Montag, 24. Juni 2019

Wendelsteinbahn Ein Denkmal für den Geheimrat

3. Teil: Kein Dosenfutter

Nebenan hat der Bayerische Rundfunk, der hier seine wichtigste Antenne unterhält, ein großes Technikgebäude mit Schindelfassade. Am Gipfel klebt eine Sternwarte der Technischen Universität München und eine Filiale vom Deutschen Wetterdienst. Und neben dem Gipfelhaus ragt - als eher hässliches Relikt der 70er Jahre - die Bergstation der damals errichteten Seilbahn in den Himmel.

Vom Sommerpavillon, den Steinbeis in der warmen Jahreszeit vor dem Gipfelhaus unterhielt, ist nur noch der bemalte Wandschmuck aus Holz erhalten: Reliefs mit Musikanten im Stil des Simplicissimus. Vogt, der gelernte Schlosser, hat sie im Panorama-Restaurant aufhängen lassen, zeigt sie stolz dem Fremden und sinniert über die unbekannte Hand des Künstlers: Nicht doch vielleicht Gulbransson?

Der Wirt Paul Müller ist seit elf Jahren hier, sein Vorgänger hat es 31 Jahre ausgehalten. 280 Plätze gibt es - plus 500 im Selbstbedienungsbereich. Müller sagt, er mache seine Soßen noch selbst und weiche die Erbsen für die Suppe eigenhändig ein. Kein Dosenfutter also, sondern etwas ambitioniertere Gipfelküche. Obwohl die Auslastung je nach Wetter stark schwankt. "Kaum etwas ist für einen Wirt so schwierig zu führen wie ein Bergrestaurant", sagt Müller. "Heute kommt keiner, morgen tausend".

Für den Investor hat sich die Bahn nie gerechnet

1,8 Millionen Goldmark soll der Bau der Zahnradbahn gekostet haben, 2,7 Millionen noch mal das Hotel und die Infrastruktur am Berg. "Das zahl ich aus meinem linken Westentascherl", hat Otto von Steinbeis damals gesagt. So ist es überliefert. Ob sich die Investition je gerechnet hat? Für Steinbeis selbst nicht, ist er doch schon 1920 gestorben. "Er hat wohl auch keinen Gewinn erwartet", denkt Vogt. Der Geheim- und Kommerzienrat wollte sich mit dieser Bahn ein Denkmal setzen.

Dass sie heute noch fährt, ist gar nicht selbstverständlich. Es war schon mal knapp. Man wollte den Betrieb einstellen, weil zu personalintensiv, und die 220.000 Gäste im Jahr mit Bussen über eine Straße heraufbringen. Doch dann behalf man sich anders. Seit 1977 gibt es einen Vertrag mit den angrenzenden Gemeinden und dem Landkreis, um das Defizit abzudecken. Und Ende der achtziger Jahre spendierte der Freistaat Bayern zwei neue Triebfahrzeuge.

Immerhin 22 Mitarbeiter beschäftigt die Zahnradbahn, und das scheint eine ganz eigene Truppe zu sein, die genau schaut, wer zu ihr passt, die jetzt wieder Lehrlinge ausbilden will, aber auch die Rentner zum Stammtisch lädt. Vogt wird nicht der letzte seines Namens in dieser Runde sein: Sein Sohn ist Betriebsleiter bei der Wendelstein GmbH.

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