Sonntag, 22. September 2019

Alpine Ski-WM in Åre Wo Schweden richtig mondän ist

Skifahren in Åre: Schwedisches Winterglück
SkiStar/dpa-tmn

2. Teil: Wilde Party - ein bis zwei Stunden lang

Die überwiegend leichten und mittelschweren Pisten aber sind perfekt präpariert und griffig. So wie die hinunter zur urigen "Buustamons Fjällgård", der einzigen Skihütte mit Lizenz zum Schnapsbrennen. Ob es am Hochprozentigen oder am deftigen Essen liegt - die Hütte ist fast immer gut gefüllt mit Skiurlaubern, die aber offenbar ihre Grenzen kennen. Betrunkene sieht man äußerst selten. Dafür aber Rückenprotektoren an jeder Wirbelsäule.

Bestens geschützt und nur leicht angeheitert tummeln sich die überwiegend schwedischen Gäste auf 89 Abfahrten in dem Skigebietsverbund von Åre und Björnen sowie in dem in wenigen Minuten per Skibus erreichbaren Duved. Der höchste der 42 Lifte endet auf der für alpine Verhältnisse bescheidenen Gipfelhöhe von 1274 Metern am Åre Topp Platå. Weniger fitten Skiurlaubern kommt die niedrige Höhe entgegen. Außer Puste kommt keiner. Allenfalls das Panorama mit weiten, von Seen durchzogenen Hochtälern ist atemberaubend. Von Åre Topp Platå kann man wunderbar über den 890 Meter tiefer liegenden Ort am See schauen. Manchmal ziehen Rentiere über den Gipfelgrat des 1300 Meter hohen Västerskutan.

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Gleich unter dem Lieblingsplatz der Rentiere beginnen die WM-Pisten, die alle im Stadion oberhalb des Åresjön Sees enden. Damit Touristen auch während der Ski-WM von einem Teil des Skigebiets in den anderen pendeln können, wurden die WM-Pisten untertunnelt. "Entlang der Pisten können auch Touristen die Rennen aus nächster Nähe beobachten", erzählt WM-Sportdirektor Anders Sundqvist.

Die WM ist für das Herz des schwedischen Alpin-Rennsports eine Bühne, um sich dem Rest der Ski-Welt zu präsentieren. 2007 hat Åre schon einmal eine WM ausgerichtet.

Während der WM wird Åre mit Live-Konzerten rund um die WM-Arena für die anvisierten 120 000 Zuschauer aufdrehen. Ansonsten geht es in Lokalen wie der "Brasserie Werséns", dem Weinkeller "Vinbaren" oder der Cocktail-Bar "Uvisan" gesittet zu - bis auf den in Schweden "After Ski" genannten Après-Ski. Das Hotel "Fjällgården" mitten im Skigebiet gilt als Schwedens "After Ski"-Hotspot. Hunderte feiern dort nachmittags bei Bier, Schnaps und Live-Musik. Die wilde Party dauert aber nur ein, zwei Stunden. Dann fahren die sicherheitsbewussten Schweden hinunter in den Ort. Die meisten brav mit der alten Zahnradbahn. Diejenigen, die auf Skiern abfahren, tragen wenigstens Helm und Rückenprotektoren.

Bernhard Krieger, dpa

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