Montag, 24. Februar 2020

112 Meter lang, rund 600 Millionen Euro teuer Bill Gates setzt mit erster Wasserstoff-Superjacht ein Zeichen

Sinot Aqua: Die Wasserstoff-Superjacht
Sinot/ Cover Images/ picture alliance

Anmerkung der Redaktion: Das Designunternehmen Sinot, das die Wasserstoffjacht "Aqua" entwickelt, hat mittlerweile auf seiner Internetseite erklärt, man stehe in keinerlei Geschäftsbeziehung zu Bill Gates. Man habe die Jacht, die derzeit entwickelt werde, nicht an ihn verkauft. Alle diesbezügliche erschienen Artikel seien deshalb nicht korrekt.


Microsoft-Mitgründer Bill Gates hat die weltweit erste Superjacht mit Wasserstoffantrieb bestellt, berichten der "Guardian" und der "Sunday Telegraph". Das 112 Meter lange Schiff kostet Schätzungen zufolge umgerechnet rund 600 Millionen Euro.

Das Boot hat fünf Decks, bietet Platz für 14 Gäste und 31 Besatzungsmitglieder. Laut den Berichten verfügt es über einen Wellnessbereich mit Fitnessstudio sowie einen Infinity-Pool. Der Hubschrauberlandeplatz versteht sich dabei schon von selbst. Eine weitere Besonderheit sind die mit Gel betriebenen Feuerschalen, die es den Gästen ermöglichen, auch draußen mollig warm zu sitzen, ohne Holz oder Kohle zu verbrennen.

Die Sonderanfertigung beruht auf Entwürfen der niederländischen Designfirma Sinot, die das Konzept für die "Aqua" im vergangenen Jahr auf der Jachtmesse in Monaco vorstellte. Gates ist einer der reichsten Männer der Welt und gilt als passionierter Segeljacht-Urlauber. Laut Telegraph habe er bisher aber kein eigenes Schiff besessen und stattdessen die Luxusjachten für seine Mittelmeer-Trips gemietet.

Unter Superreichen ist der Besitz von Superjachten keine Seltenheit. Zwar reicht die "Aqua" nicht annähernd an die 163 Meter lange Motorjacht "Eclipse" des russischen Oligarchen Roman Abramovich heran. Doch dürfte Gates im Gegensatz zum Eigner des britischen Fußballerstligisten Chelsea sein Schiff auch weniger als Statussymbol verstehen, sondern damit vielmehr die unausgesprochene Botschaft aussenden wollen: Seht her, Luxus und Technologie können auch umweltschonend sein.

Denn anders als andere Luxusjachten soll das von Gates georderte Schiff keine Abgase freisetzen: Flüssiger Wasserstoff liefert die für den Betrieb des Schiffes notwendige Energie. Gelagert wird er in zwei unter den Decks befindlichen 28-Tonnen-Tanks. Die müssen auf minus 253 Grad Celsius heruntergekühlt werden, da der Treibstoff nur bei diesen Temperaturen Temperaturen in flüssiger Form existiert.

Über Brennstoffzellen liefert der eingelagerte Wasserstoff den Strom für zwei je ein Megawatt starke Elektromotoren. Die beschleunigen das Schiff auf bis zu 17 Knoten, heißt es. Der Wasserstoffvorrat soll für 3750 Seemeilen reichen, was knapp 6945 Kilometern entspricht. Eine Atlantiküberquerung wäre damit also durchaus drin.

Es sei unwahrscheinlich, dass das Schiff vor 2024 in See stechen wird, schreibt, der "Telegraph". Komplett emissionsfrei wird die neue Superjacht dann wohl auch nicht sein. Denn aufgrund der überschaubaren Anzahl an Wasserstoff-Tankstellen soll das Schiff auch einen Dieselgenerator erhalten, der im Notfall einspringen kann.

Gates schon länger an alternativen Treibstoffen und Energien interessiert

Gleichwohl unterstreiche nach Einschätzung des Telegraph die Anschaffung der Wasserstoff-Superjacht Gates' langjähriges Interesse an alternativen Treibstoffen. So investiere der Milliardär unter andrem in ein kalifornisches Start-up namens Heliogen, dessen Software große Spiegel steuert und ausrichtet, die Sonnenstrahlen zur Erzeugung extremer Hitze bündeln. Dabei geht es im Kern darum, eine saubere Quelle für Wasserstoffgas zu schaffen, indem Wassermoleküle ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe aufgespalten werden.

Wasserstoff wird derzeit noch überwiegend durch Prozesse erzeugt, die fossile Brennstoffe wie Erdgas benötigen und deshalb klimaschädliches Kohlendioxid erzeugen. Es ist zwar auch möglich, Elektrizität aus erneuerbaren Quellen zu verwenden, um über Elektrolyse Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten. Allerdings ist dieses Verfahren ungleich teurer.

Um den CO2-Gehalt in der Atmosphäre zu reduzieren, hält es Gates für besseren Weg, in neue Energiesysteme zu investieren, statt fossile Energie und Investoren in diesem Segment in Bausch und Bogen zu verdammen. Nur durch diese Investitionen ließe sich der Übergang von fossilen Brennstoffen zu einer Zukunft mit zuverlässiger, bezahlbarer und kohlenstofffreier Elektrizität beschleunigen.

"Wir brauchen enorme Fortschritte bei Technologien, die es uns ermöglichen, das Stromnetz auch an windstillen Tagen, bei bewölktem Wetter und in der Nacht mit sauberer Energie zu versorgen", zitiert der Telegraph den Multimilliardär mit einem Statement.

rei

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