Sonntag, 17. November 2019

Deutschland feiert 100 Jahre Bauhaus Was vom Bauhaus bleibt und wo man es finden kann

Bauhaus-Jahr 2019: Ausstellungen und Bauwerke
Yvonne Tenschert/Stiftung Bauhaus Dessau/dpa-tmn

Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus gegründet. Im Jubiläumsjahr zeigen viele Einrichtungen in ganz Deutschland, was von der einflussreichen Gestalterbewegung übrig geblieben ist.

Türklinken, Pfeffer- und Salzstreuer auf Abertausenden Tischen und einfache Siedlungsbauten mit bezahlbaren Wohnungen: Das ist Bauhaus. Aber auch schicke, schlichte Einzelvillen oder noch heute begehrte Designerlampen und -möbel. Das Bauhaus wollte nach dem Ersten Weltkrieg neue Lebensverhältnisse für alle gestalten und bei der Lösung der sozialen Frage helfen. Was aus diesem Aufbruch in die Neue Sachlichkeit geworden ist, zeigen viele Gebäude und Veranstaltungen in Deutschland unter dem Motto Bauhaus100.

Die älteste Bauhaussammlung und das erste Musterhaus in Weimar: Exakt 100 Jahre nach der Gründung des Bauhauses in Weimar öffnet am 6. April der neugebaute dreistöckige Kubus Bauhaus Museum Weimar am Weimarhallenpark. Mit der Ausstellung "Das Bauhaus kommt aus Weimar" macht die Stadt Goethes und Schillers klar, wo die Bewegung der Neuen Sachlichkeit ihren Ursprung hatte.

1919 holte der Leiter der Kunstgewerbeschule, Henry van de Velde, Walter Gropius. Deshalb widmet sich eine Ausstellung im Neuen Museum Weimar der zeitgenössischen Moderne, die zum Bauhaus hinleitete. Geführte Bauhaus-Spaziergänge zeigen zum Beispiel das streng geometrisch gestaltete Direktorenzimmer von Gropius. Wie die Architekten und Inneneinrichter sich das Wohnen vorstellten, ist ab Mai im ersten Musterhaus von 1923, dem "Haus Am Horn", zu sehen.

Wohnen im Bauhaus in Dessau: Nachdem in Weimar die politische Rechte das Sagen hatte, entzog sie der fortschrittlichen Kunstschule die Gelder. Gropius verhandelte mit Frankfurt, entschied sich aber dann 1925 für Dessau als neuen Standort. Was dort vom Bauhaus zusammengetragen wurde, zeigt die Schau "Versuchsstätte Bauhaus", mit der am 8. September das Bauhaus-Museum Dessau eröffnet wird.

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Im Studentenwohnhaus der ehemaligen Hochschule kann man das Bauhaus heute als Hotelgast originalgetreu erleben, mit Duschen auf dem Gang, was damals fortschrittlich war. Während im Museum die Kunstrichtung in ihrer ganzen Vielfalt zu sehen ist, können Besucher sich im Stadtteil Roßlau in den sogenannten Meisterhäusern umsehen. Eine Architekturführung in der Reihenhaussiedlung Dessau-Törten vermittelt, was das Bauhaus vor 100 Jahren für bezahlbar und modern hielt.

Die größte Bauhaussammlung in Berlin: Die international einflussreiche Hochschule bestand nur 14 Jahre, Berlin war ihre letzte Station. Die Nazis schlossen die Schule 1933, viele Lehrer gingen ins Ausland oder in die innere Emigration. Die größte Bauhaussammlung der Welt blieb aber in der Stadt. Daraus werden unter dem Titel "Original Bauhaus" ab September in der Berlinischen Galerie 14 Objekte und ihre Geschichte gezeigt. Die Stadt beginnt das Bauhaus-Jubiläumsjahr allerdings schon am 16. Januar mit einem neuntägigen Festival in der Akademie der Künste. Es zeigt, wie Tänzer, Schauspieler und andere Künstler sich heute mit den Bauhausideen auseinandersetzen.

Eigens geschulte Gästeführer, sogenannte Bauhaus-Agenten, bringen Besuchern unter anderem die Bauhaus-Pädagogik nahe. Eine der sechs Unesco-Welterbe-Siedlungen der Berliner Moderne, die Siemensstadt, unterliegt direktem Bauhaus-Einfluss. Führungen erklären, wie innovativ und sozial die heute eher klein wirkenden Massenwohnungen damals waren. Nur das Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung ist zum Jubiläum nicht fertig geworden. Es wird bis 2022 saniert und um einen Museumsneubau erweitert.

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