Freitag, 22. November 2019

L'tur-Chef Orth "Der WM-Effekt wird überschätzt"

Sommer, Sonne, Strand: L'tur erwartet die "wahrscheinlich beste Last-Minute-Saison der letzten fünf Jahre".

Fußball gucken Deutsche am liebsten zuhause. Sein Geschäft verhagle das aber nicht, sagt Markus Orth, Chef des Last-Minute-Spezialisten L'tur. Im Interview spricht er über die aktuelle Flaute am Pauschalreisemarkt, Schnäppchen für Spontanbucher und die Liebe der Deutschen zum Reisebüro.

mm: Herr Orth, die Reiseveranstalter reden schon lange davon, dass sie ihr Angebot knapp halten und keine Rabattschlachten mehr führen wollen. Demnach dürfte es für Last-Minute-Anbieter wie Sie kaum noch Geschäft geben, oder?

Orth: Eigentlich müsste das so sein. Aber das Gegenteil ist der Fall. Das Unkalkulierbare der Reisebranche liegt darin, dass nicht nur ein paar Große den Markt bestimmen. Es stoßen immer wieder Newcomer dazu und gerade kleinere Anbieter setzen auf Wachstum. In der Summe führt das regelmäßig zu Überkapazitäten - und das ist dann unsere Chance.

mm: Gilt das auch für diese Saison?

Orth: Ich hatte ehrlich gesagt Sorgen, dass es wegen der komprimierten Ferientermine eng werden könnte. Tatsächlich sind die freien Kapazitäten bei Hotels und Flügen so groß wie selten. Das wird wahrscheinlich die beste Last-Minute-Saison der letzten fünf Jahre.

mm: Wo ist denn noch am meisten frei?

Orth: In der Türkei gibt reichlich Kapazität. Da spielen viele neue Hotels eine Rolle, aber auch ausbleibende russische Touristen. Die politische Großwetterlage scheint ihre Reiselust gebremst zu haben. Gut ist das Angebot auch in Griechenland, vor allem auf Kreta und Rhodos. Was mich erstaunt, sind die relativ günstigen Flugpreise nach Mallorca und dass auf den Kanaren noch so viel zu haben ist. Gerade die Kanarischen Inseln waren früher das klassische Frühbucherrevier und schnell belegt.

mm: In der Branche ist zu hören, die Fußball-Weltmeisterschaft habe die Planungen durchkreuzt. Die Buchungen von Flugreisen liegen angeblich fast 10 Prozent unter dem Vorjahr. Hat die WM den Reisemarkt gekillt?

Orth: Dass die WM einen gewissen Einfluss haben würde, war klar. Jedenfalls besagt die Erfahrung der letzten vier Weltmeisterschaften, dass die Leute lieber vor dem eigenen Fernseher sitzen, als im Hotel die Spiele zu sehen. Aber der WM-Effekt wird überschätzt. Viel stärker macht sich derzeit aber bemerkbar, dass die großen Bundesländer in diesem Jahr sehr spät Ferien haben. Der Spontan-Markt kommt jetzt erst in Schwung.

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