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Emirates, Etihad, Qatar: So luxuriös fliegt man mit den Golf-Airlines

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Emirates, Etihad und Qatar Airways Wie die Golf-Airlines Meilensammler abstrafen

Von Alexander Koenig
Alexander Koenig

Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de ), dem größten deutsch-sprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Qatar Airways macht Meilentickets unangekündigt über Nacht bis zu 70 Prozent teurer und führt Buchungsgebühren ein, Etihad berechnet bis zu 200 Dollar mehr für Prämientickets, hebt den Chauffeurservice für diese komplett auf und erhöht Meilenpreise um bis zu 15 Prozent. Was ist los bei den Golf Carriern? Vor zwei Jahren schien es, dass die drei großen Golf-Airlines Emirates, Qatar Airways und Etihad der Konkurrenz enteilen. Großartige Produkte gekoppelt mit höchst attraktiven Preisen; dazu mit Dubai, Doha und Abu Dhabi perfekt gelegene Drehkreuze, die alle im Bereich Tourismus mächtig aufrüsten. Demgegenüber stand die Lufthansa , etwas gebeutelt durch ständige Streiks und inmitten verschiedener Cost-Cutting-Initiativen.

Etihad und Qatar Airways mit Problemen

Doch heute zeigt sich ein ganz anderes Bild. Emirates konnte nach einem sehr schlechten Vorjahr zwar mittlerweile wieder deutliche Gewinne einfahren und teilte Anfang Mai 2018 ein um 124 Prozent besseres Ergebnis für Emirates und insgesamt 1,1 Milliarden Dollar Gewinn mit, doch Qatar Airways CEO Akbar Al-Baker kündigte im April 2018 "erhebliche Verluste" an und Etihad verlor im letzten Jahr ganze 1,87 Milliarden Dollar.

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Die Lufthansa hingegen erhielt bei Skytrax ihren 5. Stern als erste europäische Airline und steht nach dem Wegfall von Airberlin für Flüge ab Deutschland quasi als Monopolist dar. Die Gewinne sprudeln. So konnten im März 2018 die höchsten Gewinne der Geschichte vermeldet werden. Das operative Ergebnis stieg um fast 70 Prozent auf knapp drei Milliarden Euro.

Die Gründe sind unterschiedlich

Die Gründe für die Probleme bei Etihad und Qatar Airways sind ganz unterschiedlich: Bei Etihad war der Krisenauslöser die verfehlte Akquisitionsstrategie: Salopp gesagt wurden "marode" Carrier aufgekauft, um dadurch das Netzwerk schnell zu erweitern und diese danach wieder auf Kurs zu bringen. Doch das scheiterte grandios bei Airberlin, auch bei Alitalia . Air Seychelles ist in der Restrukturierung und Air Serbia steht auch kurz vor der Pleite.

Bei Qatar Airways ist die Lage anders. Die Probleme sind nicht selbst verschuldet: Die Airline leidet an dem von Saudi Arabien initiierten Boykott von vier arabischen Staaten (Saudi Arabien, VAE, Bahrain, Ägypten) gegen Qatar. Die diplomatischen Beziehungen wurden gekappt und zudem auch die Flüge zwischen Doha und den genannten Ländern gestoppt. Das war ein massiver Einschnitt in das Geschäft der Airline. Das Problem dabei: Qatar Airways war bis dahin die Airline, die immer mit den besten Business-Class-Angeboten auf sich aufmerksam gemacht hatte. Doch diese "Großzügigkeit" ist anhand der neuen finanziellen Situation leider etwas abhanden gekommen.

Was bringt es, die Kunden vor den Kopf zu stoßen?

Doch am deutlichsten wird die Krise im Rahmen der Vielfliegerprogramme der Airlines. In unserer letzten großen Vielfliegerprogrammstudie vor zwei Jahren belegten Etihad und Qatar Airways noch den 4. und 5. Platz, Emirates war bereits auf Platz 9 abgeschlagen bedingt durch massive Verschlechterungen im Programm einige Jahre zuvor (hohe Meilenpreise, hohe Gebühren, viele Restriktionen, Abwertung Statusvorteile etc.).

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Doch seitdem hat sich vieles getan. Etihad hat Anfang 2018 fast unbemerkt auf vielen Strecken die Meilenwerte nochmals um rund 10 bis 15 Prozent erhöht, auch die Gebühren wurden um 50 Dollar bei Business und First Class Prämienflügen weiter angehoben und zwar pro Segment: Bei einem Flug von Deutschland nach Bangkok mit Etihad fliegt man vier Segmente, hat also 200 Dollar höhere Kosten bei Prämientickets. Einen kostenlosen Chauffeur-Service gibt es bei Prämientickets noch nicht einmal mehr innerhalb der VAE. Auch wurde die Statusdauer beim erstmaligen Erreichen bereits Ende 2017 von zwei Jahren auf ein Jahr reduziert. Klar, Etihad muss Kosten sparen, aber dabei die Vorteile für loyale Kunden zu verschlechtern, ist eine sehr zweifelhafte Strategie.

Qatar Airways erhöht Meilenpreise massiv

Doch auch Qatar Airways scheint dieselbe Strategie zu fahren: Denn am 27. Mai 2018 gab es eine massive Entwertung der Meilen. Wie bei Etihad gibt es keine vergleichende Übersicht; auch wurde das Ganze nicht klar angekündigt, so dass jeder vorher genau wusste, was geschehen würde. Tatsächlich sind die Preise für Prämientickets auf sehr vielen Routen um 50 bis 70 Prozent gestiegen. Man stelle sich einmal vor, Lufthansa würde so etwas über Nacht machen. Tausende von Klagen wären sicher.

Doch das ist nicht alles: Weiterhin zahlt man ab jetzt eine Buchungsgebühr, wenn man Meilentickets bucht, von 25 Dollar one-way in Economy, 50 Dollar in Business und 75 Dollar in First Class. Zusätzlich gibt es seit März 2018 nicht mehr die Möglichkeit, Meilen-Tickets über ein Call Center einzubuchen. Soll heißen: Wer online nicht zurechtkommt, kann nichts mehr machen. Und bei Emailanfragen für Prämientickets und Upgrades soll die Antwortzeit bis zur Bestätigung bis zu 96 Stunden dauern. In dieser Zeit können Verfügbarkeiten schnell wieder weg sein. Natürlich haben sowohl Etihad als auch Qatar Airways ein paar kleinere Verbesserungen eingebaut, aber diese kompensieren in keinster Weise das Negative. Damit werden Loyalitätsprogramme in ihrer Funktion ad absurdum geführt. Wenn man Probleme hat, sollte man eher die Vorteile in den Programmen verbessern, um mehr Kunden dauerhaft an die Airline zu binden.

Lufthansa: Miles & More macht es geschickter

Lufthansa Miles & More balanciert Negatives und Positives besser aus. Auf der negativen Seite steht zwar ganz klar die Umstellung im März 2018 auf eine umsatzbasierte Vergabe von Prämienmeilen. Damit einher gingen Prämienmeileneinbußen von teilweise mehr als 70 Prozent auf bestimmten Flügen. Aber man war so schlau, für Statusjäger alles beim Alten zu lassen, so dass sich die Empörung in Grenzen hielt. Doch sonst werden Schritt für Schritt Defizite, die wir in unseren Vielfliegerprogrammstudien immer bemängelt haben, ausgemerzt. So wurde im Mai 2018 gerade das Meilen-Pooling eingeführt, bei dem zwei Erwachsene und bis zu fünf Kinder zusammen ihre Meilen für Prämienbuchungen nutzen können. Auch Upgrades von günstigeren Business Class Buchungsklassen auf First Class sind mittlerweile möglich.

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Reicht das beste Bordprodukt alleine?

Dabei hätten die Golf Carrier die besten Voraussetzungen, sich abzusetzen. Letzte Woche habe ich Qatar Airways neue QSuite selber auf einem Flug kennengelernt. Ein Produkt, das zwar Business Class ist, jedoch sehr stark in vielen Elementen an First-Class-Produkte erinnert. Viel Platz, perfekte Privatsphäre dank schließbarer Türen, ein Doppelbett bei den Partnersitzen in der Mitte und für Familien bis zu vier Sitze, die gegenüberliegend angeordnet sind (2x2), so dass man sich perfekt unterhalten kann. Damit setzt Qatar Airways neue Standards und seit Jahren liegt die Airline, die bei Skytrax in 2018 als weltbeste Airline ausgezeichnet wurde (in 2017 war es Emirates und zuvor Qatar Airways) auch im Business Class Ranking ganz oben. Auch Etihad ist bei Skytrax eine 5 Sterne Airline und hat etliche Preise vor allem für das First Class Produkt erhalten. Herausragend hier die Apartments im A380 mit separatem Bett. Und über allem die Etihad A380 Residence.

Fazit

Vom Produkt her sind die Golfcarrier auch weiterhin absolut erste Wahl, insbesondere wenn es gerade Sonderangebote gibt und günstige Premium-Tickets angeboten werden. Gerade die neuerdings ab Deutschland eingesetzten QSuiten bei Qatar Airways sind ein gewichtiges Argument. Doch die Vielfliegerprogramme von Etihad und Qatar Airways sind leider meist kein zusätzlicher Entscheidungsimpuls mehr, denn die wurden mittlerweile auf ein ähnliches Level wie bei Emirates - ebenso eine herausragende Airline vom Produkt her - abgewertet. Ich denke, dass dies die falsche Strategie ist und dass Vielfliegerprogramme gerade in Krisenzeiten ein sehr wertvolles Instrument sein können, um bestehende Kunden bei der Airline zu behalten und neue Kunden zu gewinnen.