Dienstag, 25. Juni 2019

Papua-Neuguinea Paradiesvögel und Perückenschulen

Papua-Neuguinea: Zauber und Exotik der "last frontier"
TMN

Wild, bunt, aufregend, arm, herzlich: Papua-Neuguinea gilt als "last frontier", als Ende der besiedelten Welt. Die Infrastruktur, wenn überhaupt vorhanden, ist abenteuerlich und das Reisen teuer, aber wer sich auf das Land mit den 800 verschiedenen Sprachen einlässt, erlebt Unvergessliches.

Goroka - Ein Dschungelmädchen, das mit seinem Starrsinn ein riesiges Seeufer entwaldet. Ein Clan, der gierige Nachbarn aus Rache mit fürchterlichen Masken zu Tode erschreckt: Die Sagen in Papua-Neuguinea sind wie fast überall gruselig. Die Emotionen - Neid, Rache, Furcht, Ehre - sind in der einstigen deutschen Kolonie aber bis heute präsent wie kaum anderswo. Rituale, Feste und Tänze sind noch nicht ins folkloristische Allerleimenü für Touristen abgerutscht, sondern lebendiger Teil des Alltags.

Papua-Neuguinea, kurz PNG, gilt als "last frontier" - in etwa: das Ende der besiedelten Welt. Die Infrastruktur ist rudimentär, das Reisen teuer, aber dafür sind die Einblicke in die unterschiedlichen Kulturen des Landes spektakulär. Viele Regionen sind Tagesmärsche von der nächsten Straße entfernt. Wie der Yimas-See im Zulaufgebiet zum Sepik-Fluss. Das Gebiet lässt sich nur mit dem Boot erkunden.

Den Ruhm der Sepik-Region mehrten Ethnologen wie Margaret Mead: "Der Sepik, das bedeutet Moskitos, Krokodile, Kannibalen und Leichen, die im Wasser treiben - und ich kann versichern, dass wir das alles erlebt haben", schrieb sie 1932. Der Fluss ist 1126 Kilometer lang und nach dem Amazonas und dem Kongo nach Wassermenge der drittmächtigste Fluss der Welt. Kannibalen und Leichen gibt es im 21. Jahrhundert nicht, aber noch immer jede Menge Krokodile und Moskitos.

Meist sind in den Einbaumbooten aus dem harten Merbauholz Frauen unterwegs, mit einem Feuerchen an Bord. "Um sich zu wärmen, zu grillen, und Zigaretten anzuzünden", erklärt der örtliche Reiseleiter John. Wenn Besucher kommen, machen sich die Frauen mit Blüten und Körperfarbe hübsch. Das tragen sie sonst nur bei Festen. Gefeiert wird hier oft - in der Abgeschiedenheit eine willkommene Abwechslung.

Stärkepfannkuchen vom offenen Feuer

Grundnahrungsmittel ist Sago. Die Männer im Dorf Kundimam haben gerade eine Sagopalme gefällt. Auf einer Lichtung reißen sie die Rinde auf. Dann hacken sie Stunde um Stunde auf das Mark ein, bis es wie Sägemehl zerfällt. Die Schweißperlen glänzen auf ihren nackten Oberkörpern. Die Frauen stampfen dieses Mehl am Fluss mit Wasser. Der herauslaufende Saft ist Stärke und wird aufgefangen. Daraus backen sie auf offenem Feuer Pfannkuchen oder kochen Pudding - was beides nicht gerade ein geschmackliches Feuerwerk entzündet.

Die papuanische Küche ist eher fad. Süßkartoffel und Grünzeug ist weit verbreitet. Reiseführer für Individualtouristen empfehlen, diskret Salz- und Pfefferstreuer mitzunehmen.

Am Ufer hat ein Fischer seinen Fang zum Trocknen ausgelegt. "Alles von heute", sagt der Mann stolz. Spannender als die Fische ist das elegante Narbenmuster, das sich von seiner Brust über die Schultern und den Rücken zieht. "Ein Initiationsritus", erklärt John. Die Haut wird eingeritzt, um mit dem Ausscheiden des Blutes symbolisch die Nabelschnur zur Mutter zu kappen. "Dann kommt Öl und Lehm darauf, und die Jungen liegen am rauchigen Feuer, damit sich die Wunden entzünden und die wulstigen Narben entstehen", beschreibt die in PNG lebende australische Anthropologin Nancy Sullivan das Ritual.

Rund 800 Sprachen - ein Fünftel der Weltsprachen - werden in PNG gesprochen. Die Kunstsprache Tok Pisin mit vielen englischen Wörtern sorgt dafür, dass sich trotzdem alle verständigen können. Sie entstand auf den Plantagen der Kolonialherren. Für Deutsche ist das Lesen fast ein Kinderspiel, weil die deutschen Missionare, die die Sprache erstmals aufschrieben, deutsche Schreibweisen nutzten: Eine Provinz am Sepik heißt "Sandaun" wie Sun down - wo die Sonne untergeht, "inap" heißt enough (genug) und "moni" money, Geld.

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