Montag, 22. April 2019

Firmenjets Abflug in höhere Sphären

Businessjets: Wer vom Privatterminal abhebt
Corbis

5. Teil: DC Aviation - das deutsche Gegenmodell zu NetJets

Die Alternative ist: sich als Mercedes der Privatfliegerei zu positionieren. Das deutsche Gegenmodell zu NetJets heißt nicht umsonst DC Aviation und sitzt direkt am Vorfeld des Stuttgarter Flughafens. 30 Maschinen, 110 Piloten, 80 Techniker, 5000 Quadratmeter Hangar und 100 Millionen Euro Umsatz. Einst als Airline des Daimler-Chrysler-Konzerns gegründet, gehört sie seit dem Auseinanderbrechen des Verbundes dem Milliardär und Klinikgründer Lutz Helmig (66).

Die Tür zum Großraumbüro der Flugplaner fungiert als Trophäenhort. Dort hängen die Bilder von Unternehmern und Managern neben den Fotos von Rockstars wie Tina Turner, Paul McCartney, Bruce Springsteen und Schauspielern wie Pierce Brosnan.

Geld verdient der einstige Werksflugbetrieb heute nach einem einfachen Prinzip: Er betreibt die Flugzeuge großer Konzerne und reicher Familien, stellt Piloten und Flugbegleiter, plant die Flüge, übernimmt die Wartung und verchartert das Fluggerät, wenn die Eigentümer nicht gerade selbst in der Luft sind.

Es ist eine anspruchvolle Klientel. In den Regallagern des Hangars liegen Ersatzteile im Wert von sieben Millionen Euro griffbereit. 16 Leute kümmern sich rund um die Uhr um Flugpläne, Überflugsrechte und Landegenehmigungen. Das persönliche Inventar der Kunden wie Geschirr, Besteck und Bettwäsche wird nach jedem Flug aus der Maschine geräumt und liegt bis zum nächsten Mal fein säuberlich in schweren Rollschränken verstaut. Und für jeden Stammgast gibt es lange Listen mit den persönlichen Vorlieben in Sachen Mahlzeiten, Getränke und Filmprogramm.

Eine Stunde Flugzeit kostet 12.500 Euro - ohne Nebenkosten

Prunkstück der DCA-Flotte ist ein Airbus A319. Der russische Oligarch, dem die Maschine gehört, hat sie auf Präsidialniveau aufgerüstet. Großzügiger Konferenzraum mit zwei riesigen Flachbildschirmen, eine abgetrennte Schlafkabine mit zwei großzügig dimensionierten Betten und separater Duschkabine. Im Heckteil noch einmal 15 Businessclass-Sitze für Personenschützer, Sekretäre oder anderes Hilfspersonal.

Statt der bis zu 145 Passagiere, die sich sonst in einen A319 quetschen, ist der Riese für lediglich 19 Fluggäste zugelassen. Erst kürzlich reiste ein nordeuropäischer Regierungschef samt Entourage mit der Maschine nach Namibia und Südafrika. Der Grundpreis für eine Stunde Flugzeit liegt bei 12.500 Euro, ohne Crew und Nebenkosten.

Trotzdem bleibt es ein mühseliges Geschäft. Seit zwei Jahren ist DCA schwarz, die Renditen sind gerade mal einstellig.

Immerhin ist das mehr, als die Lufthansa Börsen-Chart zeigen mit ihrem Ableger Private Jet jemals hinbekommen hat. Die 2005 mit großem Aplomb gestartete Tochter türmte hohe Verluste auf, wurde zwischenzeitlich in die Schweiz ausgelagert und ist heute nur noch ein Schatten ihrer einstmals hohen Ansprüche. Die Flugzeuge wurden verkauft und der Service komplett an NetJets ausgelagert.

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