Dienstag, 15. Oktober 2019

Neue Luxushäfen Wo die Reichen ankern

Luxushäfen: Neue Hot Spots für Megayachten
Lungarno Collection

Monte Carlo war gestern, heute legen die Yachten der Reichen und Schönen in Montenegro an. Die Marina "Porto Montenegro" ist nur eine der diversen Luxus-Hafenanlagen, die rund um den Globus neu entstanden sind. Sie alle profitieren davon, dass es in den alten Häfen zu eng und zu voll geworden ist.

Montenegro - In der Antike galten schwarze Segel als Boten schlechter Nachrichten, doch wenn die "Beluga 1" vor der Küste von Montenegro Fahrt aufnimmt, denkt niemand an einen Trauerfall. Ganz im Gegenteil: Wer auch immer mit dem Zwei-Master auf Reisen geht, darf sich auf eine äußerst angenehme Zeit freuen. Das Schiff - es handelt sich um einen 28 Meter langen, türkischen Gulet - gehört Lady Anouska Weinberg, Hotelier und Inneneinrichterin aus London, die es komplett umgebaut und stilvoll eingerichtet hat.

Wenn die "Beluga 1" nicht auf hoher See ist, dann liegt sie im Hafenbecken von Porto Montenegro, oft genug neben "Golden Eagle", der 40-Meter-Motoryacht von Peter Munk, Milliardär und Erfinder der derzeit wohl angesagtesten Marina der Welt. Spätestens seit im vergangenen Sommer Nat Rothschild hier mit 400 Gästen seinen 40. Geburtstag feierte, hat der winzige Balkanstaat einen Platz auf dem Radar der Superreichen erobert, die vorher kaum wussten, dass es zwischen Kroatien und Albanien noch etwas zu sehen gibt.

Dabei war Montenegro schon in den 1960er Jahren ein Ferienziel für Hollywoodstars, Brigitte Bardot, Sophia Loren und Catherine Deneuve zählten zu den Besuchern. Kein Wunder: Wenn es um natürliche Schönheit geht, dann gibt es im südlichen Mittelmeer wenige Küstenabschnitte, die es mit dem Golf von Kotor aufnehmen können. Das erkannte auch die Unesco, die die spektakulär ins Meer abfallenden Karsteinfelsen, das natürliche Fjord und die zwei vorgelagerten Inselchen zum Weltkulturerbe erklärte.

Als Peter Munk 2006 im Helikopter über den Hafen von Tivat flog, waren es jedoch vor allem vier breite, mehrere hundert Meter lange Beton-Piers, die seine Aufmerksamkeit erregten. Der Gründer des weltgrößten Goldproduzenten "Barrick" kaufte dem Staat die Überreste des Österreichisch-Ungarischen Marinestützpunkt mitsamt rostender Militärschiffe, Raketenwerfer und Öllachen für einen Betrag, der je nach Quelle zwischen fünf und 155 Millionen Euro variiert, ab, und beschloss, hier ein neues Monte Carlo entstehen zu lassen.

Ein Penthouse am Hafen für drei Millionen Euro

Er fand finanzkräftige Partner - darunter Bernard Arnauld (LVMH), Lord Rothschild und Sohn Nathanial, sowie den russischen Oligarchen Oleg Deripaska - die mit ihm zusammen rund 600 Millionen Euro zur Verfügung stellten, und bescherte der verwahrlosten Anlage eine bemerkenswerte Metamorphose. Heute sonnen sich Gäste am 200 Meter langen Infinity Pool, uniformierte Kellner bringen ihnen eisgekühlten Taittinger an die Liegestühle.

Die Jettys sind in Adria Grigio-Stein gepflastert und mit Königspalmen bepflanzt, die ersten 185 Liegeplätze für Yachten sind fertig, weitere 465 in Planung. In Rufweite zu den Schiffen sind elegante Wohnanlagen entstanden, ein Dachterrassen-Penthouse kann locker drei Millionen Euro kosten, ein Studio ist schon für 200.000 zu haben.

Käufer kommen vor allem aus Russland, England und dem ehemaligen Jugoslawien, die meisten bringen ihre Yachten mit. "Die Boote werden immer größer, aber die alten Häfen wachsen nicht" sagt Peter Munk, und erklärt damit den Erfolg seiner Anlage. Schicke Boutiquen und Restaurants sowie die Eröffnung des Purobeach Porto Montenegro in diesem Juni tragen dazu bei, aus dem ehemaligen Militärhafen einen neuen Hot Spot am Mittelmeer zu machen.

Dass dort, wo Mega-Yachten kreuzen, Bedarf an eleganten Unterkünften, feinen Restaurants, schönen Geschäften und coolen Bars besteht, ist eigentlich ein nahe liegender Gedanke. Trotzdem haben erst in den letzten Jahren mutige Investoren damit begonnen, um Hafenbecken herum eine Welt zu gestalten, die den Ansprüchen jener Gäste entspricht, die mit wertvollen Drei-Mastern einen Parkplatz suchen.

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