Fotostrecke

Mailänder Expo: Der deutsche Pavillon

Foto: SCHMIDHUBER / Milla & Partner

Deutschland bei der Expo in Mailand Sanfte Anstiege

Von Britta Schultejans

Als die Architekten aus dem Münchner Büro Schmidhuber anfingen, sich Gedanken über den deutschen Pavillon für die Expo 2015 in Mailand zu machen, fielen ihnen Felder ein. Felder und Wiesen. Sie sind nun zum titelgebenden Leitmotiv für den Pavillon geworden, der den Titel "Fields of Ideas" (Felder der Ideen) trägt.

"Die ganzen vielen, kleinen Parzellen, die man sieht, wenn man von oben auf eine deutsche Feld- und Flurlandschaft schaut, steht für die vielen Ideen aus Deutschland", sagt der leitende Architekt des deutschen Pavillons, Lennart Wiechell, vom Architekturbüro Schmidhuber, das den Zuschlag für den Bau bekommen hat. Im Februar 2014 wurde der Grundstein auf dem Expo-Gelände bei Mailand gelegt.

Deutschland präsentiert sich mit einem als sanft ansteigende Landschaftsebene entworfenen Gebäude mit einer frei zugänglichen Oberfläche, auf der gerne auch gepicknickt werden soll. Deutsche Snacks für eine Brotzeit gibt es vor Ort zu kaufen.

Außerdem gibt es ein Nobel-Restaurant und ein etwas günstigeres - jeweils mit Spezialitäten aus Deutschland. Schließlich ist das Thema der Weltausstellung 2015: "Feeding the Planet, Energy for Life" (Deutsch: Den Planeten ernähren, Energie für das Leben).

Bis zu drei Millionen Besucher sollen den Pavillon erleben

Knapp 5000 Quadratmeter groß ist das deutsche Expo-Grundstück, 2680 Quadratmeter groß die Ausstellungsfläche. Bis zu 16.000 Menschen können den Pavillon pro Tag besuchen - das sind bei 184 Tagen Expo-Laufzeit bis zu drei Millionen Besucher insgesamt. Etwa 48 Millionen Euro hat der Bund für den Pavillon lockergemacht, der im Gegensatz zu den Ausstellungen einiger anderer Länder komplett ohne Sponsorengelder auskommt. Abgebaut wird er trotzdem nach dem Ende der Weltausstellung, die vom 1. Mai bis zum 31. Oktober läuft.

Die großen Themen der interaktiven Ausstellung sind Wasser, Boden, Klima, Artenvielfalt und Nahrungsmittel - und zu jedem Thema gibt es ein Gesicht. Benjamin Adrion, der Gründer des Netzwerks "Viva con Agua", das sich vom Hamburger Stadtteil St. Pauli aus für die Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern einsetzt, steht natürlich für das Wasser. Der Biobauer Josef Braun aus Freising bei München mit seiner nachhaltigen Landwirtschaft gibt dem Bereich "Boden" ein Gesicht.

Aus dieser Ausstellung, die mit einer Show endet, die Deutschland aus der Perspektive fliegender Bienen zeigt, sprießen stilisierte Bäume, überdimensionale Blätter an die Oberfläche, in den Picknick-Bereich. "Ideenkeimlinge nennen wir die", sagt die Sprecherin des deutschen Pavillons, Marion Conrady. Zu den Baumaterialien des Pavillons gehört Holz aus deutschen Wäldern.

"Ein gewisses Image von Verlässlichkeit und so weiter"

"Wir stehen oft für ein gewisses Image von Verlässlichkeit und so weiter" - und dieses Bild soll jetzt ergänzt werden. "Wir wollen eine Haltung vermitteln und ein offenes, sympathisches, humorvolles Deutschlandbild", sagt Architekt Wiechell. Die Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land habe den Grundstein gelegt, mit dem Expo-Auftritt führe Deutschland diese Idee weiter.

