Mittwoch, 18. September 2019

Neue Luxushäfen Wo die Reichen ankern

Luxushäfen: Neue Hot Spots für Megayachten
Lungarno Collection

2. Teil: Die alten Häfen sind zu klein, zu voll und zu teuer

Weil die schönen Häfen dieser Welt bereits bebaut sind, mussten attraktive Alternativen geschaffen werden - Saint Tropez, Saint Barth oder Portofino sind längst zu klein, zu voll und auch zu teuer geworden. Lustigerweise war es ein meeresferner Elsässer mit Schweizer Wurzeln, der den Prototyp einer Luxus-Marina erfand. Das mediterrane Hafendorf Port Grimaud wurde bereits in den 1960er Jahren von François Spoerry auf dem Reißbrett entworfen und später mehrfach vergrößert.

Immerhin sind die ältesten Bauten nun auch schon ein halbes Jahrhundert alt, und deshalb irgendwie "echt" geworden. Dass Port Grimaud als künstliche Retortenstadt entstanden ist, spielt jedenfalls keine Rolle mehr, nur dass die zu jeder Wohneinheit gehörenden Boot-Liegeplätze für große Yachten zu klein sind, trübt die Kauflust der Superreichen. Sie müssen ausweichen, und zwar an Orte, die bislang eher abseits ihrer Routen lagen.

Limassol auf Zypern etwa. Die 228.000-Einwohner-Stadt besticht nicht durch Schönheit: Breite Straßen, unattraktive Wohnblocks, ein schmaler Strand und eine kümmerliche Altstadt haben bislang kaum Besucher angelockt. Doch das könnte sich ändern. Ein Immobilien-Konsortium aus Bauunternehmern und Investoren versenkt gerade rund 350 Millionen Euro in den Meeresgrund.

Bis zum Herbst dieses Jahres soll der erster Teil der Limassol Marina fertig werden, gebaut wird nach Plänen des französischen Architekten Xavier Bohl, ein ehemaliger Mitarbeiter von François Spoerry, der in Port Grimaud lebt und arbeitet. Die Ähnlichkeit im Baustil ist nicht zu übersehen, allerdings hat Xavier Bohl aus den Unzulänglichkeiten von Port Grimaud gelernt und für Limassol eine weitaus weniger labyrinthische Wasserwelt entworfen, in der auch 115-Meter-Yachten drehen, und Boote von bis zu 60 Metern Länge bequem vor der eigenen Haustür vertäut werden können.

Ein Drei-Milliarden-Projekt auf den Bahamas

Insgesamt sind 650 Liegeplätze vorgesehen, dazu 94 Apartments und Penthouses zu Preisen von 428.000 Euro bis gut 2 Millionen. 40 Prozent davon sind bereits verkauft, die ersten Bewohner werden im November erwartet. Als Highlight gelten die 41 frei stehenden Villen mit unverbautem Blick aufs Meer. Eine der beiden größten wurde kürzlich für 13 Millionen Euro vom Plan weg verkauft.

Auf der anderen Seite des Atlantiks sind die ersten "cottages" der Albany Marina bereits fertig. Hinter dem Drei-Milliarden-Dollar-Projekt auf New Providence Island in den Bahamas steht der Brite Joe Lewis, laut Forbes-Liste auf Platz Nr. 7 der Reichsten im Vereinigten Königreich. Mitinvestoren sind die Golflegenden Tiger Woods und Ernie Els, und so ist es kein Wunder, dass Albany auch über einen 18-Loch-Golfplatz verfügt.

Überhaupt ist das im Oktober 2010 offiziell eröffnete Albany ein Projekt der Top-Kategorie: Das zweieinhalb Quadratkilometer große Areal liegt an einer wunderschönen Karibik-Küste mit Puderzucker-Strand, die Häuser wirken wie aus der "Raffaello"-Werbung, die Marina mit Platz für 71 Yachten ist vergleichsweise intim und trotzdem die größte der Karibik.

Bewohnbar sind bislang nur die Hotel-Cottages, drei bis fünf Schlafzimmer-Villen, die zum Marina-Resort gehören. Im Bau und größtenteils bereits verkauft sind rund 350 Privatresidenzen, verteilt auf Golfplatz-, Strand- und Marina-Lagen. Wer mit Blick auf den Hafen wohnen möchte, muss mit Preisen ab vier Millionen Dollar rechnen, ein 4000-Quadratmeter-Grundstück direkt am Meer mit Liegeplatz für eine 75-Meter-Yacht kostet 11 Millionen.

Seite 2 von 3

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung