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Apulien: Reisen auf den Spuren Friedrichs II.

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Auf den Spuren Friedrich II. in Apulien Das Erbe des Multi-Kulti-Kaisers

Gepackt von seiner Jagdleidenschaft kam der Stauferkaiser Friedrich II. im 13. Jahrhundert nach Apulien. Wer an die Strände der Region reist, lässt sein architektonisches Erbe meist links liegen. Das ist ein Fehler.

Bari - Dieser Mann hat Handfestes schaffen lassen. Etwas in die Landschaften gestellt, das in der mediterranen Sonne glänzt und auch in schnelllebigen Zeiten von Beständigkeit zeugt. Auch wenn durchaus nicht alles erhalten ist, was der berühmte deutsche Stauferkaiser Friedrich II. vor rund acht Jahrhunderten in der süditalienischen Region Apulien hat bauen lassen.

Wer in den Süden reist, um die Strände des Stiefelsporns Gargano oder der Hacke bis herunter nach Leuca zu genießen, der lässt meist genau diese historischen Highlights links liegen. Sie machen aber Apuliens Bild genauso aus wie die zahllosen pittoresken Ansichten, die sich von Vieste im Norden bis nach Lecce im südlichen Salento finden.

Der sengenden Hitze Siziliens müde und gepackt von seiner Jagdleidenschaft, zog es den Staufer Friedrich II. (1194-1250) in die waldreiche Gegend rund um Foggia in Nordapulien. Die Capitanata ist sicher nicht so aufregend wie die Toskana, aber mit viel natürlichem Flair, bei dem die Olivenhaine und die Mandelbäume die Akzente setzen.

Nordwestlich von Foggia kommt dann das Städtchen Lucera ins Blickfeld mit seinem Kastell, das in seinem Innenbereich noch die Reste von Friedrichs dort errichteter Festung birgt. Aus dem heißen Sizilien brachte er seine sarazenischen Heerscharen mit und siedelte sie an, als muslimische Gemeinde in christlichem Ambiente.

Der eigenwillige Multikulti-Kaiser

Die mächtige Kathedrale und das Kastell an der unverschämt blauen Adria: Die Bauwerke am Ufer zwischen Barletta und Biscéglie aus hellem Kalkstein, der alles zu überstrahlen scheint, das ist das beeindruckende Bild der Stadt Trani auf dem Weg in den Süden Apuliens.

Hier kann man gut am Ufer schlendern, nach einem neuen Blickwinkel für das nächste Foto suchen oder in aller Ruhe einen Cappuccino trinken. Und dabei nachlesen, dass es in Trani die Juden waren, die der gebildete und eigenwillige Staufer einzubinden versucht hat. In einer Zeit, als Multikulti noch ein Fremdwort war. Nicht aber für diesen normannischen, römisch-deutschen Kaiser "Federico", den es nicht nach Deutschland zog.

Auf der Rückseite der italienischen Ein-Cent-Münze ist verewigt, was einen Höhepunkt jeder Reise nach Apulien bildet: Bei der Fahrt in die Berge taucht das prächtige und geheimnisvolle Castel del Monte auf, ein achteckiges Meisterwerk, wie es sich wohl nur Friedrich ausdenken konnte. Hier hat er sich mit Bedacht ein Denkmal gesetzt. Wuchtig und weiß auf der Kuppe gelegen, bietet es einen sagenhaften Blick über das weite Land.

Denkmal, das Wort hätte er wahrscheinlich nicht geschätzt, der Mann, der seine Spuren überall in Süditalien hinterlassen hat. Die Bauwerke des Staufers, soweit erhalten, zeigen auch 800 Jahre später eine Kultur, die nicht an Dekadenz erkrankte und dann unterging. So war er eben, dieser einzigartige römisch-deutsche Kaiser, König von Sizilien und Jerusalem: "Erster nach Gott", wie der deutsche Publizist Horst Stern es im Buchtitel über den "Mann aus Apulien" ausdrückte.

Klare Architektur unter klarem Himmel

Auf der Nationalstraße nähert sich der Besucher Bari. Kurz davor führt der Weg aber zunächst in das von Weinbergen umgebene Landstädtchen Ruvo di Puglia mit seiner sehenswerten romanischen Kathedrale - ein Werk klarer Architektur unter klarem Himmel, von schlichter Eleganz.

Noch unter dem Eindruck dieser Perfektion aus Kalk erreicht der Staufer-Reisende Bitonto, das schon immer ein Schnittpunkt der Kulturen war. Die prächtige Kathedrale des Städtchens birgt eine Überraschung: Unter ihr liegt ein verzweigtes System von Gängen noch älterer Kirchen, sauber ausgegraben und bestens restauriert. Fachkundige Führer durch das unterirdische Labyrinth erläutern die beliebte Tradition, Kirchen neu und in einem anderen Stil auf den Resten der alten zu bauen.

Doch zurück zum Staufer, zu dem Mann mit dem Adler als Herrschaftssymbol, der einen Hasen in seinen Fängen hält. In Gioia del Colle, schon tief im Landesinneren, wartet eines der am besten erhaltenen Kastelle Friedrichs, ein besonders mächtiges mit zwei trutzigen Türmen und mit einem feudalen Gemach. Hier schwelgte der Stauferkaiser gern in einem üppigen Leben mit einer seiner Gefährtinnen, Bianca Lancia - die Mutter seines Sohnes Manfred, der der letzte staufische König in Süditalien werden sollte.

Im Frühjahr sorgt die Kirschblüte rings um das Städtchen "Noci" (Nüsse) für Farbenpracht, im Herbst kommen Pilzsammler. In der Altstadt bietet die "Antica Locanda" in der Via Spirito Santo vortreffliche Spezialitäten aus der Gegend, ganz der kulinarischen Philosophie der Slow-Food-Bewegung verbunden. Das entschleunigt und macht den Kopf noch freier, der vielleicht gerade mit dem Falkenbuch des wissbegierigen Gelehrten und Jägers Friedrich beschäftigt war.

Wie ein Paradies für Schlümpfe

Und dann: che bello! Wie schön, noch ein wenig bunte, betriebsame Abwechslung abseits der Spuren des Staufers: Nach Noci kommt Alberobello. Wie ein Paradies für Schlümpfe, allerdings ein durchkommerzialisiertes, wirkt dieses hübsch vermarktete Unesco-Weltkulturerbe, das Dorf der Häuschen aus geschichtetem Trockenstein mit den kegelförmigen Dächern.

Sogar von den in Bari und Brindisi anlegenden Kreuzfahrtschiffen strömen Touristen nach Alberobello ("Schönbaum"), um die Trockensteinmauern (Trulli) zu bestaunen und allen möglichen Kitsch in der eigenwilligen Form der konischen Häuschen zu erwerben. Bestenfalls auch ein feines apulisches Olivenöl aus der alten Presse ganz in der Nähe oder eine Flasche vom guten Roten, etwa einen "Il Falcone".

Im nahen Martina Franca ist vor allem das barocke Ensemble bürgerlicher Palazzi sehenswert, wie man sie im italienischen Süden hin und wieder antrifft. Die ebenso rustikalen wie charaktervollen Trulli hier sind eigentlich die schönsten. Und schon ist man im verwinkelten und charmanten Altamura mit seiner Kathedrale. Das ist er also, der einzige von Friedrich II. angeordnete und finanzierte Sakralbau. Er sticht nicht sonderlich heraus in dem sehr süditalienischen Ort, der doch auch eher für sein Brot bekannt ist.

Hier liegt er denn auch nicht etwa begraben, der große Reichslenker. Gestorben ist Friedrich am 13. Dezember 1250 in Castel Fiorentino bei Lucera. Seine Gebeine ruhen in der Familiengruft in der sizilianischen Metropole Palermo. Aber das ist ein anderes Kapitel Geschichte und auch zu weit weg für einen raschen Besuch.

Hanns-Jochen Kaffsack, dpa
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