Dienstag, 23. April 2019

Firmenjets Abflug in höhere Sphären

Businessjets: Wer vom Privatterminal abhebt
Corbis

4. Teil: Nur jeder fünfte Kunde fliegt privat

Das Herumreisen mit dem Privatjet wird wegen eben dieser Privilegien von jenen, die es praktizieren, entweder verschwiegen, weil es als Ausdruck von Renommiersucht und Geltungsdrang, ja der Maßlosigkeit selbst gilt, oder aber in prahlerischer Manier an die große Glocke gehängt, und zwar aus eben denselben Gründen. Weder das eine noch das andere aber kann den Anbietern recht sein. Sie streben nichts so sehr an wie eine Etablierung als ebenso seriöse wie praktische Alternative zur ersten Klasse der Fluglinien.

Wohl am nächsten ist diesem Ziel bislang der globale Marktführer NetJets gekommen, nach eigenen Angaben dreimal so groß wie seine vier Verfolger zusammen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Columbus/Ohio verfügt über rund 800 Flugzeuge, von der eleganten Gulfstream 450 bis zur Citation X, dem schnellsten Geschäftsflugzeug der Welt.

Gewiss, die Herausforderungen, vor denen auch NetJets steht, sind groß: Die Flotte wird nicht jünger, die Übernahme des Rivalen Marquis Jet im November 2010 war teuer, der Markt schrumpft zur Zeit, und der Wettbewerb ist rau.

Doch der Klassenbeste besitzt den Vorteil, dass es in Amerika und Europa praktisch keinen Flugplatz gibt, der von ihm nicht angeflogen werden könnte. Allein 150 Flieger betreibt NetJets in Europa, wo die Firma seit 1996 eine Niederlassung in Lissabon unterhält.

NetJets: Rund 100 Stammkunden in Europa

Rund 100 Stammkunden zählt die Firma in Europa, unter ihnen angeblich ein halbes Dutzend Dax-Konzerne. Nur jeder fünfte Kunde, heißt es, sei ein Privatmann.

Doch der schillernden Kundenliste zum Trotz sind die Amerikaner in Deutschland längst nicht da, wo sie gern wären. Was einerseits mit dem aggressiven Ruf des Verkaufspersonals zu tun hat. Und andererseits an der merkwürdigen Gewohnheit liegt, bereits bezahlte und noch nicht genutzte Flugstunden am Jahresende entweder verfallen zu lassen oder erst nach langatmigen Verhandlungen auf den Folgekontrakt zu überschreiben.

Die Frage ist, wie lange sich NetJets sein starrköpfiges Geschäftsgebaren erlauben kann. Von konjunkturellen Turbulenzen abgesehen, sorgen mittlerweile auch Vermittler wie Aviation Broker in Frankfurt oder Air Partner in London für erhöhte Transparenz auf dem Markt und nur widerwillig steigende Preise.

Tatsächlich liegt das Preisniveau heute um 20 bis 30 Prozent unter dem des Jahres 2007. Viele Vermieter, die überleben wollen, sehen sich gezwungen, nach Passagieren unterhalb des Jetsets Ausschau zu halten und Preise anzubieten, die teilweise mit denen der Businessclass konkurrieren können.

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