Freitag, 18. Oktober 2019

Hotelbonusprogramme So punktet man am besten

Schnellcheck: So zahlt sich Kundentreue bei Hotelketten aus
DW Studios L.L.C. / Cold Spring Pictures

Alle großen Hotelketten bieten ihren Kunden Bonusprogramme an: Punktesammler können sich über Freinächte und Upgrades freuen. Alexander Koenig, Geschäftsführer des Reiseberatungsportals First Class & more, gibt Tipps, wie man die Programme am besten nutzt.

mm: Sie haben die Kundenbindungsprogramme der großen Hotelketten untersucht. Was waren die augenfälligsten Veränderungen im Vergleich zu Ihrer Untersuchung vor zwei Jahren?

Koenig: Tendenziell haben sich die meisten Hotelprogramme leicht, einige sogar stark verschlechtert - man bekommt für das eingesetzte Geld weniger Freinächte. Die Programme versuchen dies meist zu vertuschen, indem interessante Hotels nahezu unbemerkt upgegradet und damit nach Punkten teurer werden.

mm: Das hat man zuletzt bei Hilton HHonors gesehen, wo Prämienaufenthalte in Topresorts um bis zu 125 Prozent teurer wurden. Werden Bonusprogramme insgesamt unattraktiver für die Unternehmen?

Koenig: Nein, im Gegenteil. Diese teilweise verdeckten Verschlechterungen sind aus Sicht der Hotels höchst lukrativ. Und ein Großteil der loyalen Kunden trifft Entscheidungen für oder gegen eine Kette aufgrund der Vorteile der jeweiligen Programme. Selbst Four Seasons, die sich lange gesträubt haben, eines aufzulegen, werden jetzt damit voraussichtlich im dritten Quartal an den Start gehen. Der Trend ist schon der, dass jede Kette solche Programme braucht. Während Statusvorteile tendenziell eher aufgewertet werden, wird das Erreichen von Freinächten schwerer gemacht. Dadurch versucht man insgesamt die Balance und den Kunden bei Laune zu halten.

mm: Sollte man mehrere Bonusprogramme nutzen oder möglichst nur einer Kette treu bleiben?

Koenig: Es macht keinen Sinn, fünf oder sechs Ketten gleichzeitig zu bedienen, sonst erreicht man bei keinem Programm einen vernünftigen Statuslevel. Die richtig attraktiven Vorteile wie Zimmerupgrade, Club-Level Zugang, kostenloses Frühstück und Internet kommen in der Regel erst auf den höheren Levels. Ich empfehle daher, sich auf ein bis zwei Programme zu fokussieren. Und wenn es dann bei einem anderen Hotelprogramm doch mal eine Sonderaktion mit dreifachen Punkten gibt, kann es sich durchaus lohnen, drei Wochen fremdzugehen und die entsprechenden Freinächte zu nutzen.

mm: Ab wie viel Übernachtungen im Jahr lohnt es sich überhaupt, an Bonusprogrammen teilzunehmen?

Koenig: Man muss unterscheiden: Nennenswerte Statusvorteile gibt es erst, wenn man viel reist. Aber Freinächte gibt es mitunter schon, selbst wenn man nur zwei Wochen pro Jahr unterwegs ist. Warum sollte man die verschenken? Es ist ja kein Aufwand, sich anzumelden. Doch viele Reisende lassen sich für ihre Aufenthalte lieber Airline-Meilen gutschreiben. In der Regel sind es 500 Meilen pro Aufenthalt. Wenn ich dreimal pro Jahr jeweils drei Nächte übernachte, erhalte ich in Summe 1500 Meilen, die für sich genommen kaum einen Wert haben. Wenn ich für die gleichen Aufenthalte aber Hotelpunkte wähle, habe ich je nach Programm schon bis zu zwei Freinächte generiert.

mm: Können Sie ein Programm für Vielreisende empfehlen, die das ganze Jahr über auf Achse sind, und eines für Gelegenheitsreisende?

Koenig: Es hängt stark davon ab, in welche Regionen man reist und welche persönlichen Präferenzen man hat. Über alle Programme hinweg bieten Club Carlson, Hyatt Goldpassport und Hilton HHonors das beste Gesamtpaket. Für Gelegenheitsreisende weniger zu empfehlen sind Programme wie Starwood Preferred Guest oder Shangri-La Golden Circle, denn die Punktegutschriften sind hier so niedrig, dass man sehr viele Nächte benötigt, bevor man die erste Freinacht in einem attraktiven Hotel einlösen kann.

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