Dienstag, 2. Juni 2020

Flucht wegen Covid-19 US-Milliardäre suchen Schutz in Neuseeland

Mount Cook: Neuseelands höchster Berg auf der Südinsel

Aus Angst vor der Covid-Pandemie sind offenbar zahlreiche Superreiche aus den USA nach Neuseeland geflüchtet. Das Land gehört bereits seit Längerem zu den bevorzugten "Safe Havens" der Tech-Elite und verzeichnete zuletzt lediglich 12 Corona-Tote, während es in den USA bereits mehr als 41.000 sind.

Angesichts von Corona haben nun offenbar einige diese Chance zum Rückzug aus den vom Coronavirus schwer getroffenen USA bereits genutzt. So berichtetet die Nachrichtenagentur Bloomberg von dem Anruf eines vermögenden Tech-Bosses aus New York bei einem Bunkerhersteller, der sich erkundigte, wie er denn die verborgene Tür seines mehrere Millionen Dollar teuren unterirdischen Bunkers in Neuseeland öffnen könne.

Er habe sich nach der Kombination für die Tür erkundigt und Fragen zu Strom und der Heiß-Wasser-Versorgung gestellt, zitierte die Nachrichtenagentur den Chef des Bunkerherstellers Rising S, Gary Lynch. Um wen es sich handelte, wollte Lynch nicht kommentieren. Nur so viel: Er sei nach Neuseeland geflüchtet, um "allem was gerade passiert" zu entkommen. Und, "Soviel ich weiß, ist er noch da."

Nach eigenen Angaben hat Lynch, dessen Unternehmen aktuell von Anfragen überflutet wird, in den vergangenen Jahren alleine rund zehn Privatbunker in Neuseeland errichtet, deren Preise von durchschnittlich drei Millionen Dollar für einen 150-Tonnen-Bunker je nach Ausstattung nach oben hin offen sind. Von Swimming-Pool über medizinische Behandlungszimmer bis hin zum Kinosaal ist alles möglich.

Der Inselstaat am anderen Ende der Welt mit gerade einmal 4,9 Millionen Bewohnern und seiner sagenumwobenen Natur spielt schon seit Jahren eine prominente Rolle in den Plänen zahlungskräftiger Prepper. So hat der kalifornische Bunkerbauer Vivos nach eigenen Angaben auf der weniger bevölkerten neuseeländischen Südinsel bereits einen Schutzraum für 300 Leute gebaut. Alleine in der vergangenen Woche hätten ihn zudem zwei weitere Anfragen nach Bunkern auf der Insel erreicht.

Zu den Superreichen, die sich in Neuseeland einen luxuriösen Rückzugsort gesichert haben, gehören neben dem Tech-Investor Peter Thiel, der sich sowohl auf der Nord- als auch auf der Südinsel ein Anwesen gekauft hat, auch der Titanic-Regisseur James Cameron sowie die Hedgefonds-Manager Julian Robertson und John Griffin.

Letzterer soll Presseberichten zufolge im Privatjet zu Beginn der Krise in den USA die Flucht nach Neuseeland bereits angetreten haben. Und das offenbar, bevor das Land im Zuge der Krise seine Grenzen für ausländische Besucher dichtmachte.

Einer, der es laut Bloomberg ebenfalls geschafft hat, sich noch rechtzeitig nach Neuseeland abzusetzen, ist der Crypto-Unternehmer Mihai Dinulescu. Zusammen mit seiner Frau habe er den erstmöglichen Flug von San Francisco nach Auckland gebucht, zitierte ihn die Nachrichtenagentur. "Der Flug war voll." Im Land selbst habe er bislang Kontakt mit zehn Leuten gehabt, die ebenfalls den Sprung gewagt hätten. Viele Wagniskapitalgeber hätten aber offenbar nicht genug Angst gehabt - und jetzt kämen sie nicht mehr ins Land. Allerdings soll sich lokalen Presseberichten zufolge die Zahl der Privatflugzeuglandungen nach dem Shutdown leicht erhöht haben.

Auch der Mitgründer des Start-ups Ao Air, bei dem Dinulescu mittlerweile beschäftigt ist, berichtet von zahlreichen Kontaktaufnahmen von US-Bürgern, die über einen Job oder ein Investment bei dem Start-up ein Visum ergattern wollten. Und auch der Luxusmakler Graham Wall berichtet von zahlreichen Anfragen vermögender Amerikaner, die sich für Anwesen in Neuseeland interessieren. Ein Vorhaben, das allerdings von Kaufbeschränkungen für Ausländer, die Neuseeland 2018 erlassen hat, deutlich erschwert wird.

Berichte, dass auch US-Investor Peter Thiel in Neuseeland gesichtet worden sei, gab es zunächst keine. Probleme, ins Land einzureisen, dürfte er keine haben. Schließlich hat er seit 2011 die neuseeländische Staatsbürgerschaft - nachdem er in den fünf Jahren zuvor ganze zwölf Tage im Land war.

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