Freitag, 19. April 2019

Chicago Auf Obamas Spuren

Chicago: Schnitzeljagd durch Obamas Chicago
TMN

Seitdem Barack Obama Präsident der USA ist, gibt es in Chicago eine neue Touristenattraktion: Obama-Touren. Sie führen zu seinem Friseur, seinem Lieblingsimbiss und zu seinem Haus im Villenviertel Kennwood. Nur eine Station sollten Besucher lieber meiden.

Chicago - Der arme Mann. Ganz grau ist er geworden in letzter Zeit. Zwei Kriege, globale Wirtschaftsflaute, die Immobilienkrise, miese Arbeitsmarktzahlen und fiese Opposition - kein Wunder, oder? Doch Zariff scheint unbesorgt. "Genau richtig für sein Alter", findet der Friseur und lächelt. Zariff sollte es wissen. Schließlich schneidet er die Haare von Barack Obama schon seit 18 Jahren.

Klein, schmal und unscheinbar ist sein Ladenlokal in Chicago. Glasfenster reichen von der Decke bis zum Boden. Leuchtreklame flimmert draußen. Drinnen spielt leise Soulmusik. Ein kleiner Junge ist unter blauem Frisierumhang eingenickt. Der Vater telefoniert. Elektrische Haarschneider surren. Und Muhammad Ali in Boxerpose schaut von einem Poster auf ein halbes Dutzend gepolsterte Drehstühle hinab.

Typisch Barbershop, wenn da nicht der ominöse Frisiersessel unter Glas wäre, gleich links am Eingang. Auf dem hat der 44. US-Präsident höchstpersönlich gesessen. Zariff, einen Nachnamen verwendet der Haarkünstler nicht, ist mächtig stolz darauf und will den Stuhl für die Nachwelt erhalten. Davor ist eine Fotografie montiert: Saloninhaber links, Zariff rechts, Obama in der Mitte. Der Wahlkampfslogan "Change we can believe in" ("Wandel, an den wir glauben können") steht in Silberlettern darüber. "Schrecklich zottelig" soll Obama ausgesehen haben, als er den Salon betrat. Er wurde Stammkunde und der "Hyde Park Salon" Pilgerstätte.

Zuhause im Dreistöckigen Backsteinhaus

Wenn Daddy nicht gerade im White House regiert, wohnt Familie Obama nur ein paar Straßen weiter im benachbarten Kenwood. Es ist eine alte Villengegend mit schattigen Bäumen und Multikulti-Flair. Die University von Chicago ist gleich um die Ecke, wo Professor Obama von 1992 bis 2004 Jura unterrichtete.

Selbstverständlich wird das dreistöckige Backsteinhaus im Georgianischen Baustil heute streng bewacht. Je sechs Schlaf- und Badezimmer soll es haben, einen Weinkeller für 600 Flaschen und hochherrschaftliche Säulen vor dem Eingang. Sicherheitsleute bewachen das Eckgrundstück. Schlechte Aussichten für Zaungäste.

Davon gibt es viele. Natürlich spazieren Chicago-Besucher weiterhin durch den Millennium Park mit der spiegelnden Cloud-Gate-Skulptur, die einen fallenden Quecksilbertropfen darstellen soll, aber wie eine außerirdische Riesenbohne aussieht. Sicher bewundern sie Chicagos imposante Architektur, eine himmelsstrebende Wolkenkratzer-Welt aus Stahl, Glas und Beton. Naturkunde- und Kunstmuseum, Aquarium und Planetarium, schicke Shoppingmeile und der Amüsierkai Navy Pier - alles da. Doch Chicagos Sehenswürdigkeiten haben Konkurrenz bekommen: Obama-Touren.

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