"Es ist ein logistisches Uhrwerk - im Pavillon und auf der ganzen Baustelle", sagt Wiechell über den Aufbau. Die größte Herausforderung dabei: ausländische Bauvorschriften. "Man denkt, die Physik ist überall auf der Welt gleich, aber die Art, damit umzugehen, ist immer unterschiedlich. Und das ist auch in Italien so", sagt der Architekt.

"Die ganzen Bauverordnungen sind in Italien anders als in Deutschland und wir haben da einen großen Abstimmungsbedarf." Es gebe noch kein Konzept, wie man innerhalb Europas mit unterschiedlichen Konzepten beispielsweise beim Brandschutz umgehe. "Da sind wir im Grunde genommen auch immer wieder Botschafter."

Korruptionsvorwürfe und Bauverzögerungen

Italien will sich zur Expo in Mailand von seiner besten Seite zeigen. Doch Kritiker prangern Korruption, Bauverzögerungen und Überteuerung an. Regierungschef Matteo Renzi versprühte vergangene Woche Optimismus, als er die Megabaustelle besuchte, musste allerdings einräumen, dass das Ganze wohl "auf den letzten Drücker" fertig werde. Expo-Geschäftsführer Giuseppe Sala betonte derweil diese Woche: "Ich bin absolut sicher, dass bis auf ganz wenige Pavillons alles für die Eröffnung bereit sein wird."

Solcherlei Bekundungen sind notwendig, denn die Expo steht in keinem allzu guten Licht. Vergangenes Jahr wurden mehrere Manager wegen Korruptionsvorwürfen festgenommen. Unter anderem ging es um illegale Auftragsvergabe. Eine spezielle Aufsicht wurde geschaffen, um gegen Bestechung und Korruption vorzugehen. Diese Woche rückten bei Großermittlungen der Staatsanwaltschaft in Florenz aber auch wieder Expo-Manager ins Visier der Behörden.

"Das sind alte Vorwürfe. Generell ist die Situation seit letztem Jahr viel besser geworden. Aber Korruption kann man natürlich nie vollkommen ausschließen", sagte Virginio Carnevali, Präsident der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International Italien, der Deutschen Presse-Agentur. Zu den Problemen kamen Bauverzögerungen und Klagen über eine chaotische Organisation und Verschwendung öffentlicher Gelder. Schließlich muss Mailand erst einmal ordentlich für die Verbesserung der Infrastruktur zahlen, bevor die Früchte geerntet werden können.

Später wird der Pavillon zu Pellets verarbeitet

Der deutsche Pavillon ist einer der größten auf dem Gelände. Fast 50 Millionen Euro lässt sich das die Bundesregierung kosten. Von den Negativschlagzeilen geben sich die deutschen Organisatoren unbeeindruckt. Zwar habe es wegen der Witterung Probleme beim Aufbau gegeben, "mitunter hatte man schon Zweifel, ob das gut geht", sagte der Generalkommissar des deutschen Pavillons des Bundeswirtschaftsministeriums, Dietmar Schmitz. "Aber mittlerweile sieht es sehr, sehr gut aus." Bei Großprojekten dieser Art seien Probleme normal.

Zwar muss die Expo nun erstmal am 1. Mai eröffnen. Aber die Fragen drehen sich schon um das Danach. Was wird aus dem Gelände neben der Messe nach der Schau? Andere Expo-Städte, darunter auch Hannover, haben das Problem nicht gelöst. Viele Gebäude gammeln dort seit der Ausstellung im Jahr 2000 vor sich hin.

Auch in Mailand gibt es offenbar noch keinen Masterplan. "Es ist ein großes schwarzes Loch, niemand weiß, was mit dem Areal danach geschieht", sagte der Mailänder Stadtentwicklungs-Professor und Expo-Kritiker Marco Ponti der Deutschen Presse-Agentur.

Für den deutschen Pavillon gibt es zumindest schon einen Plan: Er wird vollständig abgebaut. Das Mobiliar könnte der Deutschen Schule gestiftet, die Rampe zu der Anlage zu Holzschnitzeln verarbeitet werden, so die Organisatoren.