Mittwoch, 11. Dezember 2019

Deutschland feiert 100 Jahre Bauhaus Was vom Bauhaus bleibt und wo man es finden kann

Bauhaus-Jahr 2019: Ausstellungen und Bauwerke
Yvonne Tenschert/Stiftung Bauhaus Dessau/dpa-tmn

2. Teil: Wo die Mutter aller Einbauküchen steht

Die erste voll elektrifizierte Siedlung in Frankfurt am Main: Während das Bauhaus in Dessau noch experimentierte, zog Frankfurt unter dem Stadtrat Ernst May ab 1925 innerhalb von fünf Jahren 15.000 Wohnungen in 15 verschiedenen Siedlungen im Stil der Neuen Sachlichkeit hoch. Darunter die erste voll elektrifizierte Siedlung, die Römerstadt für die Mittelschicht mit der Frankfurter Küche, die als Ursprung aller Einbauküchen gilt. Das Deutsche Architekturmuseum am Museumsufer macht vom 23. März bis 18. August 2019 mit den damals innovativen Konstruktionsprinzipien vertraut. Der Katalog dient gleichzeitig als Stadtführer zu den Bauten der Neuen Sachlichkeit in der Stadt.

Ein paar Häuser weiter zeigt das Museum für Angewandte Kunst Bauhaus-Ikonen wie die Türgriffe von Ferdinand Kramer, die Zeiss-Ikon-Leuchten von Adolf Meyer und die Kaiser-Idell-Leuchten von Christian Dell. Ein komplett rekonstruiertes Haus kann man bei Führungen durch die Römerstadt besuchen. Die Tour gibt auch Einblick in heutige Wohnverhältnisse. Was die Bewohner an den fast 100 Jahre alten Bauten heute schätzen und was sie vermissen, ist im Historischen Museum vom 16. Mai bis 15. September 2019 zu erfahren.

Das Vorbild für moderne Architektur in Stuttgart: Ludwig Mies van der Rohe empfahl sich 1927 mit der Leitung der international renommierten Werkbundausstellung Weißenhofsiedlung in Stuttgart als dritter Bauhaus-Direktor nach Gropius und Hannes Meyer. 17 Architekten bestückten damals den Killesberg mit schnörkellosen Flachdachhäusern, einige Bauten wurden im Krieg zerstört und später ersetzt. In der Siedlung zeigt das Doppelhaus von Le Corbusier in der einen Hälfte die Geschichte der Siedlung und in der anderen die Wohnverhältnisse in der ursprünglichen Farbigkeit und Möblierung.

Wie Künstler heute über das Bauhaus denken, ist ab Juni in der Ausstellung "Weissenhof City" der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen. Sie beherbergt auch die größte Sammlung von Werken Oskar Schlemmers. Nicht in Stuttgart, aber im Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe zeigt das Stuttgarter Institut für Auslandsbeziehungen ab dem 26. Oktober mit der internationalen Wanderausstellung "Die ganze Welt ein Bauhaus", dass die deutsche Avantgarde mit ihren revolutionären Ideen damals nicht alleine war.

Karin Willen, dpa

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