Donnerstag, 19. September 2019

Museeumsinsel bei Abu Dhabi Festival der Architektur

Abu Dhabi: Stararchitektur für die Museumsinsel
TDIC Abu Dhabi

Mehr als fünf Jahre lagen die Pläne für die Museumsinsel bei Abu Dhabi auf Eis. Nur die Modelle der Architekten wie Jean Nouvel, Sir Norman Foster und Frank Gehry zeugten vom ehrgeizigen Ziel. Nun ist der Startschuss für die Bauarbeiten gefallen und neue Megaprojekte sind in der Planung.

Abu Dhabi - Wer die Auswahl seines Reiseziels bisher auch von der Existenz bedeutender kultureller Institutionen wie Opernhäusern und Kunstmuseen von Weltrang am Zielort abhängig machte, für den standen die Vereinigten Arabischen Emirate bis jetzt nicht sehr weit oben auf der Liste der Sehnsuchtsorte. Der Bund der wohlhabenden Golfemirate machte bisher nur mit beeindruckenden Wachstumsraten und Wirtschaftsdaten und einer fast kindlichen Lust auf Superlative und Shopping von sich reden. Nach wie vor gilt Zynikern das jährliche "Dubai Shopping Festival" als kultureller Höhepunkt des Jahres in den VAE.

In Sachen Kultur konnte man bisher noch keine Meilensteine setzen. Vor einigen Jahren verließ der deutsche Theaterregisseur Michael Schindhelm, der von der Regierung in Dubai den Auftrag erhalten hatte, ein Opernhaus zu bauen, sogar genervt das Land, nachdem er bemerkt hatte, dass das ambitionierte Kulturprojekt nur ein Köder für den Verkauf der Immobilien rund um das Opernhaus herum darstellen sollte. Die Dimensionen des Opernhauses schmolzen dahin wie ein Schneemann in der Wüste, die "Kultur war dabei ein bloßes Marketinginstrument zur besseren Verwertung" der Immobilien, so Schindhelm desillusioniert in einem Interview 2009.

Auch eine Live-Übertragung einer Opernaufführung aus der Met in New York in einen Konzertsaal in Dubai, mit der man das Interesse der Emirate-Bewohner an westlicher Hochkultur testen wollte, fiel alles andere als ermutigend aus. Nun unternimmt die Regierung in Abu Dhabi einen neuen Anlauf, diese kulturelle Lücke zu schließen. Nachdem in den letzten fünf Jahren nur ein paar beeindruckende Architekturmodelle in einem Showroom im Sieben-Sterne Hotel "Emirates Palace" zu bestaunen waren, sollen die glamourösen Museumsbauten auf Saadiyat Island (Insel der Glückseligkeit) nun tatsächlich Realität werden.

Das Louvre-Museum eröffnet als erstes

Mit dem "Saadiyat Cultural District" entsteht die nach Angaben der Projektentwickler "größte Konzentration kultureller Erfahrungsräume" weltweit, Museumsbauten, die noch Jahrzehnte lang Maßstäbe setzen werden. Man hat dafür die größten Stars der internationalen Architekturszene verpflichtet, um die Vereinigten Arabischen Emirate an die Spitze der führenden Kulturnationen zu führen.

Die Bauarbeiten für das Louvre-Museum von Pritzker-Preisträger Jean Nouvel haben schon begonnen, die Eröffnung ist für Dezember 2015 geplant. Ein Jahr später sollen das Zayed National Museum von Sir Norman Foster und 2017 das Guggenheim Museum von Frank Gehry eröffnet werden. Weiterhin auf seine Realisierung warten muss hingegen das Center of Performing Arts der renommierten Architektin Zaha Hadid.

In Januar erhielt der einheimische Baukonzern Arabtec den 500 Millionen Euro teuren Auftrag, die Baurabeiten für das Louvre Abu Dhabi zu starten. Seitdem wird auf Saadiyat Island fleißig im Sand gewühlt. Die Verantwortlichen in Frankreich betonen, dass es kein "Louvre Abu Dhabi" geben wird, sondern ein weiteres Louvre-Museum in Abu Dhabi, also keine schnöde 1: 1-Kopie des berühmten Pariser Museums.

Auch Jean Nouvel denkt nicht an ein einziges monolithisches, zentrales Gebäude, das er an die Schnittstelle von Wüste und Ozean bauen will, sondern eher an eine "Microcity" aus unterschiedlich großen Gebäudeteilen, die durch eine 7000 Tonnen schwere, perforierte Kuppel zusammen gehalten werden sollen.

Ganz in der Bautradition des alten Arabiens wird die Kuppel mit einem abstrakten Muster verziert, das eine Schicht übereinander gelegter Palmzweige nachbildet, die in früheren Zeiten für die Dachkonstruktion genutzt wurden, mit dem gleichen Kühlungseffekt und den gleichen Lichtspielen wie damals. So wird ein "Rain of Light" in das Innere des Museums fallen. Auch dort hat sich das Nouvel-Team von alter arabischer Architektur und Ingenieurskunst inspirieren lassen. Kleine Wasserläufe, die an die Bewässerungssysteme arabischer Bauern erinnern, durchziehen das Gebäude.

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