Montag, 16. September 2019

Für Golfer und Gourmets Genießen auf Irisch

Gourmetreise: Kulinarischer Streifzug durch West Cork
LissArdEstate

Ein irisches Menü hat sieben Gänge: ein Sixpack Bier und eine Kartoffel. Das behaupten zumindest die Iren, wahrscheinlich, um die guten Lokale nicht teilen zu müssen. Vergebens: West Cork etwa gilt mittlerweile als Feinschmeckerregion. Auch für Golfer gibt es hier Großartiges zu entdecken.

Tipperary - Stop in Tipperary, auf halber Strecke zwischen Dublin und Cork. So klein und unscheinbar das Café Hans zu Füßen des legendären Rock of Cashel wirkt, so großartig ist seine Karte. Mit feiner Bistroküche überzeugen Jason Matthiae und Ehefrau Louise jeden Zweifler an der irischen Kochkunst. Über den Berg Roscommon-Muscheln mit duftenden Kräutersaucen zur Auswahl kann man kaum hinweg schauen.

Dazu mundet ein 2006 Sauvignon Blanc aus Süd Afrika ebenso wie zum Fishcake oder zum Cashel-Blue-Cheese. Das auffällig exquisite Weinangebot in vielen Restaurants zu erstaunlich günstigen Preisen erklärt sich aus den Einlagerungen in der Zeit des irischen Finanzbooms 2008. Nun will der edle Rebensaft nach und nach getrunken werden. Wie nebenan, bei Chez Hans, dem Restaurant in einer ehemaligen Kirche.

Auf dem viktorianischen English Market in Cork ist Fischhändler Kay O'Connell die Attraktion, eine lebende Legende. Bei ihm kauft auch der Küchenchef des Hayfield Manor Hotels ein. Graeme Campell serviert zu Hummer weiße Tomatenmarmelade, zu Heilbutt eine Remoulade aus frischer Sellerie und an die beliebte irische Schweinfleischpastete 'Black & White Pudding' fügt er Aprikosenpüree.

Wie 'bei Königs' fühlt sich ein Aufenthalt in dem anheimelnden Fünf-Sterne-Herrenhaus an, das Team versteht sich auf liebenswürdigste Gastlichkeit. Ein Carservice chauffiert Golfer von dort aus zum Old-Head-Golf-Course hoch auf den Klippen am Leuchtturm über der rauen keltischen See. Spektakulär! Als befände man sich auf einem Schiff im Ozean. Die Snacks für die Sportler zwischen den Abschlägen sind der Location ebenbürtig: Austern, Champagner, Lachs.

Zum Frühstück Whiskey in den Porridge

Aus dem dichten Grün bei bei Inchy Bride steigt Rauch. Anthony Creswell räuchert im Ummera Smokehouse Fisch wie Fleisch für viele Hotelrestaurants. Märkte und Feinkostläden in West Cork. Zwölf bis 14 Stunden benötigt ein frischer Lachs über dem kokelnden Eichenholz. Anthony arbeitet weltverbunden, verwendet Fisch aus Irland, Zucker aus Costa Rica, Dill aus Ägypten, Pfeffer aus Sri Lanka, Meersalz aus Portugal und - Schottischen Whisky. Jawohl!

Obwohl der irische Whiskey es ja mindestens genauso in sich hat. Jameson beispielsweise. Oder Tullamore Dew. Für eine Flasche 'Midleton very rare' wären dann allerdings um die 130 Euro hinzublättern. Ausgefuchste Schlemmer nehmen Whiskey bereits zum Frühstück zu sich - im Porridge. Andere flambieren damit ihr Steak.

Lachs in allen Variationen gehört unbedingt zur Küche von Julie und John Finn im Restaurant "Dillon's" in Timoleague. Sie kombinieren neue Rezepte mit klassisch-irischen Elementen, backen Walnussbrot, geben in die kräftige Kabeljau-Fischsuppe mutig Koriander, Sternanis und Koskosmilch, erfüllen ihren Gästen begeistert jeden kulinarischen Wunsch.

Wenn das Meer nicht zu sehen ist, regnet es gerade oder es ist Ebbe. Weit hinaus zieht das Meer sich zurück. Die Fischerboote in dem langgestreckten Fjord von Kinsale liegen unterdessen schlagseitig auf dem Schlick. Die Fischer versorgen TV-Koch Martin Shanahan mit frischestem Meeresgetier für sein Fishy Fishy Cafe, dafür bringt er ihnen auch hin und wieder ein Gericht an Deck.

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