Sonntag, 16. Juni 2019

Seychellen Cricket auf der Landebahn

Denis Private Island: Barfußluxus auf den Seychellen
Mason's Travel

Ein Reiseveranstalter hat auf einer entlegenen Seychelleninsel ein Hotel gebaut, das man nur mit dem Flugzeug erreichen kann. Schiffe dürfen an Denis Private Island nicht anlegen. Sonntags kommen auch keine Flieger an. Dann wird die Landebahn kurzerhand zum Cricketfeld umfunktioniert.

Denis Private Island - Die Champs Elysées kreuzen die kleine Insel ganz im Norden. Ein schmaler Sandweg, gleich neben der Landebahn. Neuankömmlinge, die zwanzig Flugminuten mit der Propellermaschine von Mahé hinter sich haben, kommen von hier zum Luxushotel. Zur Linken reiht sich Haus an Haus aneinander. Davor liebevoll gepflegte Gärten, mit großen Konservendosen als Blumenkübeln. Rechter Hand liegt La Chapelle, die winzige Kirche. Gleich dahinter, unter schattenspendenden Kokospalmen, ein Friedhof.

"Auf den Champs Elysées wohnen keine Hotelgäste", sagt Alan Mason, wasserblaue Augen, rundes Gesicht, die Sonnenbrille auf den kahlen Kopf geschoben. Der Gründer von Mason's Travel, dem ältesten Reiseveranstalter auf den Seychellen mit Sitz auf Mahé, lacht: "Diese Exklusivadresse ist für meine Mitarbeiter reserviert."

Wie ungewöhnlich, denkt der Besucher, wo doch Angestelltenwohnungen in Luxusanlagen oft hinter Lattenzäunen oder Wänden aus Wellblech verschwinden. Auch sonst ist hier einiges anders. Wer Denis Private Island besucht, logiert in einer mit gemusterten Stoffen und maßgefertigten Holzmöbeln ausgestatteten Strandvilla - leuchtend sind auch die schimmernd grünen Eidechsen, an jeder Wand mindestens eine. In dem Outdoorbad mit Spa hört man das Meeresrauschen. Noch näher an Wasser und Wellen rückt, wer sich auf seinen opulenten Tagesdiwan im weißen Sand fläzt. Statt Namen haben alle Villen bunt durcheinandergewürfelte Nummern.

Längst ist die Vergangenheit der kleinen Koralleninsel als profitable Kokosplantage vergessen. In den Palmen turteln selten gewordene Vögel wie der Magpie-Robin oder langschwänzige Paradise Flycatcher. Vom Aussterben bedrohte Riesenschildkröten schleppen sich über die Insel und vor dem Riff, in türkisblauen Tiefen, schwimmen große Marlins und Schwertfische.

Kein Mobilfunknetz, kein Fernsehen

"Was es nicht gibt, sind Wifi und Fernsehen", sagt Alan. Sämtliche Mobilfunknetze sind auf der winzigen Erhebung im Indischen Ozean ebenfalls nicht erreichbar. "Ein Schock für viele Gäste", gibt Alan zu. Aber der Entzug moderner Vernetzungstechnik ist durchaus gewollt. "Wer hierher kommt, will das, was mittlerweile größter Luxus ist - Zeit." Viele klinken sich völlig aus. Wenige kommen nicht damit klar, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. "Wir hatten mal einen Gast, der auf unseren stählernen Leuchtturm kletterte, um Empfang zu bekommen", erinnert sich der Seychellois. "Aber auch das war zwecklos."

Seit sechzehn Jahren ist die Insel in Familienbesitz. Davor versuchten Alans Eltern, Kathryn und Michael Mason, schon einmal, Denis Private Island zu kaufen. "Ein Franzose schnappte uns die Insel vor der Nase weg. Eineinhalb Jahrzehnte später hatte er schon genug vom Inselleben, da konnten meine Eltern endlich zuschlagen." Deren Familien wiederum kamen ursprünglich aus England. Kathy und Michael aber wurden auf Mahé geboren. Vor über fünfzig Jahren wohnten sie als Teenager in der gleichen Straße: "Michael hat mich jahrelang ignoriert", erinnert Kathy, drahtig, silbrigblonder Kurzhaarbob, Typ Maggie Thatcher. "Ich war ihm zu klein", lacht die mehrfache Großmutter und Mitbegründerin von Mason's Travel.

Als sie und ihr Mann endlich zusammenkamen, trafen sich zwei Gleichgesinnte. Sie setzten ihre Leidenschaft für die Seychellen im eigenen Unternehmen um und begannen Anfang der Siebziger, ein Netzwerk für Reisen zu spinnen. Mason's Travel entwickelt sich in den folgenden vier Jahrzehnten zum Marktführer. 1972 weihte die britische Königin den Flughafen auf Mahé ein und damit zog die Reisebranche im Steilflug an. Mason's Travel, nur einer von vier Veranstaltern auf den Seychellen, hat mittlerweile 220 feste Mitarbeiter. Weitere 100 Angestellte kümmern sich auf Denis Private Island um den Hotelbetrieb und die Farm.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung