Sonntag, 16. Juni 2019

In der "DomRep" unberührte Natur entdecken All inclusive: Wüsten, Nebelwälder, Hochgebirge

Dominikanische Republik: Die besten Ziele für Naturfans
Dominican Republic Ministry of Tourism//dpa-tmn

Der Ausflug auf den Loma Isabel de Torres an der Nordküste der Dominikanischen Republik beginnt recht skurril. Mit der einzigen Seilbahn der Karibik geht es dicht über dem Regenwald steil hinauf auf den 800 Meter hohen Hausberg von Puerto Plata. Oben erwartet eine Miniaturversion der Christusstatue aus Rio de Janeiro die Besucher. Im Inneren des Baus können sie furchtbar kitschige Souvenirs kaufen, aus Lautsprechern klingen karibische Rhythmen.

Die meisten Touristen kommen eigentlich nur auf diesen Berg, um den Panoramablick auf die Bernsteinküste und Puerto Plata mit seinen bunten Kolonialbauten zu genießen. Wer ein Fernglas dabei hat, kann sogar die Festung San Felipe sehen. Die Spanier bauten sie im 16. Jahrhundert, um sich vor Piraten zu schützen. Warum Christoph Kolumbus die Bucht ausgerechnet "Silberhafen" taufte, ist leicht zu erraten, wenn man von hier oben auf das glänzende Meer und die Sandstrände hinunterschaut.

Elmar Mai interessiert sich aber mehr für die Entstehung der Insel und für die zahlreichen Bernsteinfunde, die der Küste ihren Namen gaben. Der Biologe war schon Dutzende Male hier oben und kann es kaum abwarten, sich ins Grüne zu stürzen. Der Botanische Garten, vor allem aber das dahinterliegende, fast 22 Quadratkilometer große Naturschutzgebiet seien ein "wirkliches Naturschauspiel", sagt er. "Hier oben gibt es bis zu 70 verschiedene Ökosysteme", erklärt Mai, den viele als Filmemacher und ZDF-Moderator wegen seiner Gartentipps aus Sendungen wie "Volle Kanne" oder von seinen Natur- und Tierfilmen aus "Die Sendung mit der Maus" kennen.

Die unterschiedlichsten Arten von Bromelien, Orchideen, Flechten und Baumfarnen finden sich hier. Viele sind endemisch, wachsen also nirgendwo sonst. Die Passatwinde und klimatischen Bedingungen am Berg haben sogar verschiedene Wälder entstehen lassen: Tieflandwälder, Elfenwälder, es gibt Küstenregenwald und Küstennebelwald. Obwohl die Tropensonne vom Himmel brennt, kommt man fast in Weihnachtsstimmung, wenn man neben einem der mannshohen Weihnachtssterne steht.

Naturparadies statt Hotelburgen

Am 5. Dezember 1492 schrieb Christoph Kolumbus in sein Logbuch: "Die Insel ist das Schönste, was ich je gesehen habe." Er taufte sie Hispaniola (kleines Spanien). Noch immer gebe es viele ursprüngliche Naturlandschaften, erklärt Mai. "Die Dominikanische Republik ist gerade einmal so groß wie Niedersachsen, hat aber das Zehnfache an Ökosystemen und Lebensräumen." Mit 32 Nationalparks und Naturreservaten steht fast ein Sechstel des Landes unter Naturschutz.

5600 Pflanzenarten gibt es. Zum Vergleich: In Niedersachsen sind es rund 1800. Allein 350 Orchideenarten finden sich in der "DomRep". Mit mehr als 300 Vogelarten ist sie auch ein Paradies für Ornithologen. Grund für diese enorme Artenvielfalt sei der Umstand, dass sich die Insel aus drei früher separaten Eilanden zusammensetzt, erklärt Mai.

Mit der Seilbahn geht es nun wieder hinunter nach Puerto Plata. "Die da unten am Strand wissen gar nicht, was sie verpassen. Sie tun mir fast ein wenig leid", sagt Mai. Natürlich seien die Strände ein Traum und ein perfekter Ort, um unter Palmen beim Kokosnüsse-Schlürfen zu entspannen. "Aber die wenigsten wissen überhaupt, was ihnen für ein Naturparadies entgeht, wenn sie nicht aus ihren Hotelburgen herauskommen." Dabei sei es so einfach, die Insel zu erkunden. In zwei bis drei Autostunden könne man alle Extreme erleben: von immergrünen Regenwäldern im Norden bis hin zu Dornbuschsteppen und Wüstenlandschaften im geologisch getrennten Süden der Insel.

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