Bom dia, tristeza Hochglanzstadien in Brasilien verfallen - das teure WM-Erbe

Arena de Amazonia in Manaus: Klangvoller Name, klingende Vergangenheit - und verblassende Zukunft. Wie so viele Sportstätten, die für sportliche Großereignisse aus dem Boden gestampft wurden und dann nur noch selten genutzt werden

Arena de Amazonia in Manaus: Klangvoller Name, klingende Vergangenheit - und verblassende Zukunft. Wie so viele Sportstätten, die für sportliche Großereignisse aus dem Boden gestampft wurden und dann nur noch selten genutzt werden

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Erst Rekorde, dann Ruinen: Was wurde aus den Olympia-Stätten?

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So sieht Tristesse aus. Grauer Himmel, ein riesiges Stadion, gähnende Leere. An der Seite thronen die Olympischen Ringe. Während Olympia fanden hier im August sechs Partien statt - seither ist im WM-Stadion zu Manaus an den meisten Tagen wieder nichts los.

Mittlerweile wird die Arena da Amazônia in der Tropenmetropole auch abends oft nicht mehr beleuchtet. Wenn in dem rund 180 Millionen Euro teuren WM-Stadion eines der seltenen Spiele stattfindet, erinnert sie mit der gelblich erleuchteten Hülle an die Allianz-Arena in München. In Brasilien ist von einem sinnlosen "weißen Elefanten" die Rede - Sinnbild des fragwürdigen Erbes der Fußball-Weltmeisterschaft 2014.

Das Stadion sollte schon längst privatisiert werden, aber immer wieder sprangen Interessenten ab. Neben Manaus und Brasilia gilt auch die Pantanal-Arena in Cuiabá als klassischer "weißer Elefant". Die Unterhaltkosten in Manaus werden nach Angaben von "El Pais Brasil" auf umgerechnet mindestens rund 1,8 Millionen Euro im Jahr geschätzt.

Der Verlust, mithin Steuergeld, könnte nach Schätzungen bisher bei fast vier Millionen Euro liegen. Nach etwa 430.000 Euro Verlust im WM-Jahr 2014 wurde er für 2015 von der Amazonas-Regierung offiziell mit 7,352 Millionen Reais (2 Millionen Euro) angegeben, bei 13 Partien habe es im Schnitt rund 11.100 Zuschauer gegeben, berichten lokale Medien.

Im Schatten der WM-Arena in Manaus - hier ist viel Platz - gibt es nun einen großen Automarkt. Autoverkäufer Manolo Tananta, 32, schaut immer auf das weiße Rund: 240 Meter lang, 200 Meter breit, gebaut vom Hamburger Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner. Das Büro betont, die Idee sei gewesen, ein "hoch effizientes Stadion zu konzipieren, das eine Referenz an den besonderen Ort, an die Faszination und die natürliche Formenvielfalt des tropischen Regenwaldes darstellt".

Tananta meint: "Finanziell macht es natürlich keinen Sinn." Aber ab und zu gebe es Konzerte - und: er ist großer Vasco-da-Gama-Fan. Die Mannschaft des Clubs aus Rio de Janeiro, benannt nach dem Entdecker des Seewegs nach Indien und einer der beliebtesten Clubs im Land, wurde im April eingeflogen, um hier (!) das Lokalderby Rio de Janeiros gegen Flamengo auszutragen. Mit 44 420 Zuschauern wurde ein Rekord erzielt. "Ich bin großer Vasco-Fan, da war ich natürlich im Stadion", erzählt Tananta. Er hoffe, dass das öfter wiederholt wird.

"Unser Problem!"

Aber der Ansatz eines "Exports" von Klassikern in ungenutzte Stadien ist sehr kostspielig und bringt kaum Einnahmen für Stadienbetreiber. So spielte Ende August der frühere Bayern-Spieler Zé Roberto im Stadion Mané Garrincha in Brasilia mit Palmeiras gegen Fluminense.

Manaus hat nur einen Drittligaclub, jüngst gab es hier ein großes Jugendturnier - mit freiem Eintritt. "Vielleicht waren 2000 Zuschauer da", meint Autoverkäufer Tananta. Vier WM-Spiele, darunter England gegen Italien (1:2) und das 2:2 von Portugal gegen die USA fanden hier statt. Im September dieses Jahres gab es endlich auch mal ein Spiel der Seleção, Brasilien schlug Kolumbien 2:1. Im November wurde der Platz rund um die Arena zum Schauplatz eines Oldtimertreffens.

Etwas mehr los sein könnte im Dezember. Die Hoffnungen für ein paar Einnahmen ruhen auf einem internationalen Frauenturnier - vom 7. bis 18. Dezember spielen hier Brasilien, Italien, Costa Rica, Russland. Es ist das Debüt von Emily Lima, Brasiliens erster Nationaltrainerin.

Zwischenzeitlich gab es auch Überlegungen, die Arena in ein Gefängnis umzuwandeln. Um etwas Geld einzunehmen, können einzelne Passagen des Stadions auch für Geburtstage und Hochzeiten gemietet werden. Schon vor der Eröffnung war erwartet worden, dass es ein Geisterstadion werden könnte, die tiefe Rezession hat die Lage noch verschärft.

Der Gouverneur des Bundesstaats Amazonas, Omar Aziz, hatte im März 2014 nach Angaben des Portals "O Globo" einen ausländischen Reporter zusammengefaltet, der nach dem Sinn und dem Erbe fragte: "Das ist unser Problem, nicht ihres. Wenn wir in der Lage sind, so ein Stadion hier zu bauen, sind wir auch in der Lage, für eine vernünftige Nutzung zu sorgen." Aziz hat damit heute nichts mehr zu tun, er hat inzwischen einen gut dotierten Posten im brasilianischen Senat.

got/dpa
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