Popcorn für 128,57 Euro Die zehn größten Hotelärgernisse

Schmuddelige Zimmer, patziges Personal und lieblose Frühstücksbuffets führen die Negativ-Hitlisten von Urlaubern an. Geschäftsreisende aber wissen: Der Teufel liegt im Detail. Unbrauchbare Bügel, überteuerte Getränke und schwülstige Raumparfüms machen manchen Aufenthalt zum Alptraum.
Von Kirsten Schiekiera
Guten Appetit: Was teuer ist, muss auch klasse sein. Manche Hotels langen hier richtig zu - und verkaufen Popcorn zu dreistelligen Kilopreisen.

Guten Appetit: Was teuer ist, muss auch klasse sein. Manche Hotels langen hier richtig zu - und verkaufen Popcorn zu dreistelligen Kilopreisen.

Foto: Getty Images

Irrwitzige Preispolitik

Popcorn, das Kilo für 128,57 Euro - wo gibt es denn so etwas? Zum Beispiel in einem Frankfurter Fünf-Sterne-Hotel, wo die luxuriöse Knabberei wie ein Betthupferl auf dem Nachttisch drapiert wird. Wer das kleine Schild daneben mit einer kaum lesbaren Preisangabe übersieht, zahlt für 35 Gramm Snack 4,50 Euro.

Mitunter erscheint auch die halb geleerte Wasserflasche - in den meisten Hotels ein kostenloser Willkommensgruß - zu einem Preis von 8,50 Euro auf der Rechnung. Zum Vergleich: Ein Liter Mineralwasser kostet bei Aldi weniger als 16 Cent. Die 0,75-Liter-Flasche im Hotel ist mithin bis zu 70 Mal so teuer. Das ist dann doch recht happig.

Cola- und Bierdosen aus der Minibar sind oft für die runde Summe von fünf Euro zu haben. "Die Hotels betreiben in dieser Hinsicht eine Preispolitik, die für keinen Gast mehr nachvollziehbar ist und zu einer Menge Unmut führt", stellt Christine Garbe vom Deutschen Seminar für Tourismus (DSFT) fest. Ihrer Einschätzung nach sind Minibars sowieso ein Auslaufmodell, auch weil sie wegen der hohen Energiekosten selbst bei Halsabschneider-Preisen kaum rentabel sind.

Innenarchitektur-Irrsinn

Das könnte ein modernes Hotelzimmer sein, nicht wahr? Ist es aber nicht. Allerdings sind manche Zimmer kaum weniger schrill eingerichtet als diese Suite von DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker im ehemaligen Jagdsitz in Drewitz bei Malchow

Das könnte ein modernes Hotelzimmer sein, nicht wahr? Ist es aber nicht. Allerdings sind manche Zimmer kaum weniger schrill eingerichtet als diese Suite von DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker im ehemaligen Jagdsitz in Drewitz bei Malchow

Foto: Jens Büttner/ dpa

Teppiche in Taupe, Bettüberwürfe in Greige, Lampenschirme in Mauve - in Hotels kommen meist Textilien in unausprechlichen Farben zum Einsatz. Gepaart mit Furnierholz und goldgerahmten Monet-Drucken werden Hotelzimmer zu einem Ort optischer Ödnis ohne irgendeinen Wiedererkennungswert.

Bin ich gerade in Oslo? In Stuttgart? Oder in Hannover? Egal, Hauptsache man ist ganz schnell wieder weg. In so genannten Design-Hotels wohnt man allerdings nicht unbedingt besser. Bäder sind dort meist nur mit Glaswänden vom Zimmer abgetrennt, was nur Honeymooner prickelnd finden.

