Samstag, 20. April 2019

Urlaub an der Costa de la Luz Chillen, wo James Bond Mojitos schlürfte

Costa de la Luz: Surferparadies, Entdeckerwiege, Filmkulisse
Manuel Meyer/dpa-tmn

2. Teil: Wracktaucher auf Goldsuche

Wer vom Kloster nach Westen bis Ayamonte an der Grenze zu Portugal fährt, findet unterwegs einsame und kaum verbaute Sandstrände und Dünenlandschaften. Folgt man der "Küste des Lichts" in anderer Richtung nach Südosten, gelangt man nach einigen Kilometern in den eindrucksvollen Doñada-Nationalpark, mit 53.000 Hektar Fläche eines der größten Feuchtgebiete Europas. Die Landschaft aus Pinienwäldern, Feuchtwiesen und Dünenlandschaften ist die Heimat unzähliger Vogelarten, Hirsche - und iberischer Luchse.

An der Südspitze des Nationalparks setzt man über den Guadalquivir nach Sanlúcar de Barrameda über. Der quirlige Ort an der Flussmündung zum Atlantik ist bekannt für seinen feinen Sherry, fangfrischen Fisch und zahlreiche Kirchen, Klöster und Stadtpaläste. Klerus und Adel siedelten sich hier an, um ihre Missionen und Handelsgeschäfte in der Neuen Welt zu starten. Kolumbus brach in Sanlúcar zu seiner dritten Amerika-Reise auf. Zwei Jahre lebte er im nahen Puerto de Santa María unweit von Cádiz, wo er seine zweite Entdeckungsreise plante. Heute ist der Ort vor allem für seine Sherry-Bodegas und eine der schönsten Stierkampfarenen Spaniens bekannt.

Die Costa de la Luz lockt weiterhin Entdecker an, heutzutage allerdings modernen Typs. Wer zwischen Ayamonte und Tarifa taucht, kann noch historische Wracks mit Kanonen entdecken, die mit Gold und Silber beladen aus der Neuen Welt zurückkamen. Vor knapp zehn Jahren musste die spanische Regierung viele Unterwasserfundstellen unter Schutz stellen. Der Grund: US-amerikanische Schatzsucher hatten 2008 die Fregatte "Nuestra Señora de las Mercedes" gefunden, die 1804 mit 500.000 Gold- und Silbermünzen an Bord gesunken war. Die spanische Regierung wollte weitere Plünderungen verhindern.

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Südlich von Cádiz beginnt die vielleicht schönste Küstenregion ganz Spaniens. Die kilometerlangen, teils menschenleeren Sandstrände und unter Naturschutz stehenden Dünen sind nur vereinzelnd durch weiße Küstendörfer wie Conil de la Frontera, Caños de Meca oder Zahara de los Atunes getrennt, wo sich der Tourismus konzentriert. Zahara ist für seine Thunfisch-Restaurants und den acht Kilometer langen Sandstrand landesweit bekannt. Eines der schönsten Dörfer ist Vejer de la Frontera, das jedoch etwas von der Küste entfernt liegt.

Viele Dörfer der Region tragen "de la Frontera" (an der Grenze) im Namen. Sie waren Grenzgebiet und Schauplatz zahlreicher Schlachten zwischen christlichen und muslimischen Heeren, bis die katholischen Könige 1492 die letzten Mauren nach 800 Jahren wieder von der Iberischen Halbinsel vertreiben konnten.

Das Hinterland der Costa de la Luz ist von Stierweiden und Windrädern geprägt. Der ständige Wind ist ein Grund, warum die schneeweißen und breiten Traumstrände hier im äußersten Süden Andalusiens nicht mit Ferienanlagen und Hotelburgen wie am Mittelmeer verbaut sind. Sanddünen vergraben Straßen. Zu vielen Stränden wie den natürlichen Becken von Bolonia führen nicht einmal Feldwege. Man muss durch Pinienwälder wandern, in denen viele Hippies leben. Selbst am Bolonia-Strand mit seiner mehr als 30 Meter hohen Wanderdüne und den Ruinen der römischen Handelsniederlassung Baelo Claudia kommt es vor, dass man außerhalb der Hochsaison eher Esel als Urlauber antrifft.

Der Wind ist auch der Grund, warum die Costa de la Luz zu den hipsten Küsten Spaniens gehört - und die Region das europäische Surf-Mekka schlechthin ist. In einstmals verschlafenen Ortschaften wie El Palmar, Punta Paloma und Valdevaqueros haben Chill-Out-Strandbars und moderne Strandhotels für das junge Publikum eröffnet. Die meisten zieht es nach Tarifa, die südlichste Stadt des europäischen Festlands, im Hochsommer eine Partyhochburg.

"Schau dir diesen Ausblick an! Wo in Europa kann man schon mit Blick auf Afrika surfen?", fragt der Italiener Alessandro Bellusci, der vor vier Jahren seine Surfschule in Tarifa aufgemacht hat. Hier liegen die Berge Andalusiens und das nordmarokkanische Riff-Gebirge nur 14 Kilometer voneinander entfernt - ein perfekter Windkanal.

Katharina Heyer freut sich, wenn der Wind mal etwas nachlässt. Die gebürtige Schweizerin hat vor fast 20 Jahren ihren Job als Modedesignerin an den Nagel gehängt, um sich dem Schutz von Walen und Delfinen in der viel befahrenden Straße von Gibraltar zwischen Tarifa und Marokko zu widmen. Ihr ist es zu verdanken, dass die spanische Regierung dort für die internationale Schifffahrt ein Tempolimit einführte. Ihre Stiftung Firmm erforscht dabei auch das Leben der Tiere in der Meerenge, was teilweise durch informative Whalewatching-Touren finanziert wird.

Aber sieht man überhaupt Wale und Delfine in der am meisten befahrenen Meeresstraße der Welt? "Und ob", sagt Heyer. "Es ist natürlich kein Zoo, aber es kommt selten vor, dass wir mal keine Grind- und Schwertwale oder Delfine sehen." Sogar Pottwale und Orcas sind häufig zu beobachten. Die größten Chancen bieten sich von April bis Oktober.

Manuel Meyer, dpa

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