Samstag, 24. August 2019

Deutschland-Urlaub in der Lausitz Europas größte neue Wasserlandschaft

Lausitz: Wo Braunkohlegruben zu Badeseen werden
Peter Radke/Tourismusverband Lausitzer Seenland e.V./dpa-tmn

Braunkohlegruben werden zu Badeseen, Industriedenkmäler zu Besucherattraktionen: Mit dem Lausitzer Seenland in Sachsen wächst Europas größte von Menschenhand geschaffene Wasserlandschaft heran. Das kann man etwa auf dem 30 Meter hohen Aussichtsturm am Sedlitzer See sehen: Hier hat man die Idylle gut im Blick. Die untergehende Sonne spiegelt sich rötlich-schimmernd auf der glatten Wasseroberfläche. Kaum ein Laut stört die Ruhe.

Noch vor 40 Jahren bot sich hier ein ganz anderes Bild. Braunkohlebagger brachen in dem Gebiet, das sich über Brandenburg und Sachsen erstreckt, den Brennstoff aus der Erde. Doch 2005 begann die Flutung des stillgelegten Tagebaus, bis 2023 soll sie abgeschlossen sein. Dann wird der Sedlitzer See der größte im Lausitzer Seenland sein - und eine zentrale Rolle für den Wassertourismus dort spielen.

Der Bergbau hat die Gegend bei Cottbus seit der Mitte des 19. Jahrhunderts geprägt. Im Lausitzer Revier wurden mehr als zwei Milliarden Tonnen Braunkohle aus bis zu 60 Metern Tiefe geholt. Durch die Flutung der früheren Tagebaue entsteht nun eine Urlaubsregion mit mehr als zwei Dutzend Gewässern, zehn davon über schiffbare Kanäle verbunden. Eine Art Mecklenburger Seenplatte auf sächsisch.

Noch sind nicht alle Seen vollständig geflutet und auch nicht an allen Stellen darf geschwommen werden - doch schon heute locken Uferwege zum Radfahren, Strände zum Sonnenbaden sowie Häfen und Segelschulen zum Bootfahren. Der älteste in der Palette der Lausitzer Wasserlandschaft ist der Senftenberger See. Bereits 1973 wurde er als Naherholungsgebiet für die Braunkohle-Bergleute eröffnet. "Das war damals ein totales Kuriosum", sagt der Reiseveranstalter Sören Hoika, der die touristische Entwicklung der Region seit Jahren intensiv begleitet. "Niemand konnte sich vorstellen, dass das funktioniert."

Doch das tut es. Mit dem Rad lässt sich der "Muttersee" bequem umrunden. Unterwegs locken kleine Badestellen, mal mit, mal ohne Sand. Der breite Strand in Großkoschen ist bei Familien mit kleinen Kindern beliebt, Buchwalde ist das Surferparadies. An der Südsee bei Niemtsch finden Naturliebhaber Ruhe und naturnahe Badestellen. Fast mediterran wirkt das Ambiente am Senftenberger Stadthafen.

Am Bärwalder See fühlt man sich fast wie an der Ostsee: Strandkörbe laden zum Ausruhen ein, der weitläufige Strand fällt flach ab. Im klaren Wasser toben Kinder mit Luftmatratzen. Derzeit ist der Bärwalder See Sachsens größter Binnensee, der dank guter Windverhältnisse auch bei Seglern und (Kite-)Surfern gut ankommt. Der asphaltierte Seerundweg bietet Radfahrern, Skatern, Läufern und Spaziergängern auf 21 Kilometern den besten Ausblick.

"Der See ist noch nicht überlaufen", sagt Gerhard Stübner, Hafenmeister in der Marina Klitten. Ein Motorboot kommt zurück, gefahren werden darf hier ohne Führerschein. Der Hafenmeister hilft einem Großvater mit Enkel beim Anlegen. "Der Kapitän geht immer als letzter von Bord", sagt er, lacht und reicht dem Teilzeitkapitän die Hand.

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