In einer anderen Variante ist die Nasszelle ganz in Schwarz gehalten, so dass sie bereits nach einmaligem Händewaschen so verwüstet aussieht wie eine Schultoilette am Nachmittag. Und dann ist da noch die Sache mit den riesigen Spiegeln, die laut Interior-Designern auch der verwinkeltesten Absteige "Tiefe und Weite" verleihen. Dieser architektonische Taschenspielertrick funktioniert tatsächlich - auf Fotos. Wenn man 20 Zentimeter entfernt von solch einer Spiegelwand schlafen soll, empfindet man im Gegenteil: Klaustrophobie. Oder schreckt andauernd hoch, weil man eine Bewegung wahrgenommen hat

Der Misstrauensvorschuss

Kann ich auch mit Karte zahlen? Klar. Und zwar bitte im Voraus. Falls Sie sich doch dazu entschließen, mit dem Inhalt der Minibar zu türmen oder den Badteppich rauszuschmuggeln.

Kann ich auch mit Karte zahlen? Klar. Und zwar bitte im Voraus. Falls Sie sich doch dazu entschließen, mit dem Inhalt der Minibar zu türmen oder den Badteppich rauszuschmuggeln.

Foto: Marius Becker/ dpa

Willkommen, Ihr Diebe und Randalierer! Beim Einchecken wird zunächst beharrlich nach der Kreditkarte gefragt. Hält der Rezeptionist sie in den Händen erklärt er freundlich, dass rein prophylaktisch eine Summe von 50 Euro, britischen Pfund oder US-Dollar abgebucht wird, die dann nach der Abreise selbstverständlich umgehend zurückgebucht wird.

Und warum das Ganze? Nun folgt eine peinliche Erklärung. Nur zur Sicherheit natürlich! Dem Gast wird mal eben unterstellt, dass er die Mini-Bar plündern, die Vorhänge von der Gardinenstange reißen oder den Bademantel stehlen will.

Wer sich weigert, diesem Misstrauensvorschuss nachzugeben, wird auf eisige Mienen beim Servicepersonal stoßen und darf sich auf langwierige Diskussionen freuen. Rabiate Hotelangestellte sperren auch schon mal die Minibar ab. In Deutschland ist diese Service-Unsitte erfreulicherweise noch wenig verbreitet, international scheint sie im Kommen zu sein.

Der Fluch der Plastikkärtchen

Vom Aussterben bedroht: Der gute alte Hotelzimmerschlüssel. Klar, Karten sind praktischer. Wenn sie denn funktionieren.

Vom Aussterben bedroht: Der gute alte Hotelzimmerschlüssel. Klar, Karten sind praktischer. Wenn sie denn funktionieren.

Foto: Corbis



Es gibt ihn kaum noch: Den guten alten Zimmerschlüssel, der einst die Manteltaschen zuverlässig ausbeulte und einen wie einen Eierdieb auf der Flucht aussehen ließ. Die gewichtigen Teile wurden längst gegen federleichte Plastikkärtchen ausgetauscht.

Aus Sicht eines Hotelbetreibers haben die Karten Vorteile: Sie sind billig und lassen sich einfach ersetzen. Für Gäste erweisen sich die weißen Rechtecke durchaus als tückisch - zum Beispiel, wenn man so unvorsichtig war, das mitgelieferte Heftchen im Zimmer liegen zu lassen und seine Zimmernummer vergessen hat.

Die Wühlerei nach den kleinen Karten hat schon manch einen viele Nerven gekostet, zumal man sie in den meisten Hotels auch braucht, um den Fahrstuhl in Gang zu setzen. Hin und wieder entladen sich die Plastikkärtchen aus unerfindlichen Gründen und verweigern spätabends an der Zimmertür ihren Dienst. Wenn dann noch ein Neuling an der Rezeption Dienst hat, kann es eine lange Nacht werden.

W-LAN-Widrigkeiten

Bitte geben Sie jetzt die 27stellige Ziffernfolge ein: W-LAN im Hotel kann eine mühsame Angelegenheit sein. Und immer noch teuer.

Bitte geben Sie jetzt die 27stellige Ziffernfolge ein: W-LAN im Hotel kann eine mühsame Angelegenheit sein. Und immer noch teuer.

Foto: Corbis

Vor zwei Jahren war es noch Standard, dass auch hochpreisige Hotels von ihre Gäste ordentlich zur Kasse baten, wenn diese einen Wireless-Zugang zum Internet wünschten. Das ist heute in vielen Häusern anders.

Aber leider nicht besser. An der Rezeption wird einem ungefragt ein Zettelchen überreicht, auf dem der Name des betreffenden Netzes und eine ungefähr 27stellige Ziffernfolge für "Ihren persönlichen 24-Stunden-W-LAN-Zugang" verzeichnet. Kaum hat man die Zahlen mühselig eingetippt, da muss man feststellen, dass die Verbindung extrem schwach ist und bereits abbricht, wenn man seine E-Mails abrufen will.

Nach einer Stunde trübsinnigem Rumgefummel fragt man an der Rezeption nach. Dort wird einem bestätigt, dass das Netz "nicht das Schnellste" ist und ein Vorschlag unterbreitet: Für 15 Euro am Tag kann man auf ein schnelleres W-LAN-Netz "upgraden". So präsentiert sich alter Nepp in neuem Gewand.

Der Kampf mit der Bettwäsche

Freiheit für Kissen! Weg mit den straffen Überdecken!

Freiheit für Kissen! Weg mit den straffen Überdecken!

Foto: JIM YOUNG/ REUTERS

Egal ob Haus der Luxusklasse oder hippes Boutique-Hotel - wenn es um die Bettwäsche geht, herrscht bei Hoteliers erstaunliche Einigkeit. Die Überdecken müssen extrem straff festgezurrt sein und auf ihnen sollte mindestens ein halbes Dutzend steifer, mit robusten Textilien bezogene, Kissen ruhen. Vermutlich soll dieses Arrangement zugleich Ordnung und Behaglichkeit suggerieren.

Dabei gibt es kaum etwas Lästigeres, als spätabends auf dem Bett herumzuturnen, um die Bettwäsche mit einem beherzten Ruck freizulegen. Oft genug zerrt man dabei auch das Laken heraus und das noch unbenutzte Bett sieht aus, als hätte es eine unruhige Nacht hinter sich. Die Kissen, denen ohnehin kein Mensch nahe kommen möchte, landeten zuvor schon auf dem Boden und so hat sich das einst aufgeräumte Zimmer blitzschnell in ein veritables Chaos verwandelt.

Einen Vorteil hat die klassische Kombination aus ultraglattem Bettüberwurf und Kissenflut allerdings doch: Bei ihrem Anblick erfasst den Profi-Reisenden sofort eine bleierne Müdigkeit.

Kein Haken, nirgends

Abgebügelt: Richtige Kleiderbügel sind selbst in guten Hotels selten. Da sollte man dann besser gleich mal ein Foto machen.

Abgebügelt: Richtige Kleiderbügel sind selbst in guten Hotels selten. Da sollte man dann besser gleich mal ein Foto machen.

Foto: DPA

Mit den besten Vorsätzen betritt man das Hotelzimmer: Heute, endlich, wird die gesamte Oberbekleidung ordentlich aufgehängt! Doch kaum öffnet man den Kleiderschrank, da blickt einen das Grauen in Form der berüchtigten "Fummel-Bügel" an.

Diese diebstahlsicheren Bügel haben keinen Haken, sondern eine Art Nagel als Vorrichtung zum Aufhängen, der sich nur mit Geduld und Geschick aus der Halterung lösen lässt. Noch weitaus schwieriger ist es, die Bügel zurück in den Schrank zu hängen. Nach der zweiten Jacke gibt man auf.

Im Badezimmer angekommen, findet man den Kleiderschrank allerdings gar nicht mehr so übel. Denn oft gibt es in Hotelzimmern keine Haken, an den man seine Handtücher oder den Bademantel hängen kann. Die einzigen Ablageflächen werden von opulenten Handtücher-Stapeln belegt. Auch Platz für den Kulturbeutel oder das Beautycase zu finden, ist in den meisten Hotelbädern schwierig - unabhängig davon, wie großzügig die bemessen sind.

Das Lichtschalter-Memory

Hm, welcher Schalter war doch nochmal gleich wofür? Und wo geht die Nachttischlampe an?

Hm, welcher Schalter war doch nochmal gleich wofür? Und wo geht die Nachttischlampe an?

Foto: DPA

Interior-Designer haben heute Großes vor: Sie platzieren nicht nur Lampen, sie erzeugen "Lichtstimmungen". Betätigt man beispielsweise den oberen Schalter an der Eingangstür wird das Hotelzimmer mit fünf Lampen in helles Licht getaucht, betätigt man den unteren Schalter, dann wird die Helligkeit sofort gedimmt: nur noch die Nachttischlampen brennen und eine Stehlampe.

Im besten Fall lässt sich das Lampen-Emsemble mit einem Schalter neben dem Bett löschen. Leider gehen die Bemühungen der Interior-Designer an den Bedürfnissen der Hotelgäste vorbei, die gerne Lampen einzeln an- und ausknipsen möchten und sich als abendliche Lichtstimmung eine einzige brennende Nachttischlampe wünschen. Und genau das funktioniert in modernen Hotelzimmern nur noch selten.

Meist ist die Beleuchtung verwirrend und unnötig kompliziert angelegt. Dem Gast, der sich Dunkelheit wünscht, zieht oft nach frustrierenden Minuten und der Betägigung von einem Dutzend Lichtschaltern oft genug im Zimmer die Stecker - und stöpselt sie am nächsten Morgen mühselig wieder ein.

Ganzjähriges Erkältungsklima

Willkommen in der Kältezone: Warum muss eigentlich die Klimaanlage die ganze Zeit laufen?

Willkommen in der Kältezone: Warum muss eigentlich die Klimaanlage die ganze Zeit laufen?

Foto: Corbis

Dass Klimaanlagen eine prima Sache sind und den Aufenthalt in tropischen Gefilden weitaus erträglicher machen, wird niemand bestreiten. Doch beispielsweise in Hamburg, in Norwegen oder an der britischen Küste lässt sich die Raumtemperatur an mindestens 350 Tagen auch anders regeln. Trotzdem bollern auch dort die Klimaanlagen oftmals ganzjährig vor sich hin.

Egal wie die klimatischen Verhältnisse draußen sind, wird die Zimmertemperatur beharrlich auf 18 Grad heruntergekühlt. In den Hotelzimmern lassen sich die brummenden und surrenden Anlagen zumindest nach einigen Anrufen oder Besuchen an der Rezeption außer Gefecht setzen. Anders sieht es in Bars und Restaurants aus, die man besser nur mit Strickjacke und Schal betritt, weil dort das ganze Jahr über akutes Erkältungsklima herrscht. Dabei gibt es durchaus Menschen, die es mögen, wenn es draußen warm ist und ein Hauch davon auch in den Räumen spürbar ist.

Geruchsterror

In manchen Hotelzimmern wähnt man sich in der Nähe des größten Räucherstäbchens der Welt. Oder in der Hauptstadt der Ylang-Ylang-Produktion.

In manchen Hotelzimmern wähnt man sich in der Nähe des größten Räucherstäbchens der Welt. Oder in der Hauptstadt der Ylang-Ylang-Produktion.

Foto: Apaguha Vesely/ dpa

Forscher wissen schon lange, dass der Geruchssinn das Unterbewusstsein anspricht und die jeweilige Stimmung beeinflusst. Hoteliers wollen da gerne ein bisschen nachhelfen und machen ihre Gäste zu Versuchskaninchen von "entspannenden und vitalisierenden Essenzen", wie die Hersteller von Raum-Parfüms versprechen.

Und so riecht es in manch Hotellobby penetrant nach Orangen, auch wenn kein Obstkorb in Sicht ist, während durch den Spa-Bereich ein Odor von Ylang-Ylang und Zitronengras schwebt. Das ist noch zu ertragen, wenn nicht auch noch so genannte Diffusoren neben dem Bett stehen und das Zimmer einnebeln.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kam nach einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die permanente Beduftung nicht ohne Risiko ist. Deshalb hat sie in Schlafräumen nichts verloren.

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