Mittwoch, 19. Februar 2020

Knallbunte Koffer Farbe spart Zeit am Flughafen

Neue Koffer: Auf dem Gepäckband wird es bunt
TMN

Unter Dutzenden von schwarzen, grauen und dunkelblauen Koffern fällt der eigene dunkle nur schwer auf, wenn die Bordladung auf dem Gepäckband am Flughafen kreist. Erfahrende Reisende kaufen sich daher gern ein knallig buntes Modell. Auch Geschäftsleute denken langsam um.

Ulm - Früher mussten Koffer einfach groß sein: Reinpassen sollte, was für 14 Tage Urlaub nötig ist. Und auch auf Kurztrips wurde gern viel mitgenommen. Das hat sich geändert, wie Sonja Grau, Modeberaterin aus Ulm, beobachtet hat. "Heute nimmt man so wenig wie eben nötig mit." Das liege zum einen daran, dass die Mitnahme von Koffern im Flieger heute häufig extra kostet. Zum anderen an der Bequemlichkeit: "Wer reist denn heute noch etwa mit einem Reisebügeleisen? Zumal die Urlaubszeit viel zu kostbar ist, um dann noch zu bügeln."

So müssen Koffer vor allem eines sein: klein, aber im Innenleben geräumig und mit zahlreichen Extras ausgestattet, die die Kleidung knitterfrei und übersichtlich unterbringen. Grau schätzt etwa extra Kleidernetze, die als Zwischenlage zwei Seiten eines Koffers abtrennen. Darin verstaut sie ihre Blusen, die dort faltenfreier herauskämen. "Praktisch sind auch Schuhtaschen oder Beutel für die dreckige Wäsche."

Zu den Wünschen an einen Koffer zählt auch seine Wendigkeit: "Alles, was keine vier Rollen hat, geht nicht mehr", sagt Claudia Schulz vom Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie in Offenbach. Außerdem werde auf eine Tragestange Wert gelegt, die unterschiedlich hoch ausgefahren werden kann und an der auch andere Gepäckstücke wie die Laptoptasche hängen können.

Zugleich sollen Koffer immer leichter sein. "Es ist von Nachteil, wenn der leere Koffer schon sechs Kilo wiegt", sagt Schulz mit Blick auf die Gebühren, die manche Fluggesellschaften für den Koffertransport verlangen. Bei Carry-on-Koffern und -taschen, also jenen, die als Handgepäck mit in Flugzeuge genommen werden dürfen, liegt das erlaubte Gesamtgewicht meistens bei acht Kilogramm. Daher sei es für die Branche "momentan das Größte und Wichtigste überhaupt", den Leichtesten zu bieten, erläutert Oliver Nannen, Mitinhaber und Leiter der Produktentwicklung von Travelite. "Die Leute fragen im Geschäft als Erstes, welcher der leichteste Koffer ist."

Immer leichter, immer farbiger

Und so preisen die Firmen die Leichtigkeit ihrer Modelle auch besonders an: "Weniger als zwei Flaschen Wasser" wiege etwa Samsonites Bordmodell der Weichgepäckserie "Litesphere". Und das Bordmodell "Salsa Air" von Rimowa mit nur 1,9 Kilogramm bei 34 Litern Fassungsvermögen bezeichnet der Hersteller als "innovative Lösung für Kurzreisende, die Wert auf ein unverwechselbares Auftreten legen".

Ein leichtes und derzeit äußerst beliebtes Material für Hartschalenkoffer ist Polycarbonat. Es wird jedoch oft hochglänzend verwendet. Darauf sieht man allerdings schnell Kratzer, wie Schulz erläutert. Die Branche habe aber bereits erste matte Alternativen vorgestellt.

Ebenso praktisch ist auch die neue Vielfalt an Farben in den Kofferkollektionen. "Es geht hin zu knalligen Farben", sagt Schulz. Der Grund ist einfach: "Zwischen 30 schwarzen Koffern fällt ein bunter auf." Bei den vielen dunklen Koffern sei die Verwechslungsgefahr hoch. Zwar gibt es auch weiterhin so gut wie alle Modelle in dem gewohnten klassischen Schwarz oder Dunkelblau, aber es tummeln sich auf dem Gepäckband auch auffälligere Töne wie Rot oder leuchtendes Rosa und Neonfarben wie Giftgrün.

Das bunte Reisegepäck hat auch einen Lifestylefaktor. Auffälliges Reisegepäck hebt das Selbstbewusstsein des Besitzers hervor, der Spaß am Reisen hat. So kann auch ein schwerer Koffer zum modischen Accessoire werden. Dazu passen die mitunter ziemlich abgedrehten Farbnamen: "Salsa Air" von Rimowa gibt es etwa in "Inka Gold", "Magic" von Travelite gibt es mit den Mustern "Matrix", "Blume" oder "Welle".

Solche Modelle sprächen vor allem Urlauber an, sagt Schulz. Und Nannen berichtet, dass bei den Modellen in den höheren Preisklassen, also jenen, die tendenziell Geschäftsreisende kaufen, noch die dezenten Farben Braun, Anthrazit oder Blau neben Schwarz gefragt seien. Zu solchen Kofferfarben rät Grau Geschäftsreisenden auch: "Stilsichere Vielreisende" achteten darauf, dass ihr Reisegepäck sich nicht mit der Kleidung beißt. Die Modeberaterin empfiehlt als Alternative zum ewigen Schwarz Brauntöne - "Cognacbraun passt immer".

Aber Nannen schließt Farbtupfer auch bei solchen Reisenden nicht ganz aus - im Gegenteil. Buntes Innenfutter etwa sei "Usus". Und er fügt an: "Ganz in Schwarz geht zum Glück nicht mehr." Und Grau empfiehlt für den kleinen Farbakzent am Koffer bunte Kofferbänder oder Anhänger aus Kunststoff oder Nylon. Modebewusste Frauen können auch ein kleines, signalfarbenes Tuch an den Koffergriff knoten, um ihn auf dem Laufband schneller zu finden.

Simone Andrea Mayer, dpa

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