Die Carrier der Golfstaaten - Emirates, Etihad und Qatar Airways. Gewinnen kann nur, wer etwas zu bieten hat. Aber wer hat die Nase vorn?

Vielfliegerprogramm und Sonderangebote

Sonderangebote sind häufig der Schlüssel zu weiterem Wachstum, auch wenn dieses nicht unbedingt mit Profit einhergeht. Eine von First Class & More durchgeführte Analyse der Top-Angebote der vergangenen zwölf Monate ergab, dass Etihad und vor allem Qatar Airways nahezu doppelt so viele wie Emirates zu bieten hatten. Das Etihad Guest Programm bietet seit mehreren Jahren stets doppelte, dreifache oder gar vierfache Meilen-Angebote, sodass ein Flug nach Australien in First Class auch schon einmal 150.000 Meilen und damit einen weiteren kostenlosen First Class Flug nach Abu Dhabi einbringen kann. Qatar Airways hat in den vergangenen Monaten damit begonnen, dieses Modell zu kopieren und bietet nun auch teilweise bis zu vierfache Prämienmeilen und Statuspunkte an. Die Kunden erhalten schnell einen hohen Vielfliegerstatus und Freiflüge, was die Bindung an die Airline deutlich erhöht.

Alexander Koenig

Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de ), dem größten deutsch-sprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Bei Emirates findet man solche Aktionen so gut wie nie. Überhaupt hat das Vielfliegerprogramm von Emirates in den letzten Jahren deutlich an Attraktivität eingebüßt. In unserer großen Vielfliegerprogrammstudie 2014 kam das Skywards-Programm der Airline nur auf den vorletzten Platz, während Etihad auf Platz drei und Qatar Airways auf Platz vier landeten. Ein wichtiger Grund: Die Meilenpreise für Prämienflüge sind vergleichsweise hoch, die Verfügbarkeiten für die günstigeren Spar-Tarife relativ niedrig und die zusätzlichen Gebühren ebenfalls sehr hoch. Beim Thema Upgrades kann Emirates hingegen glänzen: Denn wer hier einen hohen Status hat, der erhält deutlich häufiger als bei der Konkurrenz ein kostenloses Upgrade in die Business oder First Class, was sowohl an der hohen Auslastung der Emirates Maschinen als auch an der Preisgestaltung liegt.

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Die Fluglinien ringen um steigende Passagierzahlen. An vorderster Front dabei: Die Carrier der Golfstaaten - Emirates, Etihad und Qatar Airways. Gewinnen kann nur, wer etwas zu bieten hat.

Eine Frage des Geldes: Die Preisgestaltung

Bei der Preisgestaltung kann Emirates stets mit sehr attraktiven Angeboten in der Economy Class punkten. Bisweilen mögen zwar Etihad und Qatar Airways noch günstiger sein, vor allem wenn es um Destinationen wie Australien oder die Malediven geht, doch insgesamt liegen alle Carrier nicht weit auseinander.

Aufgrund der beliebten A380-Maschinen, von denen Emirates 72 Stück besitzt, entscheiden sich am Ende jedoch viele Kunden für die Fluglinie aus Dubai. Die Boeing Dreamliner und A350 Highlights der Konkurrenz halten in der Gunst vieler Passagiere nicht ganz mit. Daher sind die Emirates-Flugzeuge in der Economy Class stets sehr gut ausgelastet. In der Business Class hingegen hat Emirates mit Abstand die teuersten Angebote der drei Carrier und es gibt so gut wie nie Spezialtarife unterhalb von 1500 Euro. Anders Etihad und Qatar Airways. Insbesondere Qatar Airways ist aktuell so aggressiv wie noch nie und besticht durch Partnerspecials mit Preisen von teilweise nur 1000 Euro pro Person in der Business Class. In der First Class kehrt sich das Bild dann wieder um. In der ersten Klasse bietet Emirates sehr attraktive Tarife von teils unter 4000 Euro zu Destinationen in Asien und Afrika. Qatar Airways bietet eine First Class nur auf sehr wenigen Routen an und Etihad schafft es meistens nicht, die Emirates-Preise zu unterbieten.

Worauf Vielflieger fliegen: Das Bordprodukt

Doch nicht allein der Preis ist entscheidend. Für die meisten Reisenden ist auch die Qualität des Bordprodukts ausschlaggebend. Hier haben Etihad und Qatar Airways die Nase vorn. Bei Emirates ist das Rad der Zeit im Rahmen der Produktentwicklung vor einigen Jahren einfach stehen geblieben - auch wenn man auf der ITB jetzt wieder eine neue Business Class für die Boeing 777 Maschinen präsentiert hat, doch leider weiter in einer nicht mehr zeitgemäßen 2-3-2 Konfiguration. Die Strategie ist auf wenige Flugzeugmodelle ausgerichtet, wobei die A380-Maschinen im Vordergrund stehen. Für diese hat man in Dubai sogar ein eigenes Terminal gebaut - das erste dieser Art weltweit. Aufgrund der Strahlkraft dieses Flugzeugs sicherlich eine gute Strategie, doch die Branche hat sich inzwischen weiterentwickelt.

Etihad führte Ende 2014 im A380 "The Residence" ein, ein Apartment über den Wolken mit drei Zimmern und eigenem Butler. Zudem wurden im A380 das First Class Apartment und im Boeing 787 Dreamliner die neuen First Class Suiten eingeführt. Bei Qatar Airways ist das Business Class Bordprodukt seit jeher eines der besten weltweit. Hier setzt man insbesondere auf den Dreamliner und den neuen A350. Bei Etihad und Qatar Airways haben sich die Produkte in den letzten Jahren damit stets weiterentwickelt, zudem wurden neue Highlights eingeführt. Bei Emirates gab es da bis auf den neuen A380 ohne First Class nichts.

Schöner umsteigen: Der Hub

Wessen Ziel nicht einer der drei Heimatflughäfen der arabischen Carrier ist, muss an diesen zumindest umsteigen. Hier punktet Emirates mit dem mit Abstand größten Flughafen, einem eigenen A380-Terminal und zudem auch mit Dubai selbst als größter Touristenattraktion im Vergleich zu Abu Dhabi und Doha.

Ein weiteres Plus ist der zusätzliche Hub in Mailand, so dass New York-Flüge ab Europa mit Emirates im A380 möglich werden. Doch Doha legt nach. Mit dem Hamad International Airport wurde im Jahr 2014 ein neuer Flughafen eröffnet, der qualitätsmäßig zu den besten der Welt gehört. Neben Kunstobjekten, einem 25-Meter Swimming-Pool, zwei Squash-Plätzen und einem Shopping-Paradies auf 40.000 Quadratmetern beeindruckt der Flughafen vor allem mit seinen Lounges. Insbesondere die First Class Lounge ist eine der spektakulärsten ihrer Art.

Abu Dhabi hinkt hier im Moment noch etwas hinterher, da der neue Flughafen, der dann zu den modernsten der Welt gehören wird, voraussichtlich erst in im Sommer 2017 eröffnen wird und auch erst wieder ab voraussichtlich im Mai 2016 eine eigene First Class Lounge für Etihad Fluggäste verfügbar sein wird.

Destinationen: Das Netzwerk

Entscheidender noch als der Zwischenstopp ist natürlich das eigentliche Ziel. Es scheint, als musste Emirates die lang verteidigte Krone hier inzwischen an Qatar Airways weiterreichen. Letztere bedient mit 156 Destinationen das größte Netzwerk der arabischen Carrier, ab März kommen mit Sydney und Birmingham weitere Städte hinzu.

Im Geschäftsbericht 2014/2015 wird bei Emirates von 144 Zielen gesprochen, auf der Website lassen sich aktuell gar "nur" 137 Destinationen zählen. Etihad kann in dieser Liga noch nicht mithalten und fliegt derzeit lediglich 103 Destinationen an. Doch eine Erweiterung des Netzwerkes ergibt sich auch durch die Zugehörigkeit zu einer Flugallianz. Hier punktet Qatar Airways mit der Zugehörigkeit zur oneworld Flugallianz am meisten. So ist die Anbindung an kleinere Destinationen, die nicht von Qatar Airways angeflogen werden, dank der oneworld Partner einfacher möglich.

Etihad hat acht eigene Partner, darunter airberlin, Alitalia und Air Seychelles, die jedoch nicht mit der oneworld Allianz zu vergleichen ist. Emirates gehört keiner Allianz an, jedoch ist man mit Qantas eine enge strategische Partnerschaft eingegangen.

Fazit: Und wer hat nun die Nase vorn?

Emirates besaß lange Zeit einen uneinholbar scheinenden Vorsprung vor den beiden anderen Golf-Carriern. Doch insbesondere Qatar Airways hat in den vergangenen Jahren Emirates in manchen Bereichen bereits eingeholt oder gar überholt. Der neue Airport in Doha ist ein weiterer Pluspunkt und beim Vielfliegerprogramm ist Qatar Airways an Emirates schon länger eindeutig vorbeigezogen, nicht nur aufgrund der Oneworld-Allianz-Zugehörigkeit. Dies gilt auch für das Etihad Guest Programm der Airline Etihad, die zudem mit einem einmaligen Bordprodukt in der First Class punkten kann. Ansonsten gibt es bei der Fluggesellschaft aus Abu Dhabi noch Aufholbedarf.

Etihad wurde allerdings auch erst 2003 gegründet. Emirates hatte für den Ausbau des Vorsprungs 31 Jahre Zeit. Ein entscheidender Vorteil, den Emirates derzeit noch besitzt, ist ihr Rang als wertvollste Flugmarke. Hinzu kommt die größte Flotte, insbesondere beim A380 und ein hervorragendes Marketing und Sponsoring sowie der mit Abstand beliebteste Hub Dubai. Im Moment liegt daher Emirates insgesamt noch vorne - aber der Abstand verringert sich zusehends.

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