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Wie wir fliegen werden: Das sind die Flugzeugmodelle der Zukunft

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Was die neuen Flugzeugmodelle Reisenden bringen So fliegen wir morgen

Die Flugzeugbauer Boeing und Airbus entwickeln ständig neue Modelle, zum Beispiel Ultra-Langstreckenflieger. Der große Trend der Zukunft sind aber kleine Flugzeuge für die Fernstrecke, zum Beispiel in die USA. Das bringt Flugreisenden einige Vorteile.

Als der Airbus A380 auf den Markt kam, war das eine Sensation: Ein durchgängig zweistöckiges Flugzeug - so groß, dass es nicht einmal auf allen Flughäfen landen kann. Mehr als 600 Passagiere fasst die Maschine in der Konfiguration von Emirates. Konkurrent ist die 747-8 von Boeing, der Jumbo.

In den kommenden Jahren sind derart neuartige Flugzeugmodelle jedoch nicht zu erwarten. Der Trend geht in eine andere Richtung: Kleinere Maschinen kommen für Fernflüge zum Einsatz, etwa über den Atlantik. Für Reisende könnte das zwei Dinge bedeuten: Sie müssen seltener umsteigen, und die Ticketpreise sinken tendenziell.

Doch zunächst der Status Quo: "Die riesigen Flugzeuge sind darauf ausgelegt, von Drehkreuz zu Drehkreuz zu fliegen", erklärt der Luftverkehrs-Experte Cord Schellenberg aus Hamburg. Kleine Zubringer-Maschinen bedienen die zentralen Hubs, wo die Passagiere auf die großen Flieger verteilt werden. In Deutschland sind das Frankfurt, München und Düsseldorf. Lufthansa etwa fliegt mit dem A380 in die USA, nach Singapur, Peking, Tokio und Hongkong. Natürlich kann man von den Drehkreuzen auch zu kleineren, regionalen Flughäfen fliegen - wodurch die Hubs zunehmend überlastet sind.

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Doch in den vergangenen Jahren ist viel passiert. Damit hätten vor allem die Billigflieger zu tun, sagt Schellenberg. "Sie fliegen mit kleineren Flugzeugen zu kleineren Flughäfen." Diese sogenannten Point-to-Point-Verbindungen sind für viele interessant. Nürnberg - Mailand statt München - Rom, Karlsruhe/Baden-Baden - Thessaloniki statt Frankfurt - Athen: Die Anreise ist bequem, kein Umsteigen.

Genau dieses Konzept könnte nun auch auf Interkontinental-Strecken kommen. Die Maschinen der A320neo-Familie von Airbus und die Reihe 737 Max von Boeing werden nämlich so angepasst, dass sie es von Deutschland aus etwa an die Ostküste der USA schaffen. Norwegian fliegt ab Juli von Irland und Großbritannien aus über den Atlantik, zu Kampfpreisen. Billig fliegen auf der Langstrecke, das ist die Idee. Die Preise könnten purzeln, ein Urlaub in den USA dadurch deutlich günstiger werden.

Die neuen Maschinen schaffen die Transatlanik-Strecken sogar von Mitteleuropa aus. "So können auch kleinere Orte miteinander verbunden werden", sagt Johannes Reichmuth, Direktor des Instituts für Flughafenwesen und Luftverkehr am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Warum von Frankfurt oder Düsseldorf in die USA fliegen, wenn es auch von Hamburg, Bremen oder Hannover funktioniert?

Technisch ist die Ultra-Langstrecke möglich

Offen ist, ob das Fliegen auf der Langstrecke wegen kleinerer Maschinen in Zukunft noch unbequemer wird - Stichwort Sitzabstand. Denn für die Bestuhlung sind die Fluggesellschaften zuständig.

Die Airlines haben in erster Linie ein Interesse an einer möglichst einheitlichen Flotte, die jedes angebotene Ziel erreichen kann. "So kann man auch mal eine Strecke ausprobieren, und wenn die nicht funktioniert, schließt man sie wieder", sagt Reichmuth. Wenn ein Flugzeug sowohl die Badeziele in Europa als auch die USA erreichen kann, ist die Auslastung insgesamt deutlich besser.

Vielleicht tragen die neuen Flugzeugmodelle auch ein wenig dazu bei, dass sich Passagiere weniger für den ökologischen Fußabdruck ihrer Reise schämen. Die Flugzeuge sollen nämlich weniger Kerosin verbrauchen. In Sachen Antrieb haben die bestehenden Maschinen ihre Grenzen erreicht. "Nun geht es in erster Linie darum, durch ein geringeres Gewicht die Emissionen zu verringern", sagt Reichmuth. Dabei helfen extrem leichte Carbon-Faserverbundwerkstoffe.

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Und dann gibt es da noch eine zweite Entwicklung, die durch neue Flugzeugmodelle getrieben wurde: Technisch ist die Ultra-Langstrecke möglich. "Dazu kann man alle Strecken mit mehr als 10.000 Kilometer Länge zählen", sagt der Experte.

Die Fluggesellschaft Qantas plant die erste Direktverbindung von Australien nach Europa überhaupt. Starten sollen die Maschinen ab März 2018 im westaustralischen Perth. Sie landen 17,5 Stunden später und 14.500 Kilometer weiter in London. Möglich wird dies durch das Modell Boeing 787 Dreamliner. Ohne Umsteigen nach Australien - das könnte bald auch für deutsche Urlauber Realität werden.

Doch ist eine derart lange Strecke nonstop nicht eine Qual für die Passagiere? Qantas-Chef Alan Joyce verspricht eine bequemere Economy Class als gewöhnlich. Auch beim Service will man so arbeiten, dass der Jetlag reduziert wird. Der Dreamliner komme außerdem mit besserer Luftqualität, weniger Lärm in der Kabine und einer Technologie, die Turbulenzen weniger spürbar macht.

Fliegen ohne Zwischenstopp kostet deutlich mehr

Den derzeitigen Rekord hält Qatar Airways mit der Route von Doha nach Auckland. 14.535 Kilometer werden zwischen dem Emirat Katar und Neuseeland zurückgelegt. Geflogen wird mit einer Boeing 777-200LR. "LR" steht für Longer Range, längere Reichweite.

Qantas fliegt auch heute schon von London nach Sydney, jedoch noch mit Zwischenstopp in Dubai. Doch offenbar arbeitet man daran, die Distanz von knapp 18.000 Kilometern auch ohne Halt zu schaffen. "In Frage kommen dafür Maschinen wie der Airbus A350-900 ULR (Ultra Long Range) oder die Boeing 777X", sagt Cord Schellenberg. Während Singapore Airlines die Langstreckenversion des A350 im kommenden Jahr von Airbus bekommen soll, ist die Auslieferung der Boeing-Maschine verschiedenen Angaben zufolge für 2019 oder 2020 geplant.

Allerdings ist die Frage, wie viele Reisende sich diesen Direktflug tatsächlich leisten werden. "Denn das Ticket wird sicher teurer werden, wenn die Strecke ohne Zwischenstopp geflogen wird", schätzt Schellenberg. So viele Geschäftsreisende gebe es auf der Strecke von Europa nach Australien nicht. Und so werden die meisten Urlauber vielleicht weiterhin umsteigen, etwa am Persischen Golf.

Die neuen Flugzeug-Generationen ermöglichen nicht nur von Deutschland und Mitteleuropa aus neue Ziele, so der Experte. "Von den Drehkreuzen am Golf zum Beispiel können mit den Maschinen so ziemlich alle Ziele auf der Welt bedient werden."

Verena Wolff, dpa